Redaktion - Freitag, 2. Januar 2026, 13:00 Uhr.
Bischof Stefan Oster SDB hat am Silvesterabend erläutert, „dass der fortwährende Aufenthalt auf der digitalen Oberfläche uns insgesamt nicht reifer macht, nicht beziehungsfähiger, nicht wahrhaftiger“.
„Eher im Gegenteil“, fuhr der Passauer Bischof fort. „Wir verlieren den konkreten Kontakt mit dem anderen, wir lernen nicht mehr, wie das geht, mit dem einzelnen Menschen wirklich Beziehung zu leben, das Herz zu öffnen, Konflikte zu bewältigen, tiefe Freude zu empfinden, Vertrauen aufzubauen, Verletzungen zu ertragen und so vieles mehr.“
„Das Smartphone, liebe Schwestern und Brüder, lehrt uns nicht lieben, das Smartphone ist herzlos – und wenn wir noch so viele Herzchen als Likes abgeben“, betonte Oster, der selbst die Medien gerne nutzt, um zu evangelisieren. „Das Smartphone zeigt uns zwar manchmal echte Menschen, echte Personen – und wir liken und haben Facebook-Freunde, aber alles das geschieht unter dem Schein von echter Beziehung.“
„Das Smartphone weckt auch massiv unsere Neugier“, ergänzte der Bischof. „Mit Google haben wir ja Zugang zu allem Wissen der Welt und darüber hinaus. Es erschließen sich scheinbar große Weiten und tiefe Geheimnisse.“
„Es sieht aus wie Transzendenz, als kämen wir wirklich über uns hinaus“, räumte er ein. „So wie uns manchmal die Liebe hingerissen sein lässt – über uns hinaus. Und doch ist es im Netz nur technologisch imitierte Transzendenz, Pseudotranszendenz. Alles verbleibt doch nur im Raum des Allgemeinen, des schnell Verfügbaren, am Ende ist es bloße Information, aber wohl niemals Weisheit, die durch Erfahrung, Einübung von Vertrauen und Liebe entsteht. Stimmt denn nicht mein Eindruck, dass mit dem Aufkommen der Sozialen Medien die Herzlosigkeit in der Gesellschaft zugenommen hat – und diese Medien uns eigentlich asozialer machen?“
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Auch die Künstliche Intelligenz (KI), die in den letzten Jahren auf dem Vormarsch ist, kritisierte Oster deutlich: „Pseudokreativität unter dem Schein von Kreativität. Es gibt nicht mehr den oft komplizierten, oft tiefen, oft schmerzvollen, oft leidenschaftlich-freudvollen Geburtsprozess eines Kunstwerks. In der KI geht niemand mehr mit einer Komposition oder einem Roman, den er in sich spürt, schwanger. Die KI eliminiert personale Herzensprozesse.“
Am Beispiel der Telefonseelsorge führte Oster aus: „Natürlich kann es sein, dass die Beratung der KI hilfreich ist, viele Menschen suchen das ja längst im Netz. Aber nirgendwo wird mehr von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz gesprochen. Das ‚cor ad cor loquitur‘ von Kardinal Newman, das so tief ins menschliche Leben hineingehört, entfällt. Ich frage mich: Erwachsen hier nicht einerseits unfassbare Möglichkeiten der Technologie – und zugleich die Gefahr, dass die tiefste Dimension der Menschlichkeit, das menschliche Herz, eliminiert wird?“
Sogar einen teuflischen Einfluss auf die KI schloss Oster nicht aus. Er sei überzeugt, „dass der Böse und das Böse die technologische Revolution für sich nutzen wird, so gut er kann, weil er genau das verhindern will, dass Christus auch in uns geboren wird“, so der Bischof. Vor diesem Hintergrund dürften Christen „KI nicht mehr werden lassen als ein bloßes technisches Instrument“, mahnte er.
„Ich bin überzeugt, dass eine der ganz großen Aufgaben der Kirche der Zukunft sein wird, so etwas wie Hüterin der unersetzbaren Kostbarkeit der menschlichen Person, der menschlichen Kreativität und vor allem des menschlichen Herzens zu sein“, schloss Oster seine Silvesterpredigt. „Machen wir uns auf dem Weg dazu, indem wir konkret einander begegnen – und dem Wort begegnen, das für uns Fleisch geworden ist.“





