Was Papst Franziskus unter Inkulturation versteht, und warum diese des Gebets bedarf

Papst Franziskus in Bangkok am 22. November 2019
Foto: Papal Flight Press Pool
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Was versteht Papst Franziskus unter einer "Inkulturation" des Glaubens? Am heutigen Freitag hat er es erklärt: Bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten im zu 95 Prozent buddhistischen Thailand thematisierte Franziskus, dass das Christentum hier als "fremde" Religion gesehen werde.

"Bei der Vorbereitung auf diese Begegnung las ich mit etwas Schmerz, dass der christliche Glaube für viele ein fremder Glaube ist, dass er eine Religion der Ausländer ist", so der Papst.

Das zwinge die Katholiken, nach Wegen zu suchen, den Glauben 'im Dialekt' zu verkünden.

"Verleihen wir dem Glauben in diesem Vertrauen ein thailändisches Gesicht und eine thailändische Gestalt, was weit mehr bedeutet, als Übersetzungen anzufertigen. Es bedeutet zuzulassen, dass das Evangelium sich seiner zwar guten aber fremdartigen Kleidung entledigt, um in der hiesigen, euch eigenen Tonalität zu erklingen und die Seele unserer Brüder und Schwestern mit der gleichen Schönheit zum Schwingen zu bringen, die unser Herz entflammt hat.

Franziskus fuhr fort, er lade die anwesenden Menschen, die ihr Leben Gott geweiht haben, zur Muttergottes Maria zu beten um "ihr in kindlichem Vertrauen sagen: 'Erwirke uns nun einen neuen Eifer als Auferstandene, um allen das Evangelium des Lebens zu bringen, das den Tod besiegt. Gib uns den heiligen Wagemut, neue Wege zu suchen, damit das Geschenk der Schönheit, die nie erlischt, zu allen gelange'."

"Wie viele von uns haben den Glauben unserer Großeltern empfangen, indem sie gesehen haben, wie sie ihre Hausarbeiten verrichteten, den Rosenkranz in der Hand und ihren ganzen Tag heiligten", sagte er. "Das ist Kontemplation in Aktion, die Gott zu einem Teil der kleinen Dinge eines jeden Tages macht."

Gerade in einer Welt, in der Schönheit zunehmend als "Objekt sexueller Befriedigung" falsch verstanden oder gar verachtet und abgetan werde, sei der Blick der Christen durchs Gebet – Franziskus betonte die Kontemplation und den Rosenkranz – auf die Schönheit des Glaubens und auf die Innerlichkeit zu richten, die notwendige Voraussetzung für alles ist, was Christen tun. Genau dazu bedürfe es einer katholischen Leidenschaft:

Der heilige Paul VI. sagte, dass einer der schlimmsten Feinde der Evangelisierung der Mangel an Leidenschaft sei. Und diese Leidenschaft nährt sich für Ordensleute, Priester und Katechisten aus der doppelten Begegnung mit dem Antlitz des Herrn und mit dem der Brüder und Schwestern. Auch wir brauchen einen solchen Begegnungsraum, wo wir zur Quelle zurückkehren können, um von ihrem lebensspendenden Wasser zu trinken.

Der Papst rief seine Zuhörer dazu auf, "immer diesen Freiraum suchen, um uns im Gebet daran zu erinnern, dass der Herr die Welt bereits gerettet hat und dass wir eingeladen sind, gemeinsam mit ihm diese Erlösung spürbar werden zu lassen".

Die Apostolische Reise des Pontifex nach Thailand fällt mit dem 350. Jahrestag des Apostolischen Vikariats von Siam zusammen. Diese 1669 gegründete Präsenz im Land war der erste formale Schritte, den Katholizismus im Land einzuführen.

Thailand ist ein bis heute zutiefst vom Theravada, der ältesten Tradition des Buddhismus, geprägtes Land: Rund 95 Prozent der Bevölkerung sind Anhänger der Religion, die von den – in Thailand ausschließlich männlichen – Ordensstrukturen im Land getragen wird.

Katholiken machen weniger als 0,5 Prozent der Bevölkerung aus.

Während seines dreitägigen Aufenthaltes in Thailand hat Franziskus seine Kusine zweiten Grades zur Seite. Wie CNA Deutsch berichtete, ist die Salesianerin seit Jahrzehnten in Thailand tätig.

Am morgigen Samstag, 23. November bricht der Pontifex nach Japan auf. Diese nächste Etappe ist zugleich die letzte seiner 32. Auslandsreise.

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