Düstere Aussichten: Das deutsche Schisma hat bereits begonnen

Monatskolumne von Dr. Joachim Heimerl

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Foto: Nicole Wilcox / Unsplash (CC0)
29 May, 2022 / 7:00 AM

Wenn heutzutage eine „synodale Kirche“ in aller Munde ist, ist damit nach dem Wunsch des Papstes eine kommunikative Kirche gemeint: Man spricht miteinander und hört sich zu, man hört gemeinsam auf die Stimme des Heiligen Geistes und richtet sich am beständigen Lehramt der Kirche aus. In Deutschland aber will gerade das nicht gelingen. Zusehends verliert der „Synodale Weg“ die Einheit mit der Kirche, und immer mehr Bischöfe mahnen dies weltweit gegenüber Bischof Bätzing an. Der wieder hat zuletzt dem Erzbischof von Denver erklärt, er wolle auf weitere Einwände nicht mehr reagieren. Dabei hat Bätzing dies - genau genommen - noch nie getan. Seine Repliken beharrten strikt auf der eigenen Position und wirkten - sehr deutsch - unangenehm und belehrend. - Eine gelungene Kommunikation sieht sicher anders aus; dies erst recht, wenn es darum geht, Deutschland in den Vorbereitungsprozess der kommenden Weltsynode einzubinden und obendrein vor einem Schisma zu bewahren.

Offensichtlich hat dieses Schisma inzwischen jedoch bereits begonnen. Dies bestätigte nicht nur ein Theologe des „Synodalen Weges“, sondern indirekt auch Bätzing selbst. Einem Schisma liegt ja immer eine doppelte Verweigerung zugrunde: eine Verweigerung des Dialogs mit den bischöflichen Mitbrüdern und - daraus resultierend - eine Verweigerung der kirchlichen Gemeinschaft in Fragen des Glaubens und der Moral. Genau diese Verweigerungshaltung pflegt man in Deutschland nicht nur auswärtigen Bischöfen, sondern auch dem Papst gegenüber. Dessen Brief an das "pilgernde Volk Gottes in Deutschland" nahm man schon 2019 kaum zur Kenntnis und ließ seine Bitte um „Evangelisierung“ unerfüllt. Stattdessen sieht man sich mit dem „Synodalen Weg“ als „Avantgarde“ einer Kirchenreform, die inzwischen so vollständig aus dem Ruder läuft, dass man offensichtlich auch in Rom nicht weiß, wie man mit den Deutschen verfahren soll. Vermutlich werden sich jedoch bald immer mehr Bischöfe aus der Weltkirche statt an Bätzing an den Papst wenden, der dann wohl intervenieren muss. Wie und wann er dies tut, ist unsicher, sicher ist nur: es ist nicht mehr fünf vor zwölf. - Dass Franziskus allerdings eine Reihe deutscher Bischöfe absetzen wird, wie dies unlängst Kardinal Burke postuliert hat, ist nicht wahrscheinlich. Allerdings wird auch ein „weiter so“ mit Bätzing, Marx und anderen nicht funktionieren; ihre abweichenden Positionen haben sie mittlerweile untragbar gemacht. Bätzing nennt die Einheit der Kirche inzwischen offen eine „Fiktion“.

Doch was auch immer der Papst oder die deutschen Bischöfe tun: Das Schisma wird sich letztlich selbständig verfestigen. Setzen sich nämlich die Laienfunktionäre und Theologen als Hauptakteure des „Synodalen Weges“ nicht durch, werden sie ohne Zweifel eine laikale „Reformkirche“ bilden. - Dass sie selbst weder Bischöfe noch Priester brauchen, haben sie ja schon ebenso deutlich gemacht wie die Tatsache, dass sie die Einheit mit der katholischen Kirche verloren haben.

In diese Richtung weist gegenwärtig auch der Stuttgarter Katholikentag. Sein katholisches Profil ist kaum mehr erkennbar und vom Kernanliegen des Papstes fehlt wie beim „Synodalen Weg“ jede Spur. Kein Wunder, dass die einstige Großveranstaltung inzwischen kaum noch auf Interesse stößt. Daran ändert auch die vorab geführte Debatte um die sogenannte „eucharistische Gastfreundschaft“ nichts. Gerade sie zeigt aber, dass man in den Kreisen der deutschen Kirchenreform das katholische Eucharistieverständnis nicht mehr teilt und sich von der Kirche immer mehr in Richtung Protestantismus wegbewegt.

Überhaupt scheint diese „Selbstprotestantisierung“ zum Hauptanliegen der Kirche in Deutschland geworden zu sein. Dazu passt es, wenn in Hamburg der katholische Religionsunterricht abgeschafft wird, um mit dem evangelischen in einem gemeinsamen Fach aufzugehen. Das klingt „modern“ und „aufgeschlossen“, wird aber dazu führen, dass das Katholische in den nächsten Generationen noch mehr an Identität verliert. - Wer aber keine Identität hat, hat auch keine Zukunft. Die Aussichten bleiben in Deutschland deshalb düster.

Der Verfasser, Dr. Joachim Heimerl, ist Priester der Erzdiözese Wien und Oberstudienrat.

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln allein die Ansichten der jeweiligen Gast-Autoren wider, nicht die der Redaktion von CNA Deutsch.  

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