Hoffnung und Skepsis nach Waffenstillstand für Bergkarabach

Gebirge in Bergkarabach
Foto: Sonashen (CC BY-SA 3.0)

Der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, hat die Nachricht vom Waffenstillstand in der Region Berg-Karabach kritisch bewertet.

Der Waffenstillstand wurde am späten Montagabend, dem 9. November, von Vertretern Armeniens und Aserbaidschans mit der Vermittlung des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnet.

"Wenn die Waffen schweigen, gibt es Hoffnung. Für viele Armenier ist das Waffenstillstandsabkommen jedoch nur eine Kapitulation. Offensichtlich gab es für die armenische Regierung derzeit keine andere tragfähige Lösung", so Erzbischof Marayati laut "Fides".

"Im Moment sind die Einzelheiten des Abkommens noch nicht bekannt, und diesbezüglich können nur allgemeine Einschätzungen vorgenommen werden. Es bleibt die Trauer um die vielen jungen Menschen, die in den letzten Wochen gestorben sind, und die Hoffnung, dass Berg-Karabach weiterhin ein Ort bleibt, wo die Armenier ihre Kirchen besuchen und ihre Traditionen pflegen können."

Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan erklärte in einer Stellungnahme, dass das Abkommen "die bestmögliche Lösung für die aktuelle Situation" darstelle.

Mit dem Abkommen endet ein sechs Wochen andauernder Konflikt mit heftigen Gefechten, bei denen Berichten zufolge hunderte Menschen ums Leben kamen. 

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev bezeichnete das Abkommen in einer Fernsehansprache als "Kapitulation" Armeniens.

"Wir haben ihn gezwungen, dieses Dokument zu unterschreiben", so Aliyev und bezog sich dabei auf den armenischen Premierminister Paschinjan.

Der aserbaidschanische Präsident fügte hinzu, dass das Abkommen die Stationierung russischer Truppen in Berg-Karabach für die nächsten fünf Jahre vorsehe.

"Die heutige Erklärung", so der russische Präsident Putin, "zeigt, dass Russland und die Türkei eine gemeinsame Friedensmission haben. Wir schaffen ein völlig neues Format für die Beziehungen in der Region."

Putin bestätigte die Einigung über den Waffenstillstand in Berg-Karabach in einer vom russischen TV-Sender „Rossiya 24 TV“ ausgestrahlten Ansprache und fügte hinzu, dass Aserbaidschan und Armenien „derzeit ihre Stellungen unter der eigenen Kontrolle behalten werden und auf die Ankunft russischer Friedenstruppen entlang der Front und entlang des Korridors, der Karabach mit Armenien verbindet warten. Vertriebene und Binnenflüchtlinge werden unter der Kontrolle des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen in ihre Herkunftsgebiete zurückkehren."

In Armenien kam es nach Bekanntwerden der Nachricht vom Waffenstillstandsabkommen zu Protesten. Gemäß den Bedingungen des Abkommens sollen sich armenische Truppen zum Zeitpunkt des Waffenstillstands Anfang Dezember aus den besetzten Gebieten zurückziehen.

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