Papst an Orientalisch-Orthodoxe Führer: Ökumene der Märtyrer ruft uns zur Einheit auf  

Herzliche Begegnung im Vatikan: Papst Franziskus und Patriarch Abune Mathias am 29. Februar im Vatikan
Foto: L'Osservatore Romano
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Die Märtyrer von heute sind zur "Saat der Einheit der Christen" geworden, sagte Papst Franziskus am Montag während einer Audienz mit dem Führer der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche und seiner Delegation. 

"Die Ökumene und die Märtyrer fordern uns auf, hier und jetzt den Weg zur immer größer werdenden Einheit voranzutreiben", sagte der Papst bei dem Treffen mit Abune Mathias, Patriarch der Äthiopischen Orthodoxen, am 29. Februar im Vatikan.

"So wie in der Frühkirche das Blut der Märtyrer zur Saat für neue Christen wurde, so ist heute das Blut der vielen Märtyrer aller Kirchen zur Saat der Einheit der Christen geworden."

Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche ist die größte der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen. Sie lehnen das Konzil von Chalcedon (451) ab. Katholiken und Orthodoxe betrachten ihre Anhänger historisch als Monophysiten, also als solche, die glauben, dass Christus nur eine Natur habe.

Diese Begegnung war die erste von Franziskus und Abune Mathias. Sein Vorgänger, Abune Paulos, hatte sich 1993 mit Johannes Paul II und im Jahr 2009 auch mit Benedikt XVI getroffen. Franziskus erkannte die lange Geschichte des Martyriums in der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche an, die heute einem "verheerenden Gewaltausbruch" gegen Christen und Minderheiten im Nahen Osten und in Teilen Afrikas ausgesetzt sei.

Im April 2015 hatte er Abune Mathias sein Beileid ausgerichtet, als der Islamische Staat ein Video über eine Massenhinrichtung von äthiopischen Christen durch seine Kämpfer in Libyen veröffentlicht hatte. "Wir dürfen nicht scheitern, nicht noch einmal, diejenigen, die das politische und wirtschaftliche Leben der Welt regieren, anzuflehen, eine friedliche Koexistenz zu fördern, die auf gegenseitigen Respekt und Versöhnung, auf gegenseitiger Vergebung und Solidarität beruht", sagte er während des Treffens. Er zitierte in dem Zusammenhang aus dem Brief von Paulus an die Korinther: "Wenn ein Glied leidet, leiden alle zusammen", und er merkte an, dass "das Teilen von Leid Christen dazu bewogen hat, die sonst auf so viele Arten getrennt waren, wieder zusammenzuwachsen." 

"Die Märtyrer und Heiligen aller kirchlichen Traditionen sind bereits eins in Christus. Ihre Namen sind in dem einen Martyrologium der Kirche Gottes eingeschrieben." Franziskus betonte, dass der Besuch von Abune Mathias in Rom "die brüderlichen Bande, die bereits unsere Kirchen vereint, noch weiter stärkt." 

"In der frühen Kirche war es üblich, dass eine Kirche einen Vertreter zu den Synoden der jeweils anderen Kirchen schickte", sagte er und fügte hinzu, dass eine Delegation des Heiligen Stuhls auch bei der Beerdigung von Abune Paulos 2012 anwesend war. Der römische Pontifex lobte den Fortschritt im theologischen Dialog unter Federführung der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche.

"Wir freuen uns über die zunehmende Beteiligung der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche in diesem Dialog", sagte der Papst. Durch die Kommission "haben wir gemerkt, dass wir fast alles teilen: einen Glauben, eine Taufe, einen Herrn und Erlöser, Jesus Christus", fuhr er fort. "Wir sind aufgrund unserer Taufe vereint, die uns zu Gliedern des einen Leibes Christi gemacht hat. Wir sind auch vereint durch die verschiedenen gemeinsamen Elemente unserer reichen klösterlichen Traditionen und liturgischen Praxis. Wir sind Brüder und Schwestern in Christus." "Wie es oft beobachtet worden ist, ist das was uns eint, größer als das, was uns trennt."

 Franziskus lobte zudem Äthiopiens Fortschritte bei der Verbesserung "der Lebensbedingungen für die Menschen" und dem Bemühen "eine immer gerechtere Gesellschaft, auf Grundlage von Rechtsstaatlichkeit und Respekt für die Rolle der Frauen" zu schaffen. Er sprach auch über Zusammenarbeit zwischen den Kirchen, dem Gemeinwohl zu dienen und die Umwelt zu schützen. "Ich bin mir sicher, dass die Katholische Kirche in Äthiopien bereit ist, mit der Orthodoxen Tewahedo-Kirche zusammenzuarbeiten, der Seine Heiligkeit vorsteht."

Der Papst schloss seine Ansprache, indem er seine "inständige Hoffnung, dass mit diesem Treffen ein neues Kapitel der geschwisterlichen Freundschaft zwischen unseren Kirchen beginnen möge", zum Ausdruck brachte. "Wir sind uns der Last schmerzvoller Missverständnisse und des Misstrauens bewusst, die uns die Geschichte hinterlassen hat und dafür suchen wir Gottes Vergebung und Heilung", sagte er. "Lasst uns füreinander beten, um den Schutz der Märtyrer und der Heiligen für alle Gläubigen unserer pastoralen Sorge zu erbitten." 

"Möge der Heilige Geist uns auch weiterhin aufklären und unsere Schritte in Richtung Harmonie und Frieden führen. Möge er in uns die Hoffnung nähren, dass wir eines Tages mit Gottes Hilfe um den Altar des Opfers Christi in der Fülle der eucharistischen Gemeinschaft vereint sein werden."