Freddy Derwahl – auf dem Marktplatz

Karyes, Hauptort des autonomen Mönchsstaates Athos.
Foto: SKoikopoulos / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
04 January, 2020 / 11:04 AM

Der Titel seiner Lebenserinnerungen passt zu ihm. "Auf dem Marktplatz" der Meinungen und Medien war – und ist – Freddy Derwahl bis heute zu hause. Er hat sich nie gescheut, sich ins Getümmel zu stürzen. 

Freddy Derwahl, 1946 in Eupen geboren,  studierte nach dem Abitur Literatur, Soziologie und Journalismus in Löwen, Aachen und Paris. Er wurde Journalist und Belgien-Korrespondent der Aachener Volkszeitung. Für die Minderheit der deutschsprachigen ostbelgischen Gemeinschaft wird er politisch aktiv. Man sieht den jungen Mann sogar in der Landeshauptstadt Brüssel, als er 1972 Attaché für Ostbelgienfragen im Kabinett der Regierung wurde. Ab 1975 ist Derwahl beim Belgischen Hör- und Fernsehfunk tätig, später als Leiter der Kulturredaktion.

Über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus wurde Derwahl jedoch durch seine Bücher bekannt. Der heute auf einem alten Bauernhof in der Nähe von Eupen lebende Schriftsteller ist verheirateter Vater von fünf Kindern und ein verhinderter Mönch. So lag es kaum näher, als dass das Geheimnis des Mönchslebens sein Thema wurde. Viele seiner Bücher beschäftigen sich damit: reportagenhaft oder in Romanform, aber auch autobiographisch. Denn immer wieder verarbeitete Derwahl seine eigene Geschichte in seinen Büchern; etwa auch seine Versuche, Mönch im realen Kloster zu werden.

"Der letzte Mönch von Tibherine" heißt eines seiner bekannten Werke. Es ist die Geschichte der Trappisten, die vor einigen Jahren in ihrem Kloster in Algerien bei einem Massaker getötet wurden. Tibherine war eines jener Klöster, in das Derwahl gerne einmal eingetreten wäre. In den 1980-er Jahren geht er sogar für ein Jahr in ein amerikanisches Trappistenkloster. Es ist kein Wunder, dass eines seiner Bücher "Gottsucher" heißt. Die Frage nach seiner eigenen Berufung hat ihn nie wirklich losgelassen. Das kontemplative Leben zieht Derwahl sein ganzes Leben lang an. 

Freddy Derwahl bereist den Berg Athos und besucht dort die Mönche in ihren Klöstern und Einsiedeleien. Sogar ägyptische Mönche besucht er in der Wüste mit einem Fernsehteam. Es entstehen zwei Dokumentarfilme, in deren Folge das Buch "Eremiten" erscheint.

Seine Romane tragen Titel wie "Der Mittagsdämon", "Die fliehende Frau" und "Der Vorübergang des Engels". Die Geschichte einer Lebenswende trägt den Titel "Nonna stirbt". Derwahl schreibt über das Markusevangelium und nennt das Buch dazu "Der nackte Gott".

Im Jahr 2008 wird er kirchenpolitisch und legt eine Doppelbiographie vor: "Benedikt XVI. und Hans Küng, Geschichte einer Freundschaft". Nicht nur in diesem Buch wird eine Spannung in ihm deutlich, in der sich die moderne Kirche bis heute befindet; dem notwendigen festhalten am katholischen Glaubensgut und den Herausforderungen der sich von ihr abwendenden Menschen.

Derwahl weiß, dass es um sein eigenes Seelenheil geht. Er muss seine eigene Berufung erfüllen. Er rätselt über "die biologische Entstehung der Versuchung und ihrem Abfließen nach dem unterlegenen geistlichen Kampf", und notiert nach dem heiligen Antonius das Wort "Nimm die Versuchung weg und es ist keiner, der gerettet wird". Seine Frau nennt er "meine Rettung". Der Realist und Suchende.

Noch Mitte der 1980er Jahre wollte er keine religiösen Bücher schreiben. Er schrieb über das Suchen, das Leben und immer wieder über die Mönche. Derwahl schrieb von der Beziehung Gottes zu seinen Geschöpfen, davon, wie sehr er sie liebt. Ob seine Lebenserinnerungen "Auf dem Marktplatz" sein letztes Buch, sein Vermächtnis, sein wird? Nur Gott weiß es. Freddy Derwahl ist seit Jahren krank, er ist noch nicht 75 Jahre alt. Immerhin werden in diesem Buch Hintergründe geschildert, die sein Leben besser verstehen lassen und auch seine Bücher.

Wer Freddy Derwahl kennen möchte, sollte auf dieses Buch nicht verzichten. 

 

Freddy Derwahl, "Auf dem Marktplatz - Lebenserinnerungen", ist bei der KBV Verlags-und Mediengesellschaft erschienen und hat 304 Seiten. 

Das könnte Sie auch interessieren:  

Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln die Ansichten der jeweiligen Autoren wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.