Diese Ordensfrau begleitete 40 Jahre lang zum Tode verurteilte Menschen in Singapur

Schwester Gerarda Fernandez
Foto: Catholicnews.sg
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Sie begleitete 18 Männer und Frauen in den Tod: Schwester Gerarda Fernandez hat 40 Jahre lang Gefangene in Singapur begleitet – darunter auch zum Tode verurteilte, die auf ihre Hinrichtung warteten.

Für ihr christliches Engagement wurde die aus Singapur stammende katholische Ordensschwester in die Liste der 100 einflussreichsten Frauen der Welt der "BBC" aufgenommen.

Die heute 80 Jahre alte Schwester Gerarda Fernandez ist eine entschiedene Gegnerin der Todesstrafe. Diese sei "grausam, unmenschlich" und gegen "das Recht auf Leben", sagte die Ordensfrau laut "Fides".

"Jedes Leben ist immer kostbar, auch wenn eine Bestrafung erforderlich ist. Strafe und Gerechtigkeit müssen immer die Möglichkeit der Umerziehung und Barmherzigkeit einschließen".

Heute finde endlich eine Revision der Todesstrafe in Singapur statt, betonte sie.

Der südostasiatische Stadtstaat – eine ehemalige britische Kolonie – ist dafür bekannt, dass er mit großer Härte gegen Straftaten vorgeht, bis hin zur Todesstrafe durch den Strang für Drogendelikte. Immer wieder werden auch Ausländer, in den meisten Fällen Drogenschmuggler, in Singapur zum Tode verurteilt.

In den 1990er Jahren hatte Singapur mehreren Organisationen zufolge die weltweit zweithöchste Vollstreckungsrate pro Kopf. Im Jahr 2018 wurden 13 Menschen hingerichtet. Umfragen zufolge unterstützen zudem 95 Prozent der Bevölkerung die Todesstrafe.

Ihre Aufgabe sei es immer gewesen, Barmherzigkeit, Mitgefühl und die Liebe Christi zu den Gefangenen im Todestrakt zu bringen, so die Ordensfrau laut "Fides".

"Ich komme aus einer Familie, in der mich die Eltern im Glauben erzogen haben… In meiner Familie sind heute drei von uns Geschwistern geweiht", so die 1938 geborene Ordensfrau.

Die Arbeit unter den Gefangenen im Todestrakt im Changi-Gefängnis in Singapur bezeichnet sie als "etwas Besonders" und erklärt:

"Alle Menschen im Todestrakt haben Gottes Plänen zuwider gehandelt und damit ihr junges Leben zerstört. Aber dank der Barmherzigkeit Jesu macht Gott sich gegenwärtig und verändert diese letzte Phase ihres irdischen Lebens. Viele haben das Wunder der Bekehrung und Transformation ihres Herzens erlebt. Der gute Hirte hat seine Schafe gefunden. Ich hatte das Privileg, in den letzten Augenblicken ihres irdischen Lebens bei ihnen zu sein."

Ein Mörder habe ihr vor der Hinrichtung gesagt: "Mach dir keine Sorgen, Schwester. Ich weiß, dass Gott mich liebt. Morgen früh werde ich ihn von Angesicht zu Angesicht sehen."

Religion in Singapur

In der Metropole am Äquator leben offiziellen Angaben zufolge 5,6 Millionen Menschen unterschiedlicher Herkunft, vor allem chinesischen, malaischen und indischen Ursprungs. Über ein Drittel der Bevölkerung ist buddhistischen Glaubens. Zu verschiedenen Formen des Christentums bekennen sich 18 Prozent, als "nichtreligiös" bezeichnen sich 17 Prozent. Weitere signifikante Minderheiten bilden Angehörige des Islam (14%) sowie Taoisten (11 %) und Hindus (5%).

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