Liebe Schwestern, liebe Brüder, 

am vergangenen Sonntag hat Gott, der Herr über Leben und Tod, unseren Weihbischof Dr. Klaus Dick im Alter von fast 96 Jahren zu sich heimgerufen. In dieser Stunde haben wir uns in unserem Dom eingefunden, um unserer Trauer über den Heimgang unseres langjährigen Weihbischofs Ausdruck zu verleihen.

1975 von Kardinal Höffner zum Bischof geweiht, hat er seinen bischöflichen Dienst 28 Jahre lang bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2003 in unserem Erzbistum ausgeübt. Aber auch in den Jahren danach – im Grunde bis wenige Tage vor seinem Tod – war Klaus Dick als Seelsorger gefragt. Er war ein gesuchter Gesprächspartner, Ratgeber, geistlicher Seelenführer, vor allem aber ein geschätzter Beichtvater. Heute sind wir gekommen, um für ihn die Heilige Messe zu feiern und für ihn zu beten, auf dass Gott ihn jetzt sein Angesicht schauen lasse und ihn vollende. 

Mit Blick auf diese Stunde des Abschieds hat unser heimgegangener Weihbischof ausdrücklich festgelegt und gewünscht, es möge in dieser Stunde nicht über ihn, seine Person oder sein Wirken gesprochen werden, sondern über die Verantwortung des bischöflichen Dienstes. Was wird ihn dazu wohl bewogen haben? Vielleicht seine Sorge, dass viele angesichts der gegenwärtigen innerkirchlichen Diskussionen und Streitereien gar nicht mehr darum wissen, was ein Bischof ist? 

Die älteste Beschreibung einer Bischofsweihe verdanken wir dem römischen Priester Hippolyt am Beginn des 3. Jahrhunderts. Die dort beschriebene Weihehandlung bringt den Glauben der Kirche zum Ausdruck, dass ein Bischof nicht von Menschen bestellt, sondern von Gott selbst als Bischof eingesetzt wird. Auch der Apostel Paulus bringt dies etwa in seiner Rede zu Milet den Ältesten der Kirche von Ephesus gegenüber zum Ausdruck, wenn er sagt: „Gebt Acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche des Herrn sorgt, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat!“ (Apg 20,28). 

Von Gott also wird ein Bischof zum Hirten der Kirche bestellt. Warum? Weil Gott selbst – nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift (vgl. Ez 37,11) – Hirt seiner Kirche ist. Wie Gott als Hirt sich um uns Menschen kümmert, sehen wir an seinem Sohn, an Jesus Christus, in dem Gott selbst zu uns gekommen ist, um sich uns mitzuteilen und um sich uns zu schenken. Dieser hat für uns am Kreuz sein Leben hingegeben, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10). Anteil an seinem göttlichen Leben will er uns also schenken, uns aufnehmen in seine Lebensgemeinschaft, in die Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Diese Selbstmitteilung Gottes hat im Tod Jesu am Kreuz ihren Höhepunkt erfahren. Und sie geht weiter durch die Zeiten.  

Auch heute ist Gott in seinem Sohn als guter Hirte in unserer Mitte und schenkt uns Heil und Leben. Dazu nimmt er den Bischof in seinen Dienst. Was der Bischof tut, kann er nicht aus sich selbst heraustun, kann er nicht aus Eigenem. Er ist nur Knecht Jesu Christi. Jesus dagegen ist der Herr, der Herr der Kirche. Der Bischof handelt nur im Namen Jesu Christi. Er ist nur ein Werkzeug seines Wirkens. Durch den Dienst des Bischofs wird sichtbar, dass Jesus bei seiner Kirche ist. In einer eindrücklichen Zeichenhandlung wurde Klaus Dick – genau an dem Ort, wo jetzt sein Sarg steht – beim Empfang der Bischofsweihe während des Weihegebetes das Evangelienbuch auf das Haupt gelegt, um deutlich zu machen, dass die Verkündigung des Wortes Gottes zu der wichtigsten Aufgabe eines Bischofs gehört. 

Das II. Vatikanische Konzil hat dies aufgegriffen und dazu erklärt: „Denn die Bischöfe sind Glaubensboten, die Christus neue Jünger zuführen: Sie sind authentische, das heißt mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer. Sie verkündigen dem ihnen anvertrauten Volk die Botschaft zum Glauben … und erklären sie im Lichte des Heiligen Geistes, in dem sie aus dem Schatz der Offenbarung Neues und Altes hervorbringen (Mt 13,52). So lassen sie den Glauben fruchtbar werden und halten die ihrer Herde drohenden Irrtümer wachsam fern (vgl. 2 Tim 4,1-4)“ (LG 25). 

Damit, liebe Schwestern, liebe Brüder, bringt das Konzil zum Ausdruck, dass der Bischof Gottes Volk durch das Wort Gottes aufbaut und im Namen Christi leitet.

Zudem hat er die Kirche vor Schaden zu bewahren, der von außen oder auch durch Verirrungen im Innern entstehen kann. Mit der Autorität Christi ausgestattet, verkündet der Bischof also das Evangelium Jesu. Darum darf er den Menschen auch nie nach dem Mund reden. 

„Verkünde das Wort“, beschwört der Apostel seinen Schüler, den Bischof Timotheus. „Tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung! Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln; und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden“ (2 Tim 4, 2-4). Diplomatische Winkelzüge, liebe Schwestern, liebe Brüder, und das Haschen nach Anerkennung und Beifall gehören daher augenscheinlich nicht zu den Insignien eines katholischen Bischofs. 

Seine Verkündigung erweist sich in „Geist und Kraft, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützt, sondern auf die Kraft Gottes“ (1 Kor 2,4). Diese Weisung des Apostels mag in unseren Tagen aktueller denn je sein, da Streitigkeiten über Glauben und Lehre in der Kirche an der Tagesordnung sind.

Das war in den Anfängen der Kirche nicht anders, wie es die Lesung aus dem Römerbrief, die unser Weihbischof für den Tag seiner Beerdigung gewählt hat, insinuiert. Den Streitenden damals hielt der Apostel das „Geheimnis, aus dem wir leben“, in griffiger Form entgegen: „Denn keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende“ (Röm 14,7-9).  

Er will, liebe Schwestern, liebe Brüder, damit sagen: In der Kirche gibt es nur einen Herrn: Jesus Christus. Ihm gehören wir alle. Darum gibt es in der Kirche keine Ermächtigung weniger, auch keine Ermächtigung aller. Alle Amtsvollmacht, die Christus wirklich gibt, jede Geistesgabe hat nur den einen Sinn, einander in den Gehorsam gegen Christus, ja sogar in den Gehorsam Jesu Christi einzuweisen. In der Kirche gibt es deshalb ein anderes Verfahren, um mit Meinungsstreit fertig zu werden als in der politischen Gemeinde: Nicht das Befehlen, nicht das Ausdiskutieren, nicht das Niederstimmen, sondern den gemeinsamen Gehorsam aller gegenüber Christus. Das ist der christliche Standpunkt, auf dem streitende Christen einander verstehen lernen und die Sprache hinter den Wörtern wiederfinden. Unser Weihbischof wusste um dieses Geheimnis christlichen Lebens und hat dies wohl in seinem bischöflichen Wahlspruch zum Ausdruck zu bringen versucht: Obsecramus pro Christo: Als Gesandte an Christi statt bitten wir euch: „Lasst euch mit Gott versöhnen“ (2 Kor 5, 20). 

Zur Aufgabe eines Bischofs gehört es insofern, dafür zu sorgen, dass die Botschaft von Jesus, dem Christus, rein, unverfälscht und unverkürzt verkündet wird, damit die Menschen im Wort Gottes dem Herrn begegnen. Denn in dem Bekenntnis der Wahrheit von Jesus Christus, dem Herrn, geht es um nichts Geringeres als um unser Heil. „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus - und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden“ (Röm 10,9). 

Der Bischof ist damit vor allem auch Zeuge von der Frohen Botschaft von der Auferstehung des gekreuzigten Herrn. Dieses Zeugnis jedoch hat er nicht nur durch das Wort der Verkündigung abzulegen, sondern immer auch durch sein ganzes Leben. In all den Mühen und Sorgen, in allen Bedrängnissen und Leiden des Aposteldienstes, die auch unserem heimgegangenen Weihbischof nicht erspart geblieben sind, muss die Kraft der Auferstehung Jesu zum Leuchten kommen. 

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Was das heißt, sagt uns der Apostel Paulus aus seiner eigenen Erfahrung: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird … Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch vor sich stellen wird“ (2 Kor 4,8 – 14). 

So wollen wir, liebe Schwestern, liebe Brüder, in dieser Stunde Gott für unseren heimgegangenen Weihbischof bitten, dass er ihm angesichts seines langjährigen bischöflichen Dienstes ein gnädiger und barmherziger Richter sein möge und ihn nun den schauen lasse, dem er ein Leben lang gedient und als unser Heil verkündet hat: Jesus Christus, unseren Herrn, der uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst, gerettet und das Ewige Leben erworben hat. Denn „in keinem anderen ist das Heil zu finden“ (Apg 4,12) als in ihm allein. 

Amen.