Kolumbianischer Bischof übernimmt Aufsicht krisengeschüttelten Sodalitiums

Das Symbol der Gemeinschaft
Foto: CNA / Archiv
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Der Vatikan gab am gestrigen Mittwoch bekannt, dass der kolumbianische Bischof Noel Antonio Londoño Buitrago C.Ss.R. zum päpstlichen Beauftragten für das Sodalitium Christianae Vitae ernannt, eine katholische Gesellschaft des apostolischen Lebens.

Londoño wird die Gemeinschaft beaufsichtigen, während sie einen Reformprozess fortsetzt, nachdem Enthüllungen, dass ihr Gründer, Luis Fernando Figari, Misshandlungen begangen hat, während er die Gemeinschaft leitete. Mehrere weitere Verantwortliche der Gemeinschaft waren mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert.Londoños Ernennung wurde in einem Kommuniqué vom 10. Januar vom Vatikan verkündet, in dem es heißt, Londoño, der Bischof von Jericó, werde seine Rolle neben Kardinal Joseph Tobin aus Newark ausüben, der seit Mai 2016 als päpstlicher Delegierter den SCV-Reformprozess beaufsichtigt.

Tobin wird weiterhin die Verbindung der Gruppe mit der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens pflegen und sich in erster Linie auf die Reform wirtschaftlicher Angelegenheiten konzentrieren. In seiner Rolle als Kommissar wird Londoño die weitere Leitung verantworten, während das Institut seine Reform fortsetzt.

In einer Erklärung, die am 10. Januar veröffentlicht wurde, drückte das Sodalitium seine Dankbarkeit gegenüber Papst Franziskus und den Vertretern des Vatikans aus, und versichert seinen Gehorsam gegenüber dem Heiligen Vater und der Kirche.

Das Sodalitium Christianae Vitae wurde 1971 von Figari in Peru gegründet und 1997 päpstlich anerkannt. Alejandro Bermúdez, Executive Director von CNA, ist Mitglied der Gemeinschaft.

Neben der Gründung der SCV, einer Gemeinschaft von Männern, gründete Figari auch die Marianische Gemeinschaft der Versöhnung und die Diener des Planes Gottes, eine Gemeinschaft von Frauen und eine Ordensgemeinschaft von Ordensfrauen. Im Jahr 2002 wurde er zum Konsultor des Päpstlichen Rates für die Laien ernannt und war in beratenden Funktionen im Vatikan tätig.

Figari trat 2010 als Leiter zurück, nachdem in Peru Vorwürfe des Missbrauchs aufgetaucht waren. Der derzeitige Leiter ist Alessandro Moroni Llabres.

Die Gemeinschaft wurde nach der Veröffentlichung eines Buches im Jahr 2015 von den Journalisten Paola Ugaz und Pedro Salinas untersucht, die den Vorwurf jahrelangen sexuellen, physischen und psychischen Missbrauchs durch Mitglieder des SCV erheben. Neben Peru ist die Gemeinschaft in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Chile, Ecuador, den Vereinigten Staaten und Italien tätig.

Figari und andere ehemalige Führer der Gemeinschaft sind weiterhin Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen in Peru.

Im Mai 2016 ernannte der Papst Erzbischof Tobin zum päpstlichen Delegierten, der damit betraut war, den Umgang der Gemeinde mit der Untersuchung und deren Reformprozess zu überwachen.

Im Februar 2017 berichtete ein Team von unabhängigen Ermittlern, die vom Sodalitium beauftragt worden waren, dass "Figari mindestens ein Kind sexuell missbrauchte, manipulierte, sexuell missbrauchte oder mehrere andere junge Menschen verletzte; und körperlich oder psychisch Dutzende weitere missbrauchte."

Infolgedessen erließ die Kongregation für die Institute des geweihten Lebens des Vatikans im selben Monat ein Dekret, das Figari jeden Kontakt mit der Religionsgemeinschaft untersagte und Reisebeschränkungen auferlegte. Figari durfte auch keine öffentlichen Erklärungen abgeben.

Das Vorgehen des Vatikans ist dem im Fall der Legionäre Christi vergleichbar, nachdem festgestellt worden war, dass deren Gründer, Pater Marcial Maciel, ein Doppelleben geführt hatte.

Im Jahr 2006 hat die Kongregation für die Glaubenslehre Maciel mit Zustimmung des Papstes "ein zurückgezogenes Leben des Gebets und der Buße" auferlegt. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters war Maciel nicht Gegenstand eines formellen kirchenrechtlichen Verfahrens.

Von diesem Zeitpunkt an führte Benedikt XVI. einen Reformprozess für die Legionäre durch, und im Jahr 2010 wurde der damalige Kardinal Velasio De Paolis als päpstlicher Delegierter ernannt, um in einer ähnlichen Rolle wie Bischof Londoño für den SVC zu dienen.

Nach seiner Ernennung bildete De Paolis eine Kommission, die beauftragt wurde, neue Verfassungen für die Legionäre zu entwerfen. Er beendete sein Mandat im Jahr 2014, als die neuen Verfassungen von Papst Franziskus genehmigt wurden. Der Kardinal starb im September 2017.

Für Bischof Londoños Mandat als Kommissar wurde kein bestimmter Zeitrahmen festgelegt, und es ist noch nicht bekannt, welche Schritte er einleiten wird. Er wird jedoch wahrscheinlich dem von Kardinal De Paolis vorgegebenen Modell folgen und beiseite treten, wenn die Gemeinschaft einen klaren Weg hat.

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