"Ich bete für Dich"

Diese Woche im Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter": Warum die Kraft des Gebets nicht zu unterschätzen ist

Welche Kraft muss von einem Gebet ausgehen, dass über 60 Elternpaare für die Kinder an den lieben Gott richten.
Foto: Pixabay / congerdesign (CC0)
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02 July, 2018 / 2:00 PM

Anfang der Woche hing ein Zettel im Kindergarten: "Bitte schließen sie die Kinder der Familie Schmitz (Name geändert) in ihr Gebet ein, da sie morgen im Kindergarten getauft werden. Denken sie daran, ihr Kind festlich zu kleiden."

Der ganze Kindergarten war auf den Beinen, das Atrium wurde geschmückt, man hatte zusammengelegt, um Pizza für alle Kinder und die Familie der Täuflinge zu bestellen, alle 60 Kinder der Kita waren schick angezogen, der Kindergartenchor hatte Lieder einstudiert und dann wurden sechs Kinder in der Kirche getauft und alle waren dabei und feierten hinterher ein großes Fest.

Es war bereits eine große Leistung aller gewesen, die Familie davon zu überzeugen, dass sie ihre Kinder vom Neugeborenen bis hin zum Teenager taufen lassen. Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg und problematische Beziehungskonstellationen der Eltern bestimmen das Leben der Familie, sodass der Kindergarten für die vier Jüngsten eine Oase der Ruhe und Beständigkeit ist. Glaube, Kirche und Taufe wurden dann nach und nach mit den Eltern thematisiert, bis auch das Argument der finanziellen Belastung durch eine Tauffeier kein Gewicht mehr hatte, da der Kindergarten kurzer Hand die Feier plante und umsetzte. Es erklärten sich sogar zwei Erzieherinnen bereit das Amt der Taufpatin zu übernehmen, weil die Familie sich nicht selber um Paten für alle Kinder gekümmert hatte.

Und wir Eltern waren nun dazu aufgerufen zu beten. Ich zünde öfters Kerzen an, wenn ich z.B. weiß, dass eine Freundin von mir eine Prüfung bestehen muss oder eine andere eine schwierige Untersuchung beim Arzt mit ungewissem Ausgang vor sich hat. "Wie schön", dachte ich, dass neben der ganzen Organisation auch an das Gebet gedacht wurde. Jemand hatte diesen Zettel ja ganz bewusst aufgehangen und hatte es für besonders wichtig befunden, dass alle gemeinsam an die Kinder denken und für sie beten.

Die Kraft des Gebetes ist nicht zu unterschätzen. Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Untersuchungen dazu, dass Menschen, die nicht wussten, dass für sie gebetet wurde, schneller gesund wurden, als die Menschen, für die nicht gebetet wurde. Neben dem psychologischen Effekt, dass ich weiß, dass jemand an mich denkt und ich mich gut fühle, muss das Gebet also eine tatsächliche Strahlkraft auf uns ausüben, wenn sogar die Menschen gesund werden, die nichts von den Gebeten wussten.

Es gibt viele Formen des Gebetes. Das Ritual, was wir zum Beispiel jeden Abend oder vor jeder Mahlzeit mit unseren Kindern beten, das Stoßgebet, kurz bevor man eine schwierige Aufgabe zu meistern hat, das Bittgebet, wenn man hofft, dass etwas ein gutes Ende nimmt, das Dankgebet, wenn etwas gut ausgegangen ist…und viele mehr.

Ich glaube, dass es Menschen gibt, die noch nie gebetet haben und die beten erst lernen müssen. Ein Gespräch mit Gott, ohne dass man eine direkte Antwort bekommt und ohne dass es zur flehenden Zauberformel wird, das ist eine Herausforderung. Ich fragte mich, wie viele Eltern wohl der Aufforderung nachgekommen sind. Da alle Kinder schick angezogen waren, gehe ich mal davon aus, dass alle den Zettel gelesen haben. Welche Kraft muss von einem Gebet ausgehen, dass über 60 Elternpaare für die Kinder an den lieben Gott richten.

Als ich darüber nachdachte, wie ein Mensch durch ein Gebet gestärkt und getragen werden kann, kam mir der Text von Margaret Fishback Powers "Spuren im Sand" in den Sinn, in dem es darum geht, wie ein Mensch vom lieben Gott begleitet wird und dort wo nur eine Spur zu sehen ist nicht alleine war, sondern von Gott getragen wurde. Dieses Gedicht ist ein bisschen abgedroschen, weil es ein bisschen zu oft in der Kirche vorgelesen wurde, aber ich finde es im Kern immer noch sehr schön und die Vorstellung, dass alle diese sechs Kinder einmal auf ihr sicher schwieriges Leben zurück schauen können und sagen können: Hier waren Menschen, die für mich gebetet haben, für mich die Taufe so liebevoll organisiert haben, sich festlich gekleidet haben und der liebe Gott mich auf Händen getragen hat.

 Das Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" mit Elisabeth Illig erscheint jeden Montag bei CNA Deutsch. Alle bisherigen Blogposts finden Sie hier im Überblick. 

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.