Redaktion, 29 Januar, 2026 / 12:00 AM
Heute stimmt die Parlamentarische Versammlung des Europarats (PACE) über eine umstrittene Resolution ab, die ein europaweites Verbot sogenannter „Konversionspraktiken“ fordert. Das Vorhaben wird als Beitrag zum Menschenrechtsschutz vorgestellt, stößt jedoch auf breite Kritik, auch aus Teilen der LGBT-Bewegung.
Die Parlamentarische Versammlung des Europarats ist, anders als das Europäische Parlament, kein gesetzgebendes Organ. Ihr gehören Abgeordnete aus 46 Mitgliedstaaten an. Ihre Resolutionen sind zwar rechtlich nicht bindend, entfalten jedoch eine politische Wirkung. In Fragen der Menschenrechte dienen PACE-Beschlüsse nationalen Gesetzgebern, Gerichten und Behörden häufig als Orientierung.
Eingebracht wurde die Resolution von der britischen Labour-Abgeordneten Kate Osborne. Der Ausschuss für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung der PACE nahm den Text im Dezember 2025 einstimmig an.
Kern der Debatte ist die Definition von „Konversionspraktiken“. Die Resolution versteht darunter laut der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ alle „Maßnahmen und Bemühungen, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität einer Person zu verändern, zu unterdrücken oder zu hemmen“.
Ausdrücklich genannt werden schwerwiegende Praktiken wie Isolation, Elektroschocks, Zwangsmedikation und sexueller Missbrauch. Zugleich bezieht der Text aber auch psychologische Beratung und religiöse Praktiken mit ein.
Mehrere Organisationen äußern Sorgen im Hinblick auf Elternrechte, Therapiefreiheit und Religionsfreiheit. Eltern könnten, so die Befürchtung, unter Druck geraten, wenn sie sich einer selbst beschriebenen Geschlechtsidentität ihrer Kinder gegenüber zurückhaltend zeigen.
Auch Psychotherapeuten warnen vor Einschränkungen ergebnisoffener Gespräche. Die britische Organisation LGB Alliance spricht in diesem Zusammenhang von einem „chilling effect“, also einer abschreckenden Wirkung möglicher Sanktionen auf die therapeutische Arbeit.
Zu den weiteren Kritikern zählen unter anderem die Initiativen Athena Forum, Genspect und Sex Matters, mehrere Frauenrechtsorganisationen sowie die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International. Auch die innerparteiliche Gruppe LabourLGB in Großbritannien hat sich gegen den Entwurf ausgesprochen.
„Missbrauch muss konsequent verfolgt werden. Dafür braucht es aber keine vagen neuen Verbote, sondern die Anwendung bestehenden Rechts – und einen Grundrechtsrahmen, der Betroffene, Eltern und professionelle Helfer schützt. Diese Resolution ist in der vorliegenden Form nicht abstimmungsreif“, kritisierte Felix Böllmann von ADF International.
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