So sieht der "synodale Prozess" für die Kirche in Rom aus

Kardinal Angelo De Donatis, Generalvikar der Diözese Rom
Foto: Diözese Rom
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Besser auf das Wort Gottes hören, die Priester von Verwaltung entlasten, und gemeinsam pastorale Netzwerke im Dienst der Kirche aufbauen: Das ist der synodale Prozess für die Kirche in Rom, der am 16. September angekündigt wurde.

"Stille ist die Vorbedingung jeglichen Zuhörens - des Wortes Gottes und des menschlichen Wortes. Es geht darum, allen Lärm, innen und außen, zum Schweigen zu bringen, um ein Wort zu aufzunehmen, das ´anderes als ich´ ist." So Kardinal Angelo De Donatis, Generalvikar des Papstes für die Diözese Rom, am Abend des 16. September anlässlich des ersten Treffens – von insgesamt vier – zu Beginn des Pastoraljahres in der Lateranbasilika.

De Donatis bestätigte die Entscheidung eines "Synodalen Weges" für die Kirche von Rom. Dazu ist ein "Pastoralteam" eingerichtet worden, so der Kardinal, "das aus Priestern und einigen Laien besteht, mit insgesamt maximal zwölf Personen." Es handelt sich um eine rein pastorale Einrichtung, die sich auch vom Pfarrgemeinderat oder Pastoralrat unterscheidet. Das Pastoralteam kann auch nur von Priestern und drei bis fünf Laien gebildet werden. Seine Aufgabe ist es, die Pfarrgemeinde von innen heraus zu animieren und sie in einen Weg der pastoralen Erneuerung, der sieben Jahre dauern wird, mit einzubeziehen.

"Das Team ist also Herz und Seele des Prozesses und zielt darauf ab, die ganzen Gemeinde zum Zuhören zu motivieren und sie dabei zu begleiten."

Kardinal De Donatis erklärte, die Laien "werden sich nicht mehr als Angestellte der Pfarrei oder als billige Arbeitskräfte fühlen, sondern als echte Mitglieder des Volkes Gottes, die zu Gedanken und Initiative fähig sind."

Die Priester sollen gleichzeitig weniger Organisatoren und Gebäudeverwalter sein, um mehr Väter sein zu können, fuhr der Kardinal fort. Die Pfarreien und die verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften würden sich verändern: weniger zentralisiert und selbstbezogen, polyzentrischer und miteinander verbunden. Nicht Zersplitterung, sondern Gemeinschaft im Reichtum der Ausdrucksformen und der Sensibilität. Auch die Spiritualität werde sich entfalten: weniger intimistisch, individualistisch, weniger "New Age", sondern konkret, fähig, dem Leben einen Sinn zu geben und die Mission zu begründen und ihr Substanz zu verleihen.

Der Vikar schlug dann vier zentrale Punkte vor. Zuerst, "die Menschen dort zu erreichen, wo sie leben, um ihnen zu begegnen und mit ihnen in Dialog zu treten." Dann: Die Notwendigkeit, "andere zum Teilen und zum Vertrauen" anzuregen. Drittens, das Teilen der eigenen Geschichten – und schließlich: Eine gewisse Diskretion beim Mitteilen dieser Lebensgeschichten in der Gemeinde, ohne direkte Anspielungen auf bestimmte Menschen.

Um dies tun zu können - so der Kardinal abschließend - ist es notwendig, "mit dem Herzen zuzuhören", weil "das Organ des Zuhörens nicht das Ohr, sondern das Herz ist." Wesentlich sei es, eine seelische Veranlagung zur Sympathie dem anderen gegenüber zu besitzen: ihn im Herzen mit einer Haltung des Wohlwollens aufzunehmen weil er unser Bruder ist, und sich auf eine echte Beziehung einzulassen, die durch Zuhören und Dialog genährt wird. Das kontemplative Herz versteht es, Gottes Gegenwart und Handeln im Leben der anderen und in der Geschichte der Menschheit mit authentisch spiritueller Klarheit zu erkennen."

Am Ende kündigte Kardinal De Donatis an, Papst Franziskus werde am 9. November in der Lateranbasilika die heilige Messe zur Weihe dieses Gotteshauses feiern.

Übersetzt aus dem italienischen Original von Susanne Finner. Zuerst veröffentlicht bei der CNA Deutsch-Schwesteragentur ACI Stampa.

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