Vatikanstadt - Sonntag, 4. Januar 2026, 12:15 Uhr.
Papst Leo XIV. hat beim Angelusgebet am Sonntagmittag auf die Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms am Dienstag vorausgeblickt, womit das Heilige Jahr 2025 offiziell zu Ende geht. Das von Papst Franziskus einberufene Heilige Jahr hatte das Thema Hoffnung in den Mittelpunkt gestellt. Leo erinnerte nun daran, „dass die Grundlage unserer Hoffnung die Menschwerdung Gottes ist“.
Die christliche Hoffnung beruhe „nicht auf optimistischen Voraussagen oder menschlichen Berechnungen“, so der Pontifex, „sondern auf Gottes Entscheidung, unseren Weg mit uns zusammen zu gehen, damit wir auf unserer Lebensreise nie allein sind“.
„Jesu Kommen in der Schwachheit des menschlichen Fleisches belebt einerseits unsere Hoffnung, überträgt uns andererseits jedoch eine doppelte Verpflichtung, eine gegenüber Gott und eine gegenüber den Menschen“, fuhr der Papst fort.
Gegenüber Gott bestehe diese Verpflichtung, „denn wenn er Mensch geworden ist, wenn er unsere menschliche Schwachheit zu seiner Wohnstätte erwählt hat, dann sind wir stets dazu aufgerufen, vom Fleisch Jesu her neu über Gott nachzudenken und nicht indem wir von einer abstrakten Lehre ausgehen“, erklärte er.
Vor diesem Hintergrund müsse man „stets unsere Spiritualität und die Formen, in denen wir unseren Glauben zum Ausdruck bringen, überprüfen, damit sie wirklich inkarniert sind, also dazu fähig, den Gott zu denken, anzurufen und zu verkünden, der uns in Jesus begegnet: nicht einen fernen Gott, der in einem perfekten Himmel über uns wohnt, sondern einen nahen Gott, der in unserer zerbrechlichen Welt wohnt, uns im Antlitz unserer Brüder und Schwestern begegnet und sich in den Situationen des täglichen Lebens offenbart“.
„Gegenüber den Menschen muss unser Engagement ebenso konsequent sein“, sagte Papst Leo weiter. „Wenn Gott einer von uns geworden ist, dann ist jedes menschliche Geschöpf sein Abbild, trägt es sein Bild in sich, bewahrt es einen Funken seines Lichts. Und dies erfordert von uns, die unverletzliche Würde jedes Menschen anzuerkennen und uns in gegenseitiger Liebe zu üben.“
„So verlangt die Menschwerdung von uns auch ein konkretes Engagement zur Förderung der Geschwisterlichkeit und der Gemeinschaft, damit die Solidarität zum Maßstab der menschlichen Beziehungen wird, ein konkretes Engagement für Gerechtigkeit und Frieden, für die Sorge um die Verwundbarsten und die Verteidigung der Schwachen“, betonte er. „Gott ist Mensch geworden, daher gibt es keine echte Verehrung Gottes ohne die Sorge um den Menschen aus Fleisch und Blut.“




