Seit 2017 ist Fernando Ocáriz der Prälat des Opus Dei, das sich besonders der Berufung zur Heiligkeit eines jeden Einzelnen im alltäglichen Leben kümmert. Der kürzlich im fe-Medienverlag erschienene Gesprächsband "Christen in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts" bietet einen ersten Einblick in die Haltung von Ocáriz – und damit des Opus Dei – zu einer ganzen Reihe von Fragen.

Zum Thema Heiligkeit konstatiert der Prälat, dass dies "nicht perfektes Leben meint, sondern eine ständige Offenheit für Gott und ein Ringen darum, die uns von Gott zu unserem Wohl und zum Wohl anderer dargebotene Gabe Frucht bringen zu lassen".

"Würden wir hingegen meinen, Heiligkeit in diesem Leben bestehe bereits in der ständigen, vollkommenen und bewussten Vereinigung mit Gott, so ist das utopisch; utopisch nicht bloß für den Verheirateten, sondern für jedermann", betont Ocáriz. "Verstehen wir Heiligkeit hingegen als unsere persönliche Liebesbeziehung zu Gott, die unser ganzes Leben umfasst und unaufhörlich wächst, immer bedroht ist und immer am Anfang steht, dann erkennen wir, dass die Ehe einer der Wege sein kann, die den Menschen zu dieser Gottesbegegnung führen kann."

Der Begriff Freiheit spielt beim Opus Dei ebenfalls eine Schlüsselrolle. "Die Leidenschaft für Freiheit ist ein sehr positives Zeichen unserer Zeit; schließlich ist es die Freiheit, die uns wählen lässt und die uns wahrhaft zu lieben befähigt", heißt es denn auch im Buch.

Doch damit nicht genug – recht verstandene Freiheit bestehe nicht bloß "in der Möglichkeit, zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen, sondern auch in der Fähigkeit, ein überaus kostbares Gut, für das sich das ganze Leben einzusetzen lohnt, zu entdecken und anzunehmen", so Ocáriz. "Entdeckt jemand ein hohes Gut, verzichtet er darauf für gewöhnlich nicht, auch dann nicht, wenn es schwierig wird. Gerade hier zeigt sich ja die Größe der Freiheit."

Kurzbetrachtungen

Ebenfalls einen niederschwelligen Einstieg – in diesem Fall ins geistliche Leben – bietet das ebenfalls beim fe-Medienverlag erschienene Buch "Im Licht des Evangeliums", das zahlreiche Kurzbetrachtungen von Fernando Ocáriz vereint.

Auf jeweils etwa zwei Seiten findet der Leser so einen schönen Tagesimpuls, ausgehend jeweils von einem Vers aus der Heiligen Schrift.

In einer Betrachtung über die Bezeichnung Jesu Christi als "Gott mit uns" (Mt 1,23) erläutert Ocáriz mit Bezug auf den Gründer des Opus, den Hl. Josefmaria Escrivá: "Gelegentlich sagte der heilige Josefmaria dem Herrgott, bevor er mit einer Arbeit begann: 'Jesus, erledigen wir das zu zweit.' Jesus ist bei uns, wir sind seine Werkzeuge. Dies setzt voraus, dass wir gut handeln und richtig arbeiten; sonst würden wir unseren Herrn in gewisser Hinsicht schlecht dastehen lassen – seines Werkzeugs wegen."

"Jesus und ich. Das ist eine persönliche, einzigartige und nicht übertragbare Beziehung", betont der Prälat. "Doch zugleich wird die Einheit mit Christus, wenn sie echt ist, zur Vereinigung mit dem Leib Christi, der Kirche: Gemeinschaft mit Gott, Gemeinschaft der Heiligen. Die Beziehung „Jesus und ich“ wird zu einer Einheit für andere und mit anderen."

Ein derartiger Gedanke am Morgen kann einen Gläubigen durch den Arbeitstag tragen – sei es im Büro oder auf dem Bau oder zu Hause bei der Erziehung der Kinder. So vollzieht sich die Heiligung des Alltags in kleinen, "menschlichen", für jeden machbaren Schritten.

Fernando Ocáriz: Christen in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch des Prälaten des Opus Dei mit Paula Hermida Romero; fe-Medienverlag; 112 Seiten; 8,95 Euro

Fernando Ocáriz: Im Licht des Evangeliums. Kurzbetrachtungen; fe-Medienverlag; 216 Seiten; 8,95 Euro

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln allein die Ansichten der jeweiligen Gast-Autoren wider, nicht die der Redaktion von CNA Deutsch.

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