in neues Kirchenjahr beginnt, und es beginnt mit der Adventszeit. Das Wort „Advent“ kommt von advenire, und das bedeutet „ankommen”. Wir bereiten uns vor, den Herrn, der kommt, zu empfangen! Der Herr ist bereits gekommen – denn das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Aber wir wissen auch, dass „er wiederkommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein”.

Die Adventszeit hilft uns, in dieser Zeitspanne zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Herrn zu leben. Beim ersten Mal kam er als Retter. Beim zweiten Mal wird er als Richter kommen. Nutzen wir das Kommen des Retters, damit wir das Kommen des Richters nicht fürchten müssen.

Der Prophet Jesaja (63,16–64,7) bringt zum Ausdruck, dass wir diesen Retter brauchen. Wenn wir uns selbst überlassen sind, irren wir ohne Ziel umher, verfallen wir in Rebellion gegen Gott, werden wir wie Unreine, verwelken wir wie Laub und unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. Aber wir sind uns nicht selbst überlassen.

Du, Herr, bist unser Vater, «Unser Erlöser von jeher» wirst du genannt: Reiß doch den Himmel auf und komm herab!

Und der Herr hat den Himmel aufgerissen und ist auf diese Erde herabgekommen: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.”

Der Advent ist die erste Zeit des Kirchenjahres, weil er uns aufzeigt, dass all unsere Zeit eine Zeit der Erlösung ist. Der Advent erinnert uns daran, dass der Sohn Gottes, der in seiner Ewigkeit die Grenzen der Zeit nicht kannte, in der Zeit für uns Menschen Mensch werden wollte. Der Advent ist die Zeit der Erlösung, einer Erlösung, die in der Nacht von Bethlehem begann, einer Erlösung, in die wir im Moment unserer Taufe hineingenommen wurden, einer Erlösung, die endgültig vollzogen werden wird, wenn Christus in Herrlichkeit wiederkommen wird. Er ist eine Zeit der Gnade, er ist das Heute der Erlösung.

Das Evangelium (Mk 13,33–37) lehrt uns, wie wir dieses „Heute“ leben sollen. Es ist eine Lehre, die sich in einem Wort zusammenfassen lässt: „Bleibt wach!“

Jesus erzählt ein Gleichnis. Er beschreibt die Situation eines Mannes, der offensichtlich über ein sehr großes Anwesen mit zahlreichen Dienern und einem Türhüter verfügt. Dieser Mann verlässt sein Haus und geht auf Reisen. Aber zuvor überträgt er den Dienern Vollmacht, „jedem eine bestimmte Aufgabe“.

Für die, die das Evangelium hören, ist die Sache klar: Es geht um Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist, aber zuvor seiner Gemeinschaft (den Dienern) die Verantwortung übertragen hat, sein Werk in der Welt fortzusetzen.

Der heilige Paulus bringt das deutlich zum Ausdruck:

Ihr seid in allem reich geworden in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis. Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt, sodass euch keine Gnadengabe fehlt (1 Kor 1,3-9).

Er hat uns die Befähigung gegeben! Damit hat er in uns eine dementsprechende Verantwortung begründet: Jeder hat seine Aufgabe.

Was ist die Verantwortung, die Christus genau dir gegeben hat? Es kann jene sein, Vater oder Mutter einer Familie zu sein, Arbeitnehmer, Student, Katechist, Ehrenamtlicher, Priester, Ordensfrau …

Das Problem der Massengesellschaft besteht darin, dass wir die Aufgaben nicht mehr unterscheiden und daher Verantwortlichkeiten hinter einer kollektiven Anonymität verbergen. Wir sagen: Die Gesellschaft sollte … die Kirche sollte … der Staat sollte … So, als ob nicht wir die verantwortlichen Subjekte wären, jeder mit seinem eigenen Auftrag. Wir verstecken uns hinter der Masse, aber die Geschichte kennt keine Verstecke, sie erlaubt das nicht. So verfallen wir in den Schlaf der Verbürgerlichung, in den Schlaf einer Religion ohne Prophetie.

Das christliche Leben ist Erwartung der Wiederkunft des Herrn! Aber es ist kein passives Warten: Es bedeutet aktiv und wach die Aufgabe zu erfüllen, die der Herr einem jedem anvertraut hat. Es bedeutet „aufmerksam die Ereignisse der Zeit zu verfolgen, die Vollmacht auszuüben, die der Herr uns anvertraut hat, und sich bewusst zu sein, dass er Rechenschaft darüber verlangen wird“ (Joachim Gnilka).

Aldo Vendemiati ist Priester und Professor an der Philosophischen Fakultät der Päpstlichen Universität Urbaniana. Sein Blog findet sich HIER. Die Predigt wurde mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.