Vatikanische Museen widmen Winckelmann eine Ausstellung

Darstellung aus dem Katalog der Winckelmann-Ausstellung
Foto: Vatikanische Museen
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Ihm verdanken wir die "klassische" Idee des "Klassizismus": Johann Joachim Winckelmann. "Edle Einfachheit und stille Größe" ist eine Synthese seines Denkens auf der Grundlage des Studiums der griechischen und römischen Kunst, das der deutsche Gelehrte als Ausgangspunkt für das Studium aller Kunst und als archäologische Methode entwickelt hat.

Die Vatikanischen Museen eröffnen am heutigen 9. November die Ausstellung "Winckelmann. Meisterwerke aus den Vatikanischen Museen" gedenken des Jahrestages seiner Geburt am 9. Dezember 1717 in Stendal und seines Todes in Triest durch einen Räuber, der auf die Goldmedaillen zielte, die er gerade von der Kaiserin Maria Theresia von Österreich erhalten hatte. Es war das Jahr 1768.

Winckelmann kam 1755 auf Vermittlung von Kardinal Alberico Archinto am Hof des Papstes nach Rom. Nach der Bekehrung zum Katholizismus beschloss er, weit über die geplanten zwei Jahre hinaus in Rom zu bleiben, nicht zuletzt, weil in seiner Heimat ein Krieg ausbrach. Es war dann Kardinal Albani, Bruder von Papst Clemens XI., der Schirmherr des deutschen Gelehrten wurde. Und die Villa Albani mit ihren prächtigen Sammlungen wurde zu einem der Studien- und Experimentierplätze für Winckelmann, ebenso wie die Antiquitäten Montalto in der Villa Negroni, die größte römische Renaissance-Villa, die heute völlig verschwunden ist.

Aber Winckelmann hat seine wohl interessanteste Arbeit im Päpstlichen Museum geleistet.

Offensichtlich unterschieden sich die Museen in der Mitte des 17. Jahrhunderts deutlich von dem, was wir heute sehen. Ein beträchtlicher Teil der päpstlichen Sammlungen wurde in den Jahren nach dem Tod des Gelehrten bereichert durch viele Kunstwerke, nicht zuletzt aus römischen Adelssammlungen.

Die Ausstellung zielt darauf ab, die Öffentlichkeit auf einen Archäologen, Antiquar und Autoren aufmerksam zu machen, die das Studium der Archäologie für immer verändert hat und die die Entstehung eines wesentlichen Teils ihrer Bestände nachzeichnet.

Die griechischen und römischen Statuen, die Winckelmann beschreibt, und damit die Geburt des Neoklassizismus prägte, waren in Wirklichkeit nicht so weiß und makellos. Tatsächlich wurde Marmor fast immer in der Antike bemalt, wie spätere Studien gezeigt haben. Die Skulptur war nicht einfach bemalt (wie Paolo Liverani in der Ausstellung in den Vatikanischen Museen, Il Colore del Bianco, betonte), sondern wurde so konzipiert, dass "die Fülle der plastischen Effekte, die ausdrucksstarke Lebendigkeit, ihre eigentliche Bedeutung und der Eindruck auf den Betrachter gerade durch das Zusammenspiel von Form und Farbe erreicht wurden".

Winckelmann bemerkte dies nicht – oder wollte es nicht bemerken, und sein Studium, seine anspruchsvolle Arbeit als Kunsthistoriker, ist immer noch Grundlage der populären Wahrnehmung der Antike, ihrer Kunst sowie jenes Neoklassizismus, der sich auf das "alte Griechenland" bezieht.

Die Ausstellung präsentiert 50 Meisterwerke, die durch die Intuitionen von Winckelmann neu interpretiert wurden. Jede Arbeit wurde grafisch gekennzeichnet und in einen didaktischen Kreislauf eingebunden, der die wissenschaftlichen Gründe für jeden Bericht erläutert.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Edizioni Musei Vaticani.

Die vorgeschlagene Route führt durch alle Museumsbereiche und umfasst Kunstwerke der Renaissance und des Barock, die Winckelmanns Interesse geweckt haben.

Artikel übersetzt und redigiert aus dem italienischen Original.

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