Papst Franziskus: "Die Welt braucht freie Menschen!"

Pontifex warnt vor drei Bedrohungen der menschlichen Freiheit: Konsum, Technologie und Armut

Papst Franziskus begrüßt Pilger auf dem Petersplatz am 14. November 2018
Foto: Marina Testino / CNA Deutsch

In einer Videobotschaft zum Festival der Soziallehre der Kirche, das in der italienischen Stadt Verona stattfindet, sagte Papst Franziskus, dass die Reduktion des Menschen auf einen bloßen Konsumenten seine Freiheit bedrohe.

"Wir müssen uns alle zusammen bemühen, das zu beseitigen, was den Männern und Frauen den Schatz der Freiheit nimmt. Und gleichzeitig den Geschmack dieser Freiheit wiederentdecken, die es versteht, das gemeinsame Haus, das Gott uns gegeben hat, zu bewahren" so der Papst in seiner Botschaft zum Festival, das vom 22. bis 25. November unter dem Motto "Das Risiko der Freiheit" stattfindet.

Franziskus betonte, dass es drei Realitäten gebe, die derzeit die Freiheit eines jeden Menschen bedrohten: Die Reduktion des Menschen auf Konsum, die Macht der Technologie – und die Armut.

Der Papst erklärte, dass die Freiheit zur Illusion werde, wenn man den Mensch zu einem "bloßen Verbraucher" herabmindere, weil man so "alle glauben lässt, sie seien frei, solange sie die angebliche Freiheit besitzen, zu konsumieren, während die Freiheit wirklich diejenigen besitzen, die jene Minderheit bilden, die die wirtschaftliche und finanzelle Macht innehat."

"Das ist keine Freiheit, das ist Sklaverei: Die Erfahrung des Alltag wird von Resignation, Misstrauen und Angst gezeichnet", so weiter der Pontifex.

Der Papst betonte auch: "Wenn auch einige fürchten, gegen den Strom zu schwimmen, so führen doch viele in ihrem Alltag einen bescheidenen, solidarischen, offenen und gastfreundlichen Lebensstil. Sie sind die wahre Antwort auf die verschiedenen Sklavereien, denn sie bewegen sich als freie Menschen."

Diese Menschen, fuhr der Papst fort, "entzünden verborgenen Wünsche, öffnen Horizonte, lassen das Gute als begehrenswert erscheinen. Die gelebte Freiheit beschränkt sich nie darauf, das, was geschieht, zu verwalten, denn sie beinhaltet immer etwas, das darüber hinausführt. Die Freiheit tötet die Träume nie, sondern sie schafft im Leben das, was viele sich wünschen, aber nicht den Mut haben, zu verfolgen."

Sicherlich - "frei zu sein ist eine Herausforderung, eine ständige Herausforderung: Sie fasziniert, sie fesselt, sie verleiht Mut, sie lässt träumen, sie weckt Hoffnung, sie investiert in das Gute, sie glaubt an die Zukunft. Daher beinhaltet sie eine Kraft, die stärker ist als jede Sklaverei. Die Welt braucht freie Menschen!" 

In Bezug auf die Armut, die durch große Ungerechtigkeiten verursacht wird und ebenfalls die Freiheit bedroht, beklagte Papst Franziskus, es "handle sich nicht mehr nur um das Phänomen der Ausbeutung und Unterdrückung, sondern auch um etwas Neues: Durch die Ausgrenzung wird die Zugehörigkeit zur Gesellschaft, in der man lebt, an ihrer Wurzel getroffen. Denn in ihr befindet man sich nicht mehr am unteren Rand, in der Peripherie oder im Bereich des Machtlosen, sondern man befindet sich außerhalb. Die Ausgeschlossenen sind nicht "Ausgebeutete", sondern "überschüssiger Abfall".

"Es ist die Wegwerf-Kultur! Wenn ein Mann oder eine Frau zu "Überresten" herabgewürdigt wird, erleben sie in sich nicht nur die schlechten Früchte der Freiheit anderer Menschen, sondern man betrügt sie auch um die Möglichkeit, ihre Freiheit für sich selbst, für ihre Familie, für ein gutes, gerechtes und würdevolles Leben zu "riskieren".

Bezüglich der Macht der Technologie erklärte der Heilige Vater, dass diese die Freiheit bedrohe, "wenn sie nicht mit einer angemessenen Entwicklung der Verantwortlichkeit, der Werte und des Gewissens einhergehe. So verliert man den Sinn des Limits und das hat zur Folge, dass man die epochalen Herausforderung nicht mehr sieht, die vor uns liegen. Die Verabsolutierung der Technik kann sich gegen den Menschen selbst kehren."

Der Papst erläuterte auch, dass "sich die Freiheit des Menschen in ihrer eigenen Tiefe entdeckt, wenn sie versteht, dass sie durch die liebende Freiheit des Vaters geschaffen und gestützt wird, die sich im Sohn offenbart, im Antlitz der Barmherzigkeit.

Unter seinem erbarmenden Blick kann jeder Mensch stets den Weg des ´Risikos der Freiheit´wieder aufnehmen."

"Liebe Freunde, ich wünsche Euch, dass ihr freie Menschen seid und keine Angst habt, Euch zu verschenken und euch die Hände schmutzig zu machen, um das Gute zu tun und den Bedürftigen zu helfen", endete der Papst.

Susanne Finner trug zur Berichterstattung bei.

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