Langjähriger Vorgesetzter spricht über Papst Leo XIV. und den „Leo-Effekt“

Bischof Daniel Turley
Screenshot von YouTube

Der sogenannte „Leo-Effekt“ wirkt laut Bischof Daniel Turley, einem langjährigen Vorgesetzten des heutigen Papstes, weit über persönliche Sympathie hinaus. Er speise sich aus einer geistlichen Tiefe, die gerade junge Menschen anziehe.

In einem Interview mit der Tagespost schilderte der Direktor der Postulanten der Augustinerprovinz des Mittleren Westens in den USA, wie Verantwortung, Ausgewogenheit und augustinische Spiritualität das Wirken des heutigen Papstes prägten.

Kennengelernt habe er ihn schon früh: „Ich kannte ihn bereits, als er sich in der Ausbildung zum Augustiner befand. Er war 20 Jahre alt und hatte zeitliche Gelübde abgelegt.“

Bischof Turley beschrieb seine Beziehung zu Prevost als ungewöhnlich nah und zugleich von großem Respekt geprägt: „Ich bin eher ein lockerer Mensch, daher war ich nie nur sein Vorgesetzter, sondern auch ein guter Freund.“

Robert Prevost, so Turley, sei jemand gewesen, „mit dem man sehr gut zusammenleben und zusammenarbeiten konnte“, und weiter: „Wenn man ihm etwas gab oder ihn um etwas bat, wusste man, dass es erledigt werden würde.“

Besonders betonte er dessen Zuverlässigkeit: „Wenn er Ja sagte, wusste man, dass es gut gemacht werden würde, denn er ist seit seiner Jugend ein sehr verantwortungsbewusster Mensch.“

Zwei Monate habe man zusammengelebt, als Prevost an der Catholic Theological Union in Chicago studierte. Von dieser Zeit sei ihm besonders in Erinnerung geblieben, dass er „immer bereit war, sich hinzusetzen und über die Mission zu sprechen“. Turley fasst zusammen: „Er war und ist ein sehr verantwortungsbewusster Mensch, der das Gemeinschaftsleben liebt.“

Nach seinem Studium in Rom und seiner Priesterweihe schloss sich Prevost der Mission in Peru an, und zwar in einer Phase äußerster Not während der Folgen der extremen Regenfälle in Peru in den Jahren 1982/83.

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„Als Pater Robert nach Peru kam, traf er also in einer Zeit großer Not ein“, sagte Turley, fügte aber hinzu: „Er kam aber auch in einer Zeit großen Segens.“ Dieser habe darin bestanden, „dass er Menschen beim Aufbau und bei der Überwindung einer Krise helfen konnte. Und das tat er mit großer Liebe und Energie.“

Während Turley damals als lokaler Oberer des Augustinerordens in der Region Chulucanas tätig war, übernahm Prevost zentrale Aufgaben: „Ich war Vikar und bat ihn in dieser Funktion, sich um die jungen Augustiner in der Ausbildung zu kümmern, um die jungen Männer, die Interesse daran bekundeten, Augustiner zu werden.“

Zudem sei er wegen seines Doktortitels im Kirchenrecht als Professor sehr gefragt gewesen. „Daher unterrichtete er nicht nur Augustiner, sondern auch Diözesanpriester aus Trujillo und anderen Diözesen wie Chulucanas und Chimbote“, und zwar nicht nur in Kirchenrecht, sondern auch „in Moraltheologie und Patristik, da er über großes Wissen und eine große Liebe für die Kirchenväter verfügte“.

Geistlich habe ihn von Anfang an eine starke Sensibilität für soziale Fragen ausgezeichnet. Turley berichtete: „Er war sehr besorgt um die sozialen Aspekte der kirchlichen Lehre: die Sorge um die Armen und die Migranten und das Problem des Rassismus.“

Dass dies bis heute prägend sei, zeige sich im ersten päpstlichen Dokument: „Man muss sich nur sein erstes Dokument als Papst Leo XIV. ansehen: Dilexi te über die Liebe zu den Armen.“ Zugleich wies Turley auf die innere Ausgewogenheit des Papstes hin. „Eine seiner großen Gaben als Mensch und jetzt als Papst ist, dass er sehr ausgewogen ist.“

Er zählte auf: „Papst Leo liebt die Eucharistie und die Sakramente, er widmet sich der Kontemplation und dem Gebet, er hat eine große Verehrung für Maria, er liebt das Gemeinschaftsleben und die Lectio Divina, und er kümmert sich um die Armen und Schwachen.“

Auf die Frage nach dem „Leo-Effekt“ antwortete Turley: „Es gibt definitiv einen Leo-Effekt. Nun, noch vor dem Leo-Effekt gab und gibt es seit COVID einen Augustinus-Effekt. Die fünf Postulanten, die wir letztes Jahr hatten, kamen alle zu uns, weil sie mit den ‚Bekenntnissen‘ des heiligen Augustinus in Berührung gekommen waren. Einer der jungen Männer hatte Probleme mit Alkohol und Drogen gehabt. Es berührte ihn tief, dass der heilige Augustinus ebenfalls ein junger Mann gewesen war, der nach den Freuden des Lebens Ausschau hielt, aber auch ständig nach mehr auf der Suche war, oder wie es bei ihm heißt: ‚Geschaffen hast Du uns auf Dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.‘“

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