Naturschutz und die Ökologie des Menschen

Geistliche Betrachtungen zu den Enzykliken Benedikts XVI. – Teil 26

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26 March, 2022 / 7:00 AM

Unvergessen bleibt die Rede Benedikts XVI. im Deutschen Bundestag. Er sprach am 22. September 2011 von der Ökologie des Menschen und betonte die Notwendigkeit des Umweltschutzes. Wer biblisch fundiert denkt, weiß, dass die Ausbeutung der Natur der Sendung des Menschen zuwiderläuft. Benedikt hat auch in der Enzyklika „Caritatis in veritate“ die Frage nach dem Naturschutz sensibel betrachtet und sich gegen den Raubbau an der von Gott geschaffenen Welt gewandt. Zunächst lobt der Papst Unternehmen, die ökologisch arbeiten, um eine „Humanisierung des Marktes und der Gesellschaft zu erreichen“. Er hebt hervor: „Das Thema Entwicklung ist heute stark an die Verpflichtungen gebunden, die aus der Beziehung des Menschen zur natürlichen Umwelt entstehen. Diese Beziehung wurde allen von Gott geschenkt. Der Umgang mit ihr stellt für uns eine Verantwortung gegenüber den Armen, den künftigen Generationen und der ganzen Menschheit dar. Wenn die Natur und allen voran der Mensch als Frucht des Zufalls oder des Evolutionsdeterminismus angesehen werden, wird das Verantwortungsbewußtsein in den Gewissen schwächer. Der Gläubige erkennt hingegen in der Natur das wunderbare Werk des schöpferischen Eingreifens Gottes, das der Mensch verantwortlich gebrauchen darf, um in Achtung vor der inneren Ausgewogenheit der Schöpfung selbst seine berechtigten materiellen und geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn diese Auffassung schwindet, wird am Ende der Mensch die Natur entweder als ein unantastbares Tabu betrachten oder, im Gegenteil, sie ausbeuten. Beide Haltungen entsprechen nicht der christlichen Anschauung der Natur, die Frucht der Schöpfung Gottes ist.“

Ökologisches Verantwortungsbewusstsein gehört untrennbar zur Berufung des Christen. Die Natur zu achten, zu hüten und zu lieben ist geboten. Vergleichsweise spät ist diese Einsicht in der Kirchengeschichte gereift. Wir verbinden die Liebe zur Schöpfung heute besonders mit der lichtreichen Gestalt des heiligen Franz von Assisi. Doch noch heute wird oft die Natur geringgeschätzt, als bloßes Mittel oder als Herrschaftsinstrument gebraucht – man denke nur an den Sektor der Energiewirtschaft. Die Güter der Natur bezeichnet Benedikt als eine „Gabe des Schöpfers“, die Natur selbst als „Ausdruck eines Plans der Liebe und der Wahrheit“: „Sie geht uns voraus und wird uns von Gott als Lebensraum geschenkt. Sie spricht zu uns vom Schöpfer (vgl. Röm 1, 20) und von seiner Liebe zu den Menschen. Sie ist dazu bestimmt, am Ende der Zeiten in Christus »vereint zu werden« (vgl. Eph 1, 9-10; Kol 1, 19-20).“ Zugleich weist der Papst die Ansicht ab, die Natur zu verklären oder zu überhöhen. Einstellungen wie diese werden als „neu-heidnisch“ oder als „neuer Pantheismus“ bezeichnet. Deutlich aber lehnt er auch die Allmacht des Menschen über die Natur ab: „Allerdings muß man auch die gegenteilige Position zurückweisen, die eine vollständige Technisierung der Natur anstrebt, weil das natürliche Umfeld nicht nur Materie ist, über die wir nach unserem Belieben verfügen können, sondern wunderbares Werk des Schöpfers, das eine „Grammatik“ in sich trägt, die Zwecke und Kriterien für eine weise, nicht funktionelle und willkürliche Nutzung angibt.“ Er kritisiert die „Gewalt“ gegenüber der Natur und in gleicher Weise die „respektlosen Handlungen gegenüber der Natur des Menschen“, die heute als Ausdruck menschlicher Freiheit missverstanden werden. Ich bin als Mensch niemals der Schöpfer und Gestalter meines eigenen Seins, so können wir sagen, sondern ich entspreche als Gottes Geschöpf dem Plan dessen, der zu mir Ja gesagt hat. So wie der Mensch als Geschöpf Gottes mit sich selbst behutsam umgehen soll, so ist ihm auch die Ausbeutung der Natur untersagt: „Es ist dem Menschen gestattet, eine verantwortungsvolle Steuerung über die Natur auszuüben, um sie zu schützen, zu nutzen und auch in neuen Formen und mit fortschrittlichen Technologien zu kultivieren, so daß sie die Bevölkerung, die sie bewohnt, würdig aufnehmen und ernähren kann. Es gibt Platz für alle auf dieser unserer Erde: Auf ihr soll die ganze Menschheitsfamilie die notwendigen Ressourcen finden, um mit Hilfe der Natur selbst, dem Geschenk Gottes an seine Kinder, und mit dem Einsatz ihrer Arbeit und ihrer Erfindungsgabe würdig zu leben. Wir müssen jedoch auf die sehr ernste Verpflichtung hinweisen, die Erde den neuen Generationen in einem Zustand zu übergeben, so daß auch sie würdig auf ihr leben und sie weiter kultivieren können.“ Benedikt XVI. wirbt für Umwelt- und Klimaschutz. Er verweist auch auf die Schäden, die durch die hedonistische Lebenspraxis entstehen. Der hemmungslose Konsum verwüstet diese Welt und führt zu einer sittlichen Verrohung sowie geistlichen Entleerung. Wie sein Amtsvorgänger Johannes Paul II. übt Benedikt deutliche Kritik an einem verbreiteten „Lebensstil“ und fordert einen umfassenden „Gesinnungswandel“: „Die Kirche hat eine Verantwortung für die Schöpfung und muß diese Verantwortung auch öffentlich geltend machen. Und wenn sie das tut, muß sie nicht nur die Erde, das Wasser und die Luft als Gaben der Schöpfung verteidigen, die allen gehören. Sie muß vor allem den Menschen gegen seine Selbstzerstörung schützen. Es muß so etwas wie eine richtig verstandene Ökologie des Menschen geben. Die Beschädigung der Natur hängt nämlich eng mit der Kultur zusammen, die das menschliche Zusammenleben gestaltet. … Das Buch der Natur ist eines und unteilbar sowohl bezüglich der Umwelt wie des Lebens und der Bereiche Sexualität, Ehe, Familie, soziale Beziehungen, kurz der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen. Unsere Pflichten gegenüber der Umwelt verbinden sich mit den Pflichten, die wir gegenüber dem Menschen an sich und in Beziehung zu den anderen haben. Man kann nicht die einen Pflichten fordern und die anderen unterdrücken. Das ist ein schwerwiegender Widerspruch der heutigen Mentalität und Praxis, der den Menschen demütigt, die Umwelt erschüttert und die Gesellschaft beschädigt.“ Eine recht verstandene Ökologie der Natur und des Menschen zu fördern und zu verteidigen bezeichnet Benedikt XVI. als bleibenden Auftrag der Kirche und damit jedes einzelnen Christen in der Welt von heute.

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