"Was kommt nach dem irdischen Leben?", fragt Kardinal Müller in neuem Buch

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, bei der Vorstellung des Schreibens am Dienstag, 14. Juni im Vatikan.
Foto: CNA/Daniel Ibanez

Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, hat mit "Das Wunder der Unsterblichkeit" ein wichtiges Buch vorgelegt, das der grundlegenden Frage nachgeht: "Was kommt nach dem irdischen Leben?"

Grundlage für eine seriöse Beschäftigung mit Tod, Gericht, Himmel und Hölle – traditionell als die vier letzten Dinge bezeichnet – ist eine vernünftige Anthropologie: Was ist der Mensch?

"Gegenüber der gnadenlosen Unterordnung des Individuums unter den evolutiven Prozess, die Zwecke der biologischen Rasse, die Interessen der ökologischen Naturreligion, die historische Dialektik des Klassenkampfs oder die monotonen Umläufe eines Universums, das über das Schicksal des Einzelmenschen ohne jede Empathie hinwegschreitet, hält der katholische Glaube an der natürlichen und geoffenbarten Wahrheit fest, 'dass der Mensch … auf Erden die einzige von Gott um ihrer selbst willen gewollte Kreatur ist'", so Müller.

Zur Beantwortung der Frage "Was ist der Mensch?" ist mehr nötig als nur die philosophische Perspektive – nämlich der Blick auf Jesus Christus. In der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils hielt die Kirche fest: "Christus, der neue Adam, macht eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung."

Wenn es heißt, dass Gott alles über die Menschen weiß, so klingt das für viele nach maximaler Einmischung. "Fürchten müssen wir uns nur vor denen, die hinter den Überwachungskameras sitzen und die Aufnahmegeräte kontrollieren", beruhigt demgegenüber Müller. "Auf die barmherzige Liebe Gottes jedoch, die die Tiefen des Herzens erleuchtet, darf auch der größte Sünder hoffen."

Die Hölle wird von modernen Theologen gerne mehr oder minder relativiert, da in diesem Punkt "aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft" zu werden schien. "Exegeten, die es mit Gott gut meinen, fühlen sich wie Bombenentschärfer auf den Kriegsschauplatz gerufen, um das Schlimmste zu verhindern."

Aber: "Gott bedarf nicht exegetischer Interpretationsakrobatik, die ihn wohlmeinend vor medialer Rufschädigung wegen unglücklicher Aussagen seines Sohnes in Schutz nehmen will." Stattdessen gelte die kirchliche Lehre, wonach derjenige in Hölle "eintritt (oder besser gesagt: dass sie in ihn eintritt), wer in einer aktuellen Todsünde bis in den Tod hinein verharrt".

Zum Himmel, dem endgültigen Ziel des Menschen, schreibt Müller: "Ewiges Leben ist nicht das quälende Immer-wieder einer nie endenden Zeit als Maß materieller Bewegung, sondern die vollendete und uns erfüllende Gemeinschaft mit Gott." Im Himmel sei Gott "Quelle und Inbegriff aller Freude".

Das theologisch fundierte Werk verlangt dem Leser einiges ab: Müller schreibt dicht, zitiert aus einer großen Fülle von Literatur, antiker und moderner Philosophie sowie anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Eine gewisse Vorbildung in theologischen Fragen ist sicherlich hilfreich. Ihr Fehlen kann durch besonderes konzentrierte und aufmerksame Lektüre aber wettgemacht werden.

Gerhard Kardinal Müller, "Das Wunder der Unsterblichkeit. Was kommt nach dem irdischen Leben?" ist im Verlag Herder erschienen und hat 392 Seiten.

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