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Theologe Johannes Hartl kritisiert politische Vereinnahmung der Kirche in Deutschland

Johannes Hartl

Johannes Hartl, der Theologe und Gründer des Gebetshauses Augsburg, hat in einem Interview die Kirche in Deutschland – einschließlich der großen protestantischen Gemeinschaften – dafür kritisiert, dass der christliche Glaube mitunter für politische Weltanschauungen „missbraucht“ wird.

Wenn aber der Glaube so behandelt werde „und eigentlich die Substanz des Glaubens, Jesus Christus, das Evangelium, darunter leidet, dann muss Kirche sich auch nicht wundern, wenn sie beliebig wird“, betonte Hartl.

Anlass des Gesprächs im Nius-Format „Schuler! Fragen, was ist“ war die ARD-Dokumentation „Die hippen Missionare“. In dieser Sendung wurde kritisch über katholische Bewegungen berichtet, die sich für die Neuevangelisierung einsetzen.

Hartl äußerte sich dabei auch zur Frage, wie Kirche in einer pluralen Gesellschaft auftreten sollte. Er beobachte „in Kirchenleitungen genauso wie in politischen Leitungen oft die Tendenz, dass man sich vorsichtig positionieren möchte, nicht anecken möchte“. Zugleich betonte er: „Wenn man sieht, was vor Ort in Ortsgemeinden – evangelisch, katholisch oder auch in Freikirchen – geleistet wird, ist die Kirche in der Regel besser als ihr Ruf.“

Hartl wandte sich gegen den Eindruck, die Kirche müsse vor allem „attraktiver“ werden. „Die Suche nach Attraktivität ist auch eigentlich die falsche Frage“, sagte Hartl. Entscheidend sei vielmehr: „Wie tragen wir Sorge, dass Gott, dass Jesus Christus im Mittelpunkt steht?“

Dazu gehörten für ihn Fragen nach Schrift und Tradition: „Was steht denn in der Heiligen Schrift? Was ist denn in der Lehre der Christenheit? Wo ist auch die geistliche Substanz derselben?“ Hartl ergänzte: „Dieses Haschen nach Beifall ist, glaube ich, an sich auch schon ein Problem.“

Weiter sprach Hartl die sinkende Zahl von Katholiken und Protestanten in Deutschland an: „Das ist der allgemeine gesellschaftliche Wandel, dass Menschen früher getauft wurden, weil es jeder getan hat, und wir jetzt eine Individualisierung erleben die letzten Jahrzehnte, dass jeder seinen Lebensentwurf für sich selbst wählt.“

Laut einer neuen INSA-Studie geben 73 Prozent der Bevölkerung in Deutschland an, getauft zu sein. Damit sind rund 50 Prozent mehr Menschen getauft, als es Mitglieder der katholischen Kirche oder einer evangelischen Gemeinde gibt. Denn nur 23,7 Prozent gehören laut Studie der katholischen Kirche und 21,5 Prozent den evangelischen Landeskirchen an. Diese Differenz zeigt, dass 28 Prozent der Bevölkerung zwar getauft ist, aber nicht mehr kirchlich organisiert.

Hartl forderte: „Eigentlich müsste man viel aktiver einladen, über den Glauben informieren, auch für den Glauben werben mit neuartigen Methoden.“

Die Form von Gottesdienst und Musik bewertete er als nachrangig. „Die Form ist gar nicht so entscheidend, wenn die Zentrierung auf den Mittelpunkt des Glaubens vorhanden ist“, sagte Hartl und ergänzte mit Blick auf die katholische Liturgie: Er gehe „sehr gerne in unseren normalen katholischen Sonntagsgottesdienst, wo es Lieder von vor 400 Jahren gibt, weil es halt eine Schönheit hat.“

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