Das Impfbuch

Impfstoff (Illustration)
Foto: Mohammad Shahhosseini / Unsplash (CC0)
08 December, 2021 / 5:57 PM

"Das Impfbuch" ist nicht der gelbe Impfpass, den wahrscheinlich jeder Deutsche besitzt. Vielmehr handelt es sich um ein Werk, das aufklären will "über Risiken und Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung", wie der Untertitel des Buches von Raymond Unger lautet.

Nachdem sich nun auch die katholischen Bischöfe in Österreich in einer gemeinsamen Erklärung hinter eine Impfpflicht gegen Covid-19 gestellt haben ist es umso wichtiger, neben Meinungsäußerungen von Politikern, Kirchenvertretern und Medien auch von Kritikern zu lesen, um deren Sichtweise zumindest zu verstehen. Sonst werden Millionen Menschen, die nicht geimpft sind — beziehungsweise sich nicht impfen lassen wollen — pauschal über einen Kamm geschert als "Corona-Leugner”, als Anhänger von Verschwörungstheorien, als militante Impfgegner oder Rechtsextremisten. 

Der katholische Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz kritisiert in einer Vorabmeldung der "Tagespost" den Geisteszustand von katholischen Impfgegnern. Er sei "von sektenartiger Irrationalität", esoterisch geprägt und Ortsgebunden: "Zwar kommen Corona-leugnende Verschwörungstheoretiker offenbar eher aus dem südwestdeutschen Raum, wo immer schon auch andere Sekten, esoterische Abwegigkeiten und radikale Kleingruppen blühten, wo Natur- und Gesundheitsgurus ihre Anhänger fanden und Katholiken, die gegen dieses ganze Gelichter waren, einen schweren Stand hatten. Doch psychologisch fühlten sich manche dennoch Corona-Leugnern und irrationalen Impfgegnern nahe, wenn sie mit der gleichen Heftigkeit von denselben Leuten angegriffen wurden, die die eigenen katholischen Positionen jahrzehntelange der Lächerlichkeit preisgegeben und öffentlich an den Pranger gestellt hatten."

Lütz, der hier selber mit einer blumigen Sprache fabuliert, bezeichnet Impfen "für Katholiken verantwortbar". Was der bekannte Arzt und Autor zu übersehen scheint: Viele Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, werden von Ängsten und Sorgen geplagt. Sie haben Bedenken, etwa vor einem Impfstoff, der nicht einer viele Jahre dauernden Forschungs- und Erprobungsphase unterzogen wurde.

Dialog und Diskurs könnte diesen Menschen helfen, und ein Verständnis ihrer Bedenken statt Drohkulissen und Gerede von Geldstrafen, Arbeitsplatzverlust und mehr. Ein Riss geht inzwischen durch die Gesellschaft, die Kirche, durch freundschaftliche Verbindungen und nicht zuletzt durch Familien. 

Der mutige Autor Raymond Unger hat die vielfältige Kritik an der Corona-Politik aufgegriffen und für sein Buch Fakten gesammelt und zusammengefasst. Unger sagt, was viele irgendwo schon einmal gehört haben, und viele Mediziner nicht unterschreiben würden: "Was man heute lapidar ‚Impfung‘ nennt, ist in gewisser Hinsicht eine begriffliche Mogelpackung. Eine COVID-19-‚Impfung‘, mit den neuen mRNA- und Vektor-Impfstoffen, hat kaum noch etwas mit den altbewährten Impftechniken zu tun." Unger will über Nutzen – oder besser über Risiken – einer Covid-19-Impfung aufklären.

Unger nennt Nebenwirkungen, trifft die nervliche Verfassung der Menschen, mindestens der Ungeimpften, einer freilich schrumpfenden Minderheit: Die Mehrzahl der Menschen in westlichen Ländern ist inzwischen doppelt oder dreifach geimpft. Für so hängt nun die Impfpflicht wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der verunsicherten Ungeimpften. 

Inzwischen ist Karl Lauterbach Gesundheitsminister. Zu seiner Person vermerkt Unger polemisch: "Wenn [Lauterbach] jemals einen Punkt gemacht hat in seinen alarmistischen Aussagen, dann darin, dass Massenimpfungen den Mutationsdruck auf Virenstämme exorbitant erhöhen." Denn das Virus "überlebt auf jeden Fall". Unger belegt seine Aussagen mit jenen von ernstzunehmenden Wissenschaftlern. Er ist in der Lage zu verifizieren, dass die Sorgen der Impfgegner, die diese schon vor Monaten umgetrieben hat, zu politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten werden: "Impfnötigung für alle Bürger, selbst für Kinder, unter Androhung des Entzugs gesellschaftlicher Teilhabe" und vieles andere. Unger spricht von einem "System", das sich inzwischen etabliert hat und die Menschen zu Befehlsempfängern und unmündigen Kinder degradiert. 

Der Autor stellt fest, dass sich inzwischen, nach beinahe zwei Jahren Corona-Politik eine weitere Problematik entwickelt habe. Politische bzw. gesundheitspolitische Fehlentscheidungen seien zwar weithin bekannt, würden aber nicht verantwortet. Unger schreibt dazu, politische Entscheider könnten nicht mehr zurück, selbst wenn sie erkennen, dass sie Lobbyisten auf den Leim gegangen seien. 

Raymond Unger schreibt, dass "ein Notbündnis aus politischen Entscheidern, Pharmalobbyisten, Medien und Wissenschaftlern eine geradezu zynische Informationspolitik" betreibe. Auch und gerade wenn man diese Meinung nicht teilt, ist es wichtig, sich mit dieser Perspektive auseinanderzusetzen und die Argumente ernst zu nehmen, und wenn es nur darum geht, diese auch zu entkräften versuchen. In zahlreichen Demokratien, auch der unseren, steht die so viel beschworene "unantastbare Würde des Menschen" auf dem Spiel. "Das Impfbuch" ist ein wichtiges Buch für eine desolate Zeit. 


Raymond Unger, Das Impfbuch. Über Risiken und Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung,  ist im Scorpio Verlag erschienen und hat 240 Seiten.

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