Ostern ist gefeiert. Und nun?

Der See Genezareth
Foto: Amira_a via Flickr (CC BY 2.0)
26 April, 2020 / 12:47 AM

Liebe Brüder und Schwestern! 

Der Tag nach einem großen Fest ist in der Regel vom Aufräumen geprägt. Nach der Feierlichkeit steht die Nüchternheit notwendiger Abläufe. Und dann ist wieder Alltag. Man geht zur Arbeit, in die Schule, beschäftigt sich mit dem Haushalt, der Kindererziehung usw.

Das heutige Evangelium zeigt uns die Jünger, wie sie im Begriff sind, nach Ostern wieder zum Alltäglichen überzugehen. Warum wird uns nicht gesagt. Vermutlich war es eine gewisse Ratlosigkeit über die Frage, wie es nun weitergehen solle. Den Auferstandenen hatten sie ja schon gesehen und bestaunt. Aber was nun mit dieser Botschaft anfangen? Das ist ihnen offensichtlich noch nicht ganz klar. Klar ist jedoch, dass es wohl nicht reichen würden, einfach bloß zur Kenntnis zu nehmen, was geschehen ist.

Es scheint, dass Ihnen jetzt, nach der großen Freude, dass sie den Herrn wiedergesehen hatten, erst einmal nur übrigbleibt, das weiterzumachen, was sie getan hatten, bevor sie Ihn kennengelernt hatten. Sie hatten schlicht noch keine Anweisung, keinen Plan, wie sie nun von Jüngern zu Aposteln werden sollten.

"Ich gehe Fischen!", sagt Petrus. "Gute Idee!", denken die anderen und kommen mit. Sie wollen sich beschäftigen, vielleicht auch ablenken. Sie haben noch nicht verstanden, was fortan ihre neue Aufgabe sein würde.

Deswegen brauchen sie noch ein wenig Nachhilfe. Und davon spricht das heutige Evangelium, das die Osterbotschaft praktisch werden lässt. Der Herr selbst übernimmt diese Nachhilfe.

Nachdem sie die ganze Nacht erfolglos waren, zeigt Er sich den Jüngern noch einmal – zunächst noch unerkannt und anders als im Abendmahlssaal.

Er gibt sich ihnen nicht zu erkennen, ist zunächst nur einer, der ihnen einen praktischen Tipp für einen erfolgreichen Fischfang gibt: das Netz auf der anderen Seite auszuwerfen. 

Ein verrückter Rat, denn es ist unmöglich am Tag etwas zu fangen, wenn die Fische sich wieder in größere Tiefen des Sees verzogen haben. Und ist es auch egal auf welcher Seite das Netz ausgeworfen wird 

Deswegen ist der Erfolg dieses merkwürdigen Ratschlages das Entscheidende. Das, was unmöglich scheint, wird möglich und erfolgreich. Als sie vor lauter Fischen das Netz kaum an Land ziehen können, erkennt Petrus, wer es ist, der ihnen den Ratschlag gab. Am Ende essen sie mit dem Herrn, schweigend und ohne Ihn zu fragen, wer er ist. Sie wissen es.

Sie haben viel gelernt in dieser erfolglosen Nacht. Sie haben gelernt, dass es nun das Gebot der Stunde ist, nicht zur Tagesordnung überzugehen. Sie haben gelernt, dass es künftig nötig sein wird, das Ungewöhnliche zu wagen und im Gehorsam zu handeln. Sie sollen nicht den Auferstandenen bestaunen, sie sollen tun, was Er sagt! 

Gerade jetzt, wo wir in der bedrückenden Ruhe leben, dass wir Ostern gefeiert haben, aber ansonsten noch in Ratlosigkeit leben, brauchen wir den Trost dieses heutigen Berichtes aus dem Johannesevangelium.

Denn wenn wir jetzt nach Ostern wieder in den Alltag eingetaucht sind, dann soll uns das Evangelium erinnern, was die Aufgabe eines Jüngers Christi ist: mit dem Auferstandenen zu rechnen und Ihm zu gehorchen, zu wissen, dass Er am Ufer des Sees auf uns wartet, dass Er da ist und deswegen nicht zur Tagesordnung überzugehen, sich nicht im Alltag zu verkriechen und den Glauben für den Sonntag aufzuheben. Nicht in die Geschäftigkeit zu fliehen, sondern sich den Dunkelheiten zu stellen, in dem Wissen, dass der Herr da ist – so wie jetzt, wo Er uns hier ans Ufer gerufen hat, um mit uns zusammen zu sein.

Wir müssen verstehen, dass wir nicht nur Jünger sind, sondern Apostel, deren Aufgabe es ist, das Netz auszuwerfen, auch wenn es sinnlos erscheint. Gerade in unseren Tagen eine wichtige Einsicht. Denn sie zeigt uns, dass auch jetzt, wo wir den Eindruck haben, die Welt sei in Nacht gehüllt, der Auferstandene bei uns ist und uns mahnen will, das Netz in den See zu senken – weil Er es will und weil es deswegen nicht ohne Erfolg sein wird.

Dr. Guido Rodheudt ist Pfarrer von St. Gertrud in Herzogenrath und Gründer des "Netzwerks katholischer Priester".

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