Hat eine Nonne des 19. Jahrhunderts die Kirche von heute prophezeit?

Ein mystischer Blick auf die Kirchenkrise und deren Überwindung

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Foto: Public Domain / Gabriel Metsu / Ven. Mary Potter, Public Domain / Alex Proimos from Sydney, Australia CC BY 2.0, Wikimedia Commons
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08 February, 2019 / 11:30 AM

Wie Christus, der mit Wunden und Blut bedeckt ist, nachdem sein Verräter Judas ihn den religiösen Autoritäten übergeben hat: So ist unsere Kirche heute verwundet.

Sie ist entstellt und schmerzt von der abscheulichen Welle von Skandalen der modernen Judasse - geschwächt von der Kultur des Zweifels, der Angst, des Misstrauens und des Schweigens, die uns umgibt.

Wie Christus steht auch unsere Kirche heute vor Gericht, mit unerbittlichen Medienangriffen und angesichts Gesetzen, die unsere Religionsfreiheit einschränken.

Wie Christus, der durstig war, als er am Kreuz hing, steht unsere ausgedörrte Kirche heute vor einer geistlichen Dürre, die sich verzweifelt nach Erneuerung, Hoffnung und Wiederauffüllung sehnt.

Wird unsere Kirche heute mystisch mit Christus gekreuzigt?

In ihrem Buch "The Path of Mary" schrieb die ehrwürdige Ordensfrau Mary Potter (1847-1913):

"Wir leben in gefährlichen Zeiten; wir sind umgeben von Gefahren und Versuchungen, die in der Weltgeschichte fast einzigartig sind.

Die Kirche, die Braut Jesu, folgte dem Leben ihres Herrn offenbar nach, und hat in sich selbst die verschiedenen Etappen veranschaulicht.

Es gab das verborgene Leben in den frühen Zeiten der Kirche, gefolgt vom öffentlicheren Leben;
dann kam eine erhöhte Hingabe an das Allerheiligste Sakrament auf,
gefolgt von der Qual im Garten [Getsemani];
und wir scheinen uns jetzt der Zeit zu nähern, in der die Kirche die Kreuzigung Ihres göttlichen Hauptes und Meisters widerspiegeln, ja in der Tat mystisch reproduzieren wird."

Diese bemerkenswerten Worte sind heute relevanter als je zuvor.

Obwohl wir uns davor hüten müssen, mit solchen Prophezeiungen allzu konkret umzugehen, da sie metaphorisch und genereller Art sind, und nicht einheitlich und mit absoluter Präzision angewendet werden sollten: Mary Potters Worte sind eine außergewöhnliche Synopse unserer Kirche heute.

Man denke nur an die bekannten Worte des verstorbenen Kardinals Francis George von Chicago zu einer Gruppe junge Priester, von denen einige verunsichert und besorgt über die kommenden dunklen Zeiten waren:

"Ich erwarte, in meinem Bett zu sterben; mein Nachfolger wird im Gefängnis sterben; und sein Nachfolger wird als Märtyrer auf einem öffentlichen Platz sterben."

Wer war die ehrwürdige Dienerin Gottes Mary Potter?

Mary Potter wurde 1847 in London als Kind eines nicht-katholischen Vaters und einer irischen Mutter geboren, die sich zum Katholizismus bekehrte. Ihr Leben änderte sich schlagartig, als sie die Lehren und Schriften des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort entdeckte.

Trotz ihrer schlechten Gesundheit wurde Mary Potter Nonne und widmete ihr ganzes Leben dem Dienst an den Kranken und Sterbenden.

1877 gründete sie die Schwestern der Kleinen Gesellschaft Mariens - Little Company of Mary Sisters - einen Orden, der von der kleinen Gruppe treuer Anhänger Jesu inspiriert war, die bei der Muttergottes blieben, als sie am Fuße des Kreuzes auf dem Kalvarienberg stand.

So wie Christus, das Haupt der Kirche verfolgt, gepeitscht, geschlagen und verspottet wurde, so wird auch sein Leib, die Kirche, verfolgt.

Der heilige Johannes und die heiligen Frauen blieben bei der Muttergottes, als Jesus auf den Kalvarienberg ging; werden wir bis zum Ende bei der Heiligen Mutter Kirche bleiben?

Als Christen, die in Christus eingegliedert sind, sind wir auch berufen, ein Leben im Leiden zu führen.

Dies wird durch die Worte unseres Herrn an den heiligen Paulus auf seinem Weg nach Damaskus schön dargestellt: "Saul, Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" (Apostelgeschichte 9,4).

Unser Herr identifiziert das Leiden seiner Brüder und Schwestern als einen direkten Angriff.

Diese kraftvolle Lehre der Kirche als Mystischer Leib des Herrn ist von zentraler Bedeutung für die Enzyklika Mystici Corporis Christi von Papst Pius XII aus dem Jahr 1943:

"Zunächst ist dies zu bedenken: wie der Erlöser des Menschengeschlechtes von denen, deren Heil zu wirken Er auf sich genommen hatte, mit Nachstellungen, Verleumdungen und Qualen überhäuft wurde, so muß die von Ihm gegründete Gemeinschaft auch hierin ihrem göttlichen Stifter ähnlich werden."

Aber wie Christus, der gestorben ist und wieder auferstanden ist, wird die Kirche, wenn sie am verwundbarsten erscheint und an den Rand des Zusammenbruchs gedrängt wird, wieder auferstehen.

Wenn wir auf die Geschichte der Kirche zurückblicken, sehen wir im Laufe der Zeit immer wieder eine Schlüsselbotschaft: Beim Kreuz gibt es immer die Hoffnung auf die Auferstehung.

Mit einem größeren Martyrium wird die Kirche stärker werden. Mit größerer Verfolgung werden die unglaublichsten Heiligen, Krieger und Helden geboren. Die Kirche wird nie aufhören zu existieren. Sie wird nie sterben.

Wir sind nicht berufen, Menschen der Welt zu sein, sondern Menschen Gottes.

Nicht eine Kirche, die sich mit der Zeit verändert, sondern eine Kirche, die die Zeit verändert.

Auch sollten wir unsere Tage nicht damit verbringen, der Vergangenheit hinterherzulaufen, die in den Fängen der Nostalgie gefangen ist, so dass wir vergessen, dass der katholische Glaube auf einer konstanten Wahrheit aufbaut, die Raum und Zeit überschreitet; einer Wahrheit, die für jedes Zeitalter gilt und die uns herausfordert, authentische und kreative Wege zu finden, diese unveränderliche Wahrheit zu einer gegenwärtigen Realität zu machen.

Auch sollten wir uns nicht in Angst und Schweigen kauern und Opfer von Gefälligkeit und Anbiederung sein. Vielmehr sollten wir groß und fest in Wahrheit und Rechtschaffenheit verankert sein.

Wahrhaftig, der katholische Glaube ist am elektrisierendsten, beeindruckendsten und lebendigsten, wenn wir für die Wahrheit eintreten und dies bis zum Ende tun. Nur dann können wir verstehen, was wahre Freiheit ist: Leiden und Selbstaufopferung, umarmt von Liebe.

Wenn sich Mutter Mary Potter vom heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort inspirieren ließ, sollten wir dies auch tun und über seine Vorhersagen über die große Wiederbelebung des Glaubens nachdenken, die durch die großen Heiligen der Endzeit kommen wird:

"[D]enn gerade für die letzten Zeiten hat Gott beschlossen, im Verein mit seiner heiligen Mutter Heilige großzuziehen, welche die Mehrzahl der anderen Heiligen an Heiligkeit soweit übertreffen werden, als die Zedern des Libanon über das niedere Gesträuch emporragen.

"Mit der einen Hand werden sie die Häretiker mit ihren Häresien, die Schismatiker mit ihren Schismen, die Götzendiener mit ihrer Abgötterei und die Sünder mit ihren Gottlosigkeiten bekämpfen, niederwerfen und ausrotten. Mit der anderen werden sie den wahren Tempel Salomons und die geistige Stadt Gottes aufbauen, d.h. sie werden die Verehrung der allerseligsten Jungfrau ausbreiten, die ja von den heiligen Vätern 'der Tempel Salomons und die Stadt Gottes' genannt wird."

Wir kehren zu diesen mutigen Worten des Kardinals Geroge zurück: "Ich erwarte, in meinem Bett zu sterben; mein Nachfolger wird im Gefängnis sterben; und sein Nachfolger wird als Märtyrer auf einem öffentlichen Platz sterben."

Wenige wissen, dass er weitersprach:

"Sein Nachfolger wird die Scherben einer zerstörten Gesellschaft aufheben und mithelfen, die Zivilisation neu aufzubauen, wie es die Kirche so oft in der Geschichte getan hat."

Georgette Bechara studiert Wirtschaft und Jura in Sydney, Australien. Sie schreibt bei ChurchPOP, um eine Stimme für die vielen verfolgten Christen in einer Welt zu sein, die oft so feindlich gegenüber Menschen des Glaubens ist.

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