"Ein normales Leben" für Siamesische Zwillinge nach Operation in Krankenhaus des Vatikans

Ein multidisziplinäres Ärzte-Team bereitete sich über ein Jahr lang auf die Operation zur Trennung der Zwillinge vor.

Ermine mit ihren Töchtern Ervina and Prefina.
Foto: Bambino Gesù / CNA Deutsch

Nach einer erfolgreichen Operation am Kinderkrankenhaus des Vatikans kehren zwei als Siamesische Zwillinge geborene Schwestern in den kommenden Monaten heim und können höchstwahrscheinlich ein "normales Leben führen". Das hat der Leiter der Neurochirurgischen Abteilung von Bambino Gesù der Catholic News Agency (CNA) mitgeteilt.

Die Trennung der zwei Jahre alten, miteinander bei Geburt am Kopf verwachsenen Zwillinge war die erste Operation dieser Art in Italien, teilte das Krankenhaus mit. 

Die letzte einer ganzen Reihe von Operationen fand am 5. Juni statt Punkt sie dauerte 18 Stunden. 30 Mitarbeiter des Krankenhauses waren daran beteiligt.

"Es Ist uns gelungen, einen außergewöhnlichen Erfolg zu erzielen, trotz einer sehr komplizierten Fehlbildung. Neurologisch gesehen, geht es den beiden kleinen Mädchen Sehr gut und sie haben Eine ausgezeichnete Prognose", so Dr. Carlo Efisio Marras, Leiter der Abteilung für Neurochirurgie des Krankenhauses gegenüber CNA am 8. Juli. 

"Eine außergewöhnliche Erfahrung"

"Diese Errungenschaft ist das Ergebnis einer mehr als einjährigen Untersuchungs- und Vorbereitungsarbeit, an der mehrere Fachrichtungen und Berufe innerhalb des Krankenhauses beteiligt waren. Es gab viele schwierige Phasen, da mehrere chirurgische Eingriffe erforderlich waren, jeder mit seinen eigenen Herausforderungen", sagte Marras gegenüber CNA.

"Aber am schwierigsten war das Venensystem, das Blut vom Herzen zum Gehirn bringt, um es mit Sauerstoff zu versorgen. Wenn es uns nicht gelungen wäre, mit diesem von beiden Babys geteilten System umzugehen, wäre das Ergebnis katastrophal gewesen". 

"Ich muss meinem Krankenhaus, das dafür bekannt ist, Forschung, Entwicklung und Solidarität zusammenzubringen, für diese außergewöhnliche Erfahrung danken", fügte Marras hinzu.

"Wenn Menschenleben gerettet werden kann, muss das auch getan werden".

Wie das Krankenhaus mitteite, wurden die Zwillinge Ervina und Prefina am 29. Juni 2018 in einem Dorf etwa 100 Kilometer außerhalb Banguis, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, geboren. 

Mariella Enoc, Präsidentin des Bambino Gesù, traf die Zwillinge im Juli 2018 bei einem Besuch in Bangui, wohin die Schwestern nach ihrer Geburt verlegt worden waren. Enoc half mit, den Ausbau der pädiatrischen Dienste in dem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört, zu überwachen und reagierte damit auf einen Appell von Papst Franziskus. Sie beschloss, die Mädchen zur Operation nach Rom zu bringen.

"Wenn Menschenleben gerettet werden kann, muss das auch getan werden. Wir können und dürfen nicht wegschauen", sagte sie auf einer Pressekonferenz.

Die Zwillinge kamen mit ihrer Mutter, Ermine, am 10. September 2018 in Italien an. Erste Tests bestätigten, dass die Schwestern gesund waren, aber unterschiedlichen Blutdruck hatten, was darauf hindeutet, dass eines der Herzen der Mädchen härter arbeiten musste, um die gesunde Funktion ihrer Organe, einschließlich des Gehirns, aufrechtzuerhalten.

"Eine fantastische, unwiederholbare Erfahrung"

Das Krankenhaus teilte mit, dass die Zwillinge über den Hinterkopf, einschließlich des Nackens, verbunden waren, wobei sie sich sowohl Haut als auch Schädelknochen teilten. Die größte Herausforderung für die Ärzte bestand darin, dass die beiden auch die Blutbahn teilten, die vom Herzen zum Gehirn führt.

Das Krankenhaus betonte, dass die Schwestern unterschiedliche Persönlichkeiten hätten, und beschrieb Prefina als "verspielt und lebhaft" und Ervina als "ernsthafter und aufmerksam".

Ein multidisziplinäres Team, dem Neurochirurgen, Anästhesisten und plastische Chirurgen angehörten, bereitete sich über ein Jahr lang auf die Operation zur Trennung der Zwillinge vor. Die Ethikkommission des Krankenhauses prüfte die voraussichtliche zukünftige Lebensqualität der Mädchen.

Die Trennung erfolgte in drei Phasen. In der ersten, im Mai 2019, begannen die Neurochirurgen damit, die Membranen und Venensysteme zu trennen und wieder aufzubauen.

In der zweiten, einen Monat später, konzentrierten sich die Mediziner auf die Nasennebenhöhlen im Gehirn. Nach Angaben des Krankenhauses handelte es sich um eine kritische Phase der Behandlung, da "der Operationsspielraum nur wenige Millimeter groß ist".

Die beiden Operationen bereiteten die Mädchen auf die dritte und letzte Phase der vollständigen Trennung am 5. Juni vor.

"Es war ein aufregender Moment, eine fantastische, unwiederholbare Erfahrung. Es war ein sehr ehrgeiziges Ziel, und wir taten alles, was wir konnten, um es zu erreichen, mit Leidenschaft, Optimismus und Freude. Indem wir jeden Schritt miteinander teilten und jedes einzelne Detail gemeinsam studierten", sagte Marras.

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