Johannes von Damaskus und die Ikone der Gottesmutter mit drei Händen

Tricherusa-Ikone im bulgarisch-orthodoxen Kloster Trojan
Foto: Psy guy / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
03 December, 2022 / 9:00 AM

Eine besonders außergewöhnliche Geschichte spiegelt sich in der sogenannten Tricherusa-Ikone, der Ikone der Gottesmutter mit drei Händen, wider. Der Kirchenvater Johannes von Damaskus spielt dabei die Hauptrolle.

Johannes wurde um 650 in Damaskus in Syrien geboren; er starb am 4. Dezember (vor) 754 im Kloster Mār Saba bei Jerusalem.

Während des sogenannten Bilderstreits wurden durch Anordnung (726) von Kaiser Leo III. im ganzen Reich Ikonen entfernt. Johannes verteidigte jedoch die „heiligen Bilder“, etwa in seinen „Reden gegen die Verleumder der heiligen Bilder“. Darin begründete den Unterschied zwischen der Anbetung, die einzig Gott gebührt, und der Verehrung, die auch ein Bild dazu verwenden kann, sich an die dargestellte Person (Christus, Maria, Heilige) zu wenden.

Der Kaiser war über Johannes verärgert. Er ließ einen Brief in der Handschrift des Johannes fälschen und sandte diesen an den Kalifen von Damaskus. Daraus ging hervor, dass Johannes dazu auffordere, den Kalifen von Damaskus abzusetzen.

Als der Kalif dieses Schreiben mit der gefälschten Unterschrift des Johannes bekam und ihn als echt betrachtete, bestrafte er ihn, indem er Johannes durch einen Vasallen die rechte Hand abschlagen lies. Es wurde überliefert, dass auf diese Weise die Hände „die zuvor im Kampf gegen die Feinde des Herrn mit Tinte befleckt waren, rot wurden durch das eigene Blut.“ Zur Abschreckung aller anderen Ikonenverehrer wurde die abgeschlagene Hand des Johannes öffentlich aufgehängt. Johannes aber litt unsagbare Schmerzen.

Schließlich bat der schrecklich leidende Johannes den Kalifen, dass er ihm seine Hand zurückgeben möge. Der Kalif ließ sich erweichen.

Johannes trat mit seiner abgeschlagenen Hand vor die von ihm vor den Feinden verborgene wundertätige Ikone der Gottesmutter und flehte sie an, ihm Heilung zu schenken, damit er die Verteidigung der Ikonen wieder aufnehmen könne. Die Ikone begann zu leuchten und die Gottesmutter versprach, ihn zu heilen. Gleichzeitig gab sie dem Johannes den Auftrag, die geheilte Hand „als das Rohr eines rasch schreibenden Schreibers zu benützen, um Hymnen an Christus und die Gottesmutter zu verfassen“.

Die Legende berichtet weiter, dass eine Hand aus der Ikone hervorgekommen sei, als Johannes schlief. Diese Hand habe die verblutete Hand des Johannes wieder mit dem Stumpf zusammengefügt. Die Hand wuchs an und die Wunde heilt.

Von diesem Wunder erfuhr auch der Kalif. Er dachte zunächst, dass es sich um einen Betrug gehandelt habe. Doch er überzeugte sich persönlich. Als er die Schnittstelle am rechten Handgelenk sah, glaubte er und bat Johannes um Verzeihung.

Johannes von Damaskus ließ eine silberne Hand fertigen und befestigte sie an der Ikone. Daher erhielt sie den Namen „Ikone der Gottesmutter mit drei Händen“ (auf Griechisch: Tricherusa). Diese Legende ist in die Ikonografie eingedrungen.

Für die Ikone ist typisch, dass das Gewand der Gottesmutter mit großen Blattmotiven verziert ist. Ihr Haar unter dem Schleier ist schwarz. Maria trägt das Kind in majestätischer Haltung auf ihrem rechten Arm. Der Heiligenschein der Gottesmutter ragt über den Bildrand hinaus.

In Damaskus setzte sich mehr und mehr ein antichristlicher Kurs durch. Johannes verließ den Hof des Kalifen und wurde Mönch. Zusammen mit seinem Adoptivbruder Kosmas zog er sich in das Kloster des heiligen Sabbas zurück. Es lag in der Wüste, nahe bei Jerusalem, und war eines der ältesten Klöster im Heiligen Land. Es entstand um 483 an der westlichen Felswand des Kidrontales. „Seine“ Ikone nahm er mit in das Kloster, wo es fast 400 Jahre geblieben ist.

Johannes von Damaskus wurde von Patriarch Johannes V. (706-735) zum Priester geweiht. Der Mönch Johannes arbeitete bis ins hohe Alter an seinen theologischen Werken. Er starb wohl 104-jährig noch vor dem Jahr 754. Johannes von Damaskus und wurde im Sabbas-Kloster beigesetzt.

In der Gottesgebärerin ruhte der Alleinheilige – Gott selbst. Maria ist Gott ähnlich geworden und ist darum am verehrungswürdigsten. So ist ihr Bildnis das heiligste unter den Heiligen-Ikonen. In der Verehrung der Gottesmutter wird Christus verehrt, denn durch sie ist er Mensch geworden. Die Ehre, die wir ihr erweisen, geht auf Gott selbst zurück.

Johannes von Damaskus sagt: „Weil Gott unsichtbar ist, mach dir kein Bild von ihm. Aber da du sehen kannst, dass der Körperlose einen menschlichen Leib angenommen hat, mache ein Bild der menschlichen Gestalt. Wenn der Unsichtbare im Fleisch sichtbar wird, male das Abbild des Unsichtbaren.“

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