"Glaube als Prozess"

Diese Woche im Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter": Letztens hat mich meine gute Freundin gefragt, ob meine Kinder meinen Glauben verändert haben. Schwer zu sagen, vielleicht?

"Ich bin überzeugt, dass sich Glauben immer dann weiter entwickeln kann und intensiv verändern kann, wenn man stets mit offenen Augen durch die Welt geht."
Foto: Pixabay / fietzfotos (CC0)
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis
19 March, 2018 / 2:00 PM

Letztens hat mich meine gute Freundin gefragt, ob meine Kinder meinen Glauben verändert haben. Schwer zu sagen, vielleicht?

Je länger ich darüber nachdenke, desto eher komme ich zu dem Schluss, dass sich mein Glaube schon immer verändert, bzw. weiterentwickelt hat. Dass meine Lebensphasen sich schon immer auf meinen Glauben ausgewirkt haben, oder vielleicht eher mein Glaube auf mein Leben?

So sollte es eigentlich sein, dass mein Glaube mein Leben beeinflusst, mich lenkt und leitet und für mich handlungsweisend ist. Diese bewusste und lebensbestimmende Art des Glaubens kenne ich erst seitdem ich mich erwachsen fühle. Das beginnt irgendwo ab dem Zeitpunkt vor gut 10 Jahren, an dem ich meinen Mann kennen gelernt habe und wir uns schnell sicher waren, eine gemeinsame Zukunft zu haben. Seitdem ist mir mein Glaube bewusst. Eine Entscheidung für Gott und ein Dialog mit Gott.

Das, was ich dann wahrnehme, ist wohl das was die Sakramentalität der Ehe ausmacht. Sie vertieft die Beziehung zu Gott und macht uns zu Werkzeugen und Sprachrohen selbigem. Vorher war ich auch gläubig, war in der Pfarrei aktiv, besonders in der Pfarrjugend, aber mein Kontakt mit Glaube und Kirche gestaltete sich recht unreflektiert und unspezifisch. Die Gemeinschaft der Freunde, die ich in den Jugendgruppen hatte, trug mich immer wieder in die Kirche und lies mich Erfahrungen mit Glaube sammeln.

Die Firmung hätte als Sakrament meinen Glauben bereits vertiefen können, hat sie unmittelbar aber nicht. Aus heutiger Sicht für mich sehr interessant, weil es nicht mit jugendlichem Desinteresse zu tun hatte, sondern schlicht mit einer gewissen Unreife und Unruhe, mit der man in dem Alter umgehen muss. Ja, ich denke, dass Glaube und die Beziehung zu Gott reifen muss.

Als wir geheiratet haben, haben Freunde für uns in der Messe gesungen. Zum Einzug haben wir uns "Here I am, Lord" gewünscht, nach der Berufung der Propheten Jesaja und Samuel. Die Unmittelbarkeit, die dadurch zum Ausdruck kommt und einen zum Werkzeug Gottes macht, war das, was wir ausdrücken wollten und was wir in dem Sakrament der Ehe leben wollten.

Mit unseren Kindern hat mein Glaube eine weitere Ebene erlangt. Ich halte stark an dem Beziehungsgedanken zu Gott fest. Für mich ist Gebet, Dialog und Offenbarung zugleich. Glaube ist Anker, Weg und tragende Kraft. Spätestens mit der Taufe, haben wir unsere Kinder in die Hände Gottes gelegt und gemeinsam mit den Paten das Versprechen gegeben, dafür Sorge zu tragen, dass sie im Glauben aufwachsen und sie mit Gott "bekannt zu machen". Wenn Glaube Beziehung ist, dann ist es wichtig, Kinder beziehungsfähig zu machen. Das Urvertrauen und das Bindungsverhalten zu den Eltern sind Grundpfeiler, auf denen eine Beziehung zu Gott wachsen kann.

Insofern hat sich sowohl mein Leben in Gänze durch meine Kinder verändert, da ich die Verantwortung für die Zukunft drei kleiner Menschen übernommen habe, als auch mein Glaube, da ich auch für die Glaubensentwicklung meiner Kinder zuständig bin.

Um dieser Aufgabe gewissenhaft nachkommen zu können, ist es wichtig, seinen eigenen Glauben zu reflektieren und zu hinterfragen. Diese Auseinandersetzung hat mich in den letzten Jahren zu einer bewussteren Kirchgängerin gemacht und uns klare Grundsätze im Glauben leben finden lassen. Ich glaube nicht mehr für mich selbst, sondern eben auch für unsere Kinder. So ist es uns besonders wichtig, Familientraditionen im Glauben zu finden und zu pflegen, da die Kinder ihren Glauben über unser Vorbild entdecken und entwickeln. Meine Kinder haben meinen Glauben verändert. Sie haben ihn intensiver werden lassen, bedeutsamer und an eine Verantwortung gebunden.

Wenn ich an unsere Hochzeit zurück denke, dann denke ich auch an das Lied, welches unsere Freunde uns zum Auszug gesungen haben: "What a wonderful world" von Luis Armstrong. Ich bin überzeugt, dass sich Glauben immer dann weiter entwickeln kann und intensiv verändern kann, wenn man stets mit offenen Augen durch die Welt geht. Die Schönheit der Natur wahrnimmt, den Augenblick genießt und die Beziehung zu Gott jeden Tag ein bisschen pflegt.

Das Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" mit Elisabeth Illigerscheint jeden Montag bei CNA Deutsch. Alle bisherigen Blogposts finden Sie hier im Überblick. 

Das könnte Sie auch interessieren:
 
 
Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Meinung des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.