"Mer muss och jünne künne"

Diese Woche im Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter": Man muss auch mal gönnen können!

Geschwister
Foto: Pixabay / Pexels (CC0)
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03 June, 2019 / 2:00 PM

Mer muss och jünne künne - man muss auch gönnen können - lautet ein Sprichwort im Rheinland. Die Menschen nutzen es zu vielen Gelegenheiten, drücken damit auch einen gewissen trockenen Humor aus, wenn sie es über die Siegermannschaft sagen, wenn der 1.FC Köln wieder mal verloren hat.

Mir kam das Sprichwort in der letzten Woche in den Sinn, als unsere Mittlere Geburtstag hatte und sich um sie herum nach und nach ein Geschenkeberg auftürmte. Sie hatte nun alles, was sie in der Geschwister-Hierarchie mindestens einen Rang emporsteigen lassen würde. Angefangen von einem kleinen Armbandbastelset, über ein Pferdehandtuch und ein Buch, bis hin zu Schminke, einer Playmobil Tierklinik, einem Playmobil Auto, einem Playmobil Spielplatz und zu guter Letzt einem gigantischen pinken Prinzessinnenschloss von Playmobil. Über Absatzprobleme dürfte sich die Firma Playmobil in diesem Jahr nicht beschweren und obwohl jeder nur ein Geschenk mitgebracht hatte und auch wir Eltern nur ein Geschenk überreicht hatten, türmte sich der Berg dank großem Freundeskreis und riesiger Familie immer weiter auf.

Die Geschwister-Hierarchie…ein ausgeklügeltes, empfindliches System, dass man von außen so gut und so lang wie möglich in Ruhe lässt und nur dann einschreitet, wenn die Fäuste fliegen. Mit ihrer neuen Spielzeugsammlung war sie nun wirklich ganz weit vorn, könnte man meinen, aber zu meinem Erstaunen war dem überhaupt nicht so.

Die Große freute sich sehr mit ihrer Schwester, war am Abend vorher bereits sehr aufgeregt gewesen, hatte große Pläne wie und wann sie ihr ihr Geschenk überreichen wollte und hatte richtig Bauchkribbeln bei dem Gedanken daran, das freudige Gesicht ihrer Schwester zu sehen.

Bei mir als Mutter mischte sich in die Vorfreude auf den Geburtstag auch Stolz, denn mit dieser großen Geste meiner Ältesten hatte ich nicht gerechnet. Ich weiß, dass sie einen feinen Charakter hat, aber diese ehrliche Freude war wirklich wunderbar zu erleben.

Als sich also nach und nach die ganzen Spielsachen auftürmten und ein Highlight das nächste jagte, konnte sie ihrer Schwester immer noch ihre neuen Sachen gönnen und auch das Geburtstagskind nutzte ihre vermeintliche Überlegenheit keineswegs aus, sondern nahm ihre große Schwester direkt mit in ihre Spielwelt.

Mir wurde bewusst, wie sehr die beiden einander als Spielgefährten schätzten und wie sicher sie offenbar sein konnten, nicht zu kurz zu kommen. Sie konnten sich auf die Fairness der anderen verlassen und darauf, dass jede zu gegebener Zeit im Mittelpunkt steht und beschenkt wird.

Ich denke, dass die Fähigkeit anderen ihr Glück zu gönnen, ganz stark geprägt ist von Vertrauen, das Eltern ihren Kindern entgegenbringen und die Kinder wiederum in die Eltern haben, neben der Erziehung im Glauben.

In dem Bewusstsein von Endlichkeit, wird der Mensch demütig und legt jede Überheblichkeit ab. Das ist jene Tugendhaftigkeit, die wir Christen versuchen zu erlangen und die unserem Glauben innewohnt.

Das familiäre enge Zusammenleben und insbesondere das Zusammenleben von Geschwistern, fordert immer wieder alle Familienmitglieder heraus, an der Tugendhaftigkeit und der Freude in und an Gemeinschaft zu arbeiten.

Ich bin darüber hinaus überzeugt davon, dass es die bedingungslose Liebe ist, die die Kinder zu dem gemacht haben, was sie heute schon sind:

In 1 Korinther 13, 4-7 sagt die Bibel über die Liebe und was diese im Stande ist zu leisten:

"Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. "Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand."

Die Liebe ist nicht nur Basis und Grundstein, sondern auch Quelle der Tugendhaftigkeit und der Freude, die unsere beiden Töchter miteinander neidlos genießen konnten!

 

Das Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" mit Elisabeth Illig erscheint jeden Montag bei CNA Deutsch. Alle bisherigen Blogposts finden Sie hier im Überblick. 

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten der Autoren wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.