Warum wir für die Seelen im Fegefeuer beten sollten

Das Purgatorium: Ausschnitt einer Darstellung der Seelen im Fegefeuer aus dem 17. Jahrhundert von Lodovico Carracci
Foto: Wikimedia (CC0)
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25 November, 2018 / 7:30 PM

Die Frage "Gibt es das Fegefeuer?" ist für viele Katholiken uninteressant, und darüber nachzudenken sowies; erst recht darüber, wie lange dieses reinigende "Feuer" andauern würde. An das Fegefeuer glauben viele nicht – und von Priestern hört man dazu in den wenigsten Predigten.

Doch ist es katholische Lehre: Jeder Katholik sollte wissen, dass jeder, der in der Gnade Gottes stirbt, aber noch für seine begangenen Sünden büßen muss, in das Fegefeuer – Purgatorium  – kommt. Das ist der Grund, warum wir für diese Armen Seelen beten sollen.

Das Fegefeuer dauert bis zum Weltgericht; erst dann wird es nur noch Himmel und Hölle geben. Wir wissen, dass Gott alles möglich ist und dass bei Gott tausend Jahre sind wie ein Tag ("tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, der vorübergegangen ist, und wie eine Wache in der Nacht" - Ps 89.4). Darum sind auch Spekulationen über die Zeitdauer nicht unbedingt zielführend. Dennoch sollten wir beachten, was darüber schon gesagt wurde und dabei vorsichtig sein mit abwertenden Äußerungen.

So hat die selige Anne Katharina Emmerich, eine große Seherin, erwähnt, dass manche Seelen Jahrhunderte lang im Fegefeuer seien. Der heilige Pater Pio wurde gefragt, wie lange eine bestimmte Seele im Fegefeuer bleiben würde; er antwortete: "Mindestens einhundert Jahre".

Papst Innozenz III. starb am 16. Juli 1216. Am selben Tag – erzählt uns die Geschichte – erschien er der heiligen Luitgard. Die flämische Mystikerin – sie wurde 1182 in Tongern geboren, starb 1246 in Aywières, einem Zisterzienserinnenkloster in Brabant – war überrascht, ein Gespenst in Flammen zu sehen.

Luitgard fragte, wer er sei und was er wollte. "Ich bin Papst Innozenz", antwortete er. "Wie ist es möglich, dass Sie, unser Heiliger Vater, in einem solchen Zustand sein sollten?" Der gerade gestorbene Papst antwortete: "Ja, es ist wahr. Ich rechne mir drei Fehlern an, die meine ewige Verdammnis verursacht haben könnten. Dank der Jungfrau Maria habe ich Verzeihung für sie erlangt, aber ich muss Sühne leisten. Leider ist es hier schrecklich, und wenn Sie mir nicht zu Hilfe eilen, bleibt meine Seele jahrhundertelang hier. Im Namen Marias, die mir die Gunst erwiesen hat, Sie anzusprechen, helfen Sie mir." Nach diesen Worten verschwand er wieder.

Luitgard verkündete ihren Mitschwestern am nächsten Tag den Tod des Papstes. Und sie bat sie Bußwerke "im Namen des erhabenen und verehrten Papstes" zu bringen. Erst einige Wochen später wurden die Klosterschwestern offiziell vom Tod von Papst Innozenz III. unterrichtet.

Ein anderer Papst – der heilige Johannes Paul – sprach im Jahre 2002 gegenüber den Ordensschwestern "Unserer Lieben Frau vom Fürbittgebet" vom "Fürbittgebet für die Seelen im Fegefeuer." Es sei "die erste und höchste Form der Nächstenliebe", damit sie "die ewige Rettung erfahren" können. Die "christliche Liebe kennt keine Grenzen und übersteigt sogar die Grenzen von Raum und Zeit". Dadurch ermögliche sie uns auch, jene zu lieben, die von dieser Erde geschieden sind.

Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut,

die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes,

unseres Herrn Jesus Christus

und die Tränen und die Bitterkeiten Seiner heiligsten Mutter

zur Sühne für die Sünden der Armen Seelen. Amen.

Vielleicht sollten auch wir den Brauch einüben, der noch heute in den Klöstern beachtet wird. In allen Gebetszeiten der Mönche und Nonnen gedenken sie der Verstorben und beten:

"Die Seelen aller verstorbenen Gläubigen

mögen durch sie Barmherzigkeit Gottes

ruhen in Frieden. Amen."

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.