Frauen und Papstgeschichte. Eine Rezension.

Frauen, die Kirchenmännern ins Gewissen reden, haben in der Kirche eine wichtige Rolle – so wie die heilige Katharina von Siena, die hier auf das Treiben im Vatikan schaut.
Foto: EWTN/Paul Badde
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis
30 September, 2018 / 9:30 PM

Ulrich Nersinger, der bekannte und beliebte deutsche Vatikanexperte, hat mit "Der Papst und die Frauen" im "Bernardus-Verlag" ein neues, kompaktes und kurzweiliges Buch vorgelegt, dass die Bedeutung des weiblichen Geschlechts im päpstlichen Rom hervorhebt.

Der Autor möchte "an heiligen, heiligmäßigen, 'normalen', aber auch an ganz und gar nicht heiligen Frauen aufzeigen, wie die Nachfolger Petri zu diesen standen, in ihnen eine Hilfe oder Last hatten, mit ihnen für den christlichen Glauben stritten oder sogar von ihnen bekämpft wurden."

Natürlich darf ein Kapitel zur Päpstin Johanna nicht fehlen. Nersinger zeigt allerdings, wie absurd die Behauptung ist, dass es jemals eine Päpstin gegeben habe. Die Päpstin soll im neunten Jahrhundert gelebt haben, doch erst im 13. Jahrhundert lässt sich eine dementsprechende Aussage belegen. Eine Straße, auf der die Päpstin während eines Ausritts ein Kind zur Welt gebracht haben soll, heißt eben nicht wegen ihr "vicus papessa", sondern wegen des Adelsgeschlechtes der Papes. Allerdings hat es Frauen gegeben, die auf Päpste einen enormen Einfluss hatten. Nersinger erwähnt Theodora und Marozia, die in einer für das Papsttum unrühmlich Zeit einigen Päpsten sogar als Mätressen zur Verfügung standen.

Einfluss auf einen Papst im besten Sinne nahm indes Mutter Pascalina Lehnert, die Papst Pius XII. seit seiner Zeit als Nuntius in Bayern als Haushälterin und Sekretärin diente. Nersinger fasst zusammen: "Über den päpstlichen Haushalt »herrschte« die Ordensfrau mit starker Hand, wobei sie selber die letzte war, die sich im Arbeitseifer schonte – und alles zum Wohle des Pontifex. Dabei verließ sie bisweilen ihr Terrain, ihren Kompetenzbereich. So griff sie auch in die Länge der Privataudienzen ein, wenn sie deren Dauer für zu belastbar für den Papst hielt. Dass sie ihren Einfluss auf den Heiligen Vater wahrnahm, wenn es ihr zum Nutzen und Segen der Kirche als ratsam erschien, soll nicht verschwiegen werden. Sogar hochrangige Ernennungen werden ihrer Unterstützung zugeschrieben."

Zuletzt sei hier eine Episode erwähnt, die den "schwarzen Adel" Roms präsentiert, der so heißt, weil er – im Gegensatz zum "weißen Adel" – nach der Vernichtung des Kirchenstaats und der Errichtung des Königreichs Italien weiter dem Papst die Treue hielt. Als Papst Paul VI. die Privilegien der treu dem Heiligen Stuhl ergebenen Familien, die ihre Dienste dem Papst im Vatikan zur Verfügung stellten – etwa im Rahmen der Nobelgarde – kurzerhand abschaffte, gefiel dies nicht allen. Donna Elvina Pallavicini bot 1977 in ihrem Palast dem französischen Erzbischof Marcel Lefebvre, der gegen den Willen des Papstes weiterhin an der alten lateinischen Messe festhielt und Priester weihte, ein Forum. Als man von Seiten des Vatikans versuchte, sie davon abzuhalten, indem sie sogar mit der Exkommunikation bedroht wurde, zeigte Pallavicini sich hartnäckig. Rund anderthalbtausend Gäste kamen zu ihrem Palast, um den Erzbischof zu hören.

Die 24 Kapitel von "Der Papst und die Frauen" können als alleinstehende Artikel gelesen werden, sodass man das Buch gut und gerne in kurzen Augenblicken der Muße zur Hand nehmen kann. Ein Glossar befindet sich am Ende des Buches, sodass man es auch gut an Nichtkatholiken verschenken kann, die sich einfach eine unterhaltsame Lektüre wünschen.

Der Papst und die Frauen

"Der Papst und die Frauen" von Ulrich Nersinger ist im Bernardus-Verlag erschienen und hat 134 Seiten. 

Das könnte Sie auch interessieren:

Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansicht des jeweiligen Autors wider, nicht unbedingt der Redaktion von CNA Deutsch.