CNA Deutsch präsentiert die folgende Predigt zum bevorstehenden Zweiten Advent.

Wir alle wissen, dass der Advent eine Zeit des Wartens und der Hoffnung ist. Aber warten und hoffen worauf? Es fällt uns sehr leicht, „religiöse“ Antworten darauf zu geben: Warten auf Christus, auf das Reich Gottes, auf den Herrn, der kommt; Hoffnung auf Rettung, auf Erlösung, auf ewiges Leben, Hoffnung …

Durchaus sehr richtige Antworten, die jedoch Gefahr laufen, bei den Männern und Frauen unserer Zeit, die – wie es scheint – ganz andere Erwartungen haben, nichts auszulösen.

Sie warten auf das dreizehnte Monatsgehalt, sie warten auf den Schlussverkauf, sie warten darauf, dass es Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung gibt; sie hoffen, eine Arbeitsstelle zu finden, in Rente gehen zu können, im Lotto zu gewinnen oder Spaß zu haben …

So kommt es oft vor, dass wir eine Verkündigung bringen, die – wie man so sagt – „über die Köpfe der Menschen hinweggeht“: Wir reden über „hohe“ Dinge, aber die Leute stehen mit beiden Beinen auf dem Boden (was gut ist), halten den Blick gerichtet auf die Erde (was nicht immer gut ist) und sind mit der Stimmung am Boden (was definitiv schlecht ist).

Heute erklingen die Worte aus Jesaja 40,1-5: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht!“

Fragen wir uns, ob wir uns unserer Sendung bewusst sind, das Volk Gottes zu „trösten“. Wir sollten wirklich fähig werden, zu den Herzen der Menschen zu sprechen, den Weg zu finden, sie zu trösten, indem wir ihnen den Herrn vor Augen stellen, der als Hirt für uns, seine Herde, kommt. Ein Hirt, der einem jedem nahe kommt. Er trägt die Lämmer auf dem Arm und führt behutsam die Mutterschafe. Wir sollten fähig sein, die Menschen die Worte des Psalms 85 auskosten zu lassen: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen. Sein Heil ist uns nahe. Er bereitet ein Reich des Friedens: Groß ist der Trost der vom Herrn kommt!

Wir müssen uns fragen, ob unsere Verkündigung wirklich „zu den Herzen der Menschen spricht“, die uns hören, oder ob sie einfach etwas ist, „das bei einem Ohr hinein- und beim anderen wieder hinausgeht““

Eigentlich müssen wir über Folgendes nachdenken: Nur wer weint, kann getröstet werden. Nur wer sich bewusst ist, unfrei zu sein, kann Befreiung empfangen.

Es ist heute so schwer, über Gott zu sprechen, weil wir denken, ihn nicht zu brauchen. Wir suchen den Trost anderswo. Wir täuschen uns selbst und glauben, wir seien frei, weil wir unser Leben mit Dingen angefüllt haben, weil wir unsere Ohren mit Lärm gefüllt haben, bis hin zu dem Punkt, dass wir seine Stimme nicht mehr hören.

Deshalb verbindet sich das Thema Trost heute mit jenem der Wüste. Sowohl der Prophet Jesaja als auch Johannes der Täufer rufen in der Wüste und laden uns ein, in der Wüste den Weg des Herrn zu bereiten.

Wir müssen in die Wüste gehen, um dem Herrn den Weg zu bereiten, um seine Straßen zu ebnen. Die Wüste ist der Ort der Stille, an dem der Lärm schweigt und Gott sprechen und gehört werden kann. Die Wüste ist der Ort der Wesentlichkeit, an dem man sich vom Überflüssigen befreit, von den nutzlosen Dingen, die das Herz anfüllen, es täuschen und keinen Raum lassen für Gott. Die Wüste ist der Ort der Demut als dem Bewusstsein unserer Kleinheit, die es Gott ermöglicht, sich uns zuzuneigen. Die Wüste ist der Ort des Vertrauens auf die Verheißung des Herrn, der „ewig die Treue hält“.

Wir müssen in die Wüste gehen, um dem Herrn den Weg zu bereiten, seine Straßen zu ebnen. Versuchen wir, uns unsere eigenen Wüsten in der Stadt zu schaffen. Versuchen wir, die Fernseher, Radios, Computer und Handys für ein paar Stunden zum Schweigen zu bringen. Bitten wir um die Gnade, uns vom Lärm zu lösen, mit dem wir unsere Seele erfüllen.

Jesaja sagte uns, dass wir die Berge und Hügel senken und die Täler anheben müssen. Berge zu senken bedeutet, uns der nutzlosen Dinge zu entleeren. Täler zu heben heißt, uns mit Gott zu erfüllen. Der heilige Paulus bringt das Geheimnis des wirkungsvollen Trostes deutlich zum Ausdruck, wenn er sagt: „Gott tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden“ (2 Kor 1,4).

Füllen wir uns also selbst zuerst mit dem Trost Gottes, und so werden wir einen wirksamen Trost haben, den wir den anderen bringen können, und nicht nur schöne Worte – die dann über die Köpfe der Menschen hinweggehen – oder die gewohnten Predigten, die zu einem Ohr hinein- und zum anderen wieder hinausgehen.

Aldo Vendemiati ist Priester und Professor an der Philosophischen Fakultät der Päpstlichen Universität Urbaniana. Sein Blog findet sich HIER. Die Predigt wurde mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.