Das Schluckauf-Sternchen

Wenn die Genderfrage die Gottesfrage ersetzt

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Foto: Sharon McCutcheon / Unsplash (CC0)
13 July, 2021 / 3:45 PM

Kirchliche Medien sind unverzichtbar. Das gilt auch für die traditionsreiche „Kirchenzeitung für das Bistum Hildesheim“, gerade in Zeiten wie diesen. Unverzichtbar sind die Printmedien deswegen, weil Positionierungen gegen irritierende Handreichungen des Bistums veröffentlicht werden. Die Kirchenzeitungen bieten ein Forum für Wortmeldungen von Lesern und ehemaligen Redakteuren – wozu auch der Adlumer Pastor Winfried Henze gehört, weithin bekannt durch den Familienkatechismus „Glauben ist schön“ wie durch EWTN. Klare Stellungnahmen machen froh, schenken Hoffnung und zeugen von katholischer Bodenständigkeit in der Diaspora. 

Pastor Henze kommentiert die diözesane Hildesheimer Handreichung zur „Geschlechtersensiblen Sprache“, die viele Katholiken im Bistum und darüber hinaus mehr als nur verwundert. Der sprachliche Reformeifer reicht bis in die Gebetssprache hinein. Die gewünschte kirchliche Weltoffenheit wird mit einer geschmeidigen Anpassung an den Zeitgeist verwechselt, zu der sich das Bischöfliche Generalvikariat offenbar berufen fühlt, wenn es dezidierte Richtlinien für den diözesanen Sprachgebrauch und für die gottesdienstliche Praxis erlässt. Pastor Henze etwa schreibt in der Ausgabe der „Kirchenzeitung“ vom 11. Juli 2021, die Redaktion der Kirchenzeitung habe sich zu seiner Zeit „immer wieder bemüht, unglückliche Sprachmoden im kirchlichen Bereich zu vermeiden, das salbungsvolle Pastoral-Blabla zum Beispiel, das hölzerne Sitzungschinesisch oder den geschraubten römischen Kurialstil“. Dafür waren viele Gläubige dankbar. Darum spricht er sich gegen das Genderdeutsch aus. Klarsichtige Pfarrer und Pastoren wie Winfried Henze werden heute, in synodalen Zeiten, dringend gebraucht. 

Der Geistliche wirbt für das „generische Maskulinum“, und natürlich hat er recht: wer darauf verzichtet, tritt nicht für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein, sondern passt sich einem gegenwärtig beliebten Slang an, der immer weiter um sich greift und weder Ungleichheiten aufhebt noch die Emanzipation befördert. Henze sieht zudem darin ein Integrationshindernis für Zuwanderer, die eine politisch kolorierte Sprache der Diversität nicht kennen. Pastor Henze merkt zudem an: „Einen »Führerschein« würde es künftig nur noch für Männer geben, für Frauen einen »Führerinnenschein«.“ Zudem empfehle die Handreichung auch noch das „Schluckauf-Sternchen“ – also „die Mitarbeiter*innen“, alternativ „die Mitarbeiter:innen“. Die Handreichung erklärt: „Diese Schreibweise schließt alle Geschlechter mit ein und lässt Platz für geschlechtliche Vielfalt, denn niemand wird ausgeschlossen.“ Deutlich wird, dass die Handreichung mehr als einen empfehlenden Charakter besitzt: „Entscheiden Sie sich für eine der beiden Formen und verwenden diese in Verbindung mit den o. g. Möglichkeiten.“ So klingen missionarische, strikt säkulare Dekrete, die für Verdruss, Empörung und Entzweiung unter Christen sorgen. 

Neben Pastor Henze opponieren auch weitere einfach gläubige Katholiken im Bistum, einige in der „Kirchenzeitung“, noch viel mehr in den Pfarrgemeinden vor Ort. Andere haben sich längst zurückgezogen, weil sie dieser Debatten und Neuerungen so müde sind. Katholiken würden in der Kirche gerne etwas über Gott hören – und nicht über Geschlechterfragen, dargeboten in den Varianten des Genderdeutsch. Natürlich gibt es auch Sympathisanten, die der neuen Sprache der Kirche gegenüber aufgeschlossen sind. Doch wer so sprechen und schreiben will, ob Kleriker oder Weltchrist, wie die Handreichung empfiehlt, möge das in aller Freiheit tun, aber niemand anderem vorschreiben, wie er zu schreiben hat. Genauso ist es inakzeptabel, einen bewährten, verständlichen Sprachgebrauch als diskriminierend anzusehen. 

Katholiken möchten in der Kirche des Herrn zu Hause sein – und erfahren, was Pastor Henze 2001 in seinem Familienkatechismus dargelegt hat: „Glauben ist schön“. Hätte das Bistum Hildesheim einen vernünftigen Beitrag zur Evangelisierung leisten wollen, dann hätte es Henzes Familienkatechismus an alle Katholiken in der Diözese versenden können, statt Kirchensteuermittel für die Verbreitung der Gendersprache aufzuwenden. Papst Franziskus hätte eine solche Initiative sicher begrüßt. Er weiß wie einfach gläubige Katholiken überall auf der Welt: Nicht das „Schluckauf-Sternchen“ weist uns den Weg, sondern der Stern von Bethlehem.

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