Während Medien über geschiedene Wiederverheiratete fragen, reden Bischöfe über Familie

Erste Bilanz am zweiten Arbeitstag der Synode: Vieles ist eine Frage von Doktrin oder Disziplin

Rund 300 Teilnehmer hat die Familiensynode 2015. Sie sprechen in 13 Gruppen drei Wochen lang über die Berufung und Mission der Familie heute.
Foto: CNA/Martha Calderon
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Ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzten die nur noch auf drei Minuten beschränkten Interventionen der Bischöfe bisher bei der Familiensynode – so ein erstes Fazit der Pressekonferenz heute. Das zentrale Thema in praktisch allen Reden war jedoch die Familie. Wie Cardinal Wilfrid Napier tweetete, war es für viele Journalisten eine andere Frage: Ob geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zugelassen werden könnten, oder nicht. „Ist das jetzt eine Frage der Doktrin oder der Disziplin?”, wollte ein englischer Journalist wissen. 

Zur Eröffnung der Pressekonferenz sagte Pater Federico Lombardi, Themen der Synodenväter am heutigen Dienstag seien die Migrationskrise, Gewalt (vor allem in Familien und gegenüber Frauen), Kinderarbeit, die Christenverfolgung im Nahen Osten gewesen.

Die Berichterstatter gingen auf viele weitere Punkte ein, welche die Bischöfe eingebracht hätten. So berichtete Pater Thomas Rosica, Thema sei die Überbetonung von irregulären Situationen gewesen; dass nicht genug über die Schönheit von Ehe und Familie gesprochen werde. Andererseits sprach er mehrfach Forderungen an, mit Homosexuellen barmherzig umzugehen – auch mit Blick auf das gleichnamige Jubiläumsjahr, und möglicherweise auch mit Blick auf die Beichte. Zudem spielte die Rolle der Familien, die Rolle der Mutterschaft in Ländern, in denen Frauen auf den Arbeitsmarkt gedrängt würden, und einige andere.

Mehrfach wurde auch Kritik am neuen Verfahren durch einige Bischöfe reflektiert, sowie an der Zusammensetzung der Kommission, die den Abschlussbericht schreibt. Diese Kommission besteht aus zehn Personen, die Papst Franziskus ausgesucht hat. Fünf sind Europäer, während aus Nord- und Südamerika sowie aus Afrika nur jeweils eine Person kommt. Zudem bemerken Beobachter, dass diese Gruppe mehrheitlich aus reform-orientierten Geistlichen besteht.

Insgesamt ergab sich bislang ein Bild von sehr unterschiedlichen Emphasen und zum Teil widersprüchlichen Positionen bei dieser Synode.

Der Berichterstatter der deutschsprachigen Gruppe, Pater Bernd Hagenkord, bestätigte dies mit seinem Beitrag, indem er nur in Stichpunkten – und auf Englisch – weitere Begriffe auflistete, die vorgekommen seien: „Rolle des Zeugnisgebens, geschiedene Wiederverheiratete, Rolle der Tradition und Wahrheit, sexueller Missbrauch, Kirche als Raum für pastorale Herausforderungen, soziale Werte, Globalisierung, göttliche Kreativität, kulturelle Unterschiede.”

Allein Erzbischof Paul-André Durocher, Vorsitzender der kanadischen Bischofskonferenz, wagte eine Analyse dessen, worüber sich die Synodenväter bei allen Differenzen wohl einig sein könnten: Dass die kulturelle Sicht auf Ehe und Familie in vielen Ländern immer weiter von dem abdrifte, was Jesus und die Kirche über Ehe und Familie lehren. Daher sei es wichtig, die Lehre der Kirche als Frohe Botschaft für die Welt zu leben, auf eine Art, welche die Welt anspreche und interessiere. Durocher weiter: Die Bischöfe legten zum Teil die Emphase auf einen Dialog mit der Welt, die anderen auf die Lehre der Kirche. Dabei warf der kanadische Erzbischof indirekt die Frage auf, ob etwa Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete mehr Menschen zurück in die Kirche bringe.

Die Frage, ob deren Zulassung nun eine Sache der Doktrin oder der Disziplin sei, beantwortete Durocher mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Ich glaube, dass hierüber kein Konsens herrscht unter den Bischöfen. Das muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen". 

Was dies über den weiteren Verlauf der Synode aussagen mag, oder zumindest über deren Wahrnehmung in den meisten Medien: Das wird CNA Deutsch in den kommenden Tagen nicht nur berichten, sondern auch von unterschiedlichen Beobachtern einschätzen lassen. 

Nach den auf drei Minuten runtergekürzten Reden der Bischöfe, die Erzbischof Mark Coleridge von Brisbane auf seinem Blog mit Twittern vergleicht, folgen jetzt immerhin die längeren Gesprächskreise in kleinen Gruppen.