Kardinal Pizzaballa: Im Iran gibt es ein Verlangen nach Gerechtigkeit und Würde

Kardinal Pierbattista Pizzaballa OFM
Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa OFM, hat mit Blick auf die aktuellen Ereignisse im Iran friedliche Lösungen gefordert. Im Iran sehe er den Wunsch der Bevölkerung nach einem Leben in „Frieden, Gerechtigkeit und Würde“.

Am 28. Dezember 2025 kam es in der Hauptstadt Teheran zu Protesten der Iraner gegen die inflationsbedingten Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel wie Hühnerfleisch und Öl. Im Laufe der Tage haben sich die Demonstrationen auf mehr als 180 Städte ausgeweitet.

Diese Proteste gelten als die größten, mit denen die Islamische Republik seit ihrer Machtübernahme 1979 konfrontiert ist. Die Behörden reagierten jedoch mit einer Unterdrückung, die laut der in den Vereinigten Staaten ansässigen Nachrichtenagentur für Menschenrechtsaktivisten (HRANA) bislang mehr als 2.500 Todesopfer forderte.

In einer Stellungnahme gegenüber Vatican News sagte Kardinal Pizzaballa, er sehe in dem persischen Land „die Sehnsucht der gesamten iranischen Bevölkerung, aber auch von uns nach Frieden, Gerechtigkeit und Würde; und so sehr die Behörden und die Politik auch Grenzen ziehen wollen, gibt es immer eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf“, nämlich die Forderung der Bevölkerung nach einem Leben in Würde.

„Wo dies fehlt, kommt es früher oder später zu einer Explosion dieser Not; das ist es, was wir dort sehen. Ich hoffe, dass friedliche Lösungen gefunden werden, die nicht in Gewalt ausarten, aber sicherlich kann niemand das Verlangen nach Leben und Gerechtigkeit ignorieren, das ein wesentlicher Bestandteil des Bewusstseins jedes Menschen ist“, sagte er.

Der aus Italien stammtende Kardinal ging auch auf die Lage in Gaza ein. Er sagte, dass sich diese „nicht wesentlich verändert“ habe, denn obwohl es keinen Krieg mehr gebe, „gibt es immer noch gezielte Bombardierungen“.

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„Es gibt mehr Lebensmittel als zuvor, aber es mangelt an Medikamenten. Die Menschen sterben nicht nur an der Kälte, sondern auch an mangelnder medizinischer Versorgung […]. Alles ist weiterhin sehr ungewiss. Es gibt viel zu tun, aber es ist offensichtlich, dass die Lage weiterhin völlig zerstört ist“, betonte er.

Kardinal Pizzaballa erklärte, dass der Konflikt im Nahen Osten die Gläubigen des Patriarchats, das auch Jordanien umfasst, auf verschiedene Weise beeinflusst, wo der Krieg sowohl emotionale als auch wirtschaftliche Auswirkungen hat.

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Abschließend berichtete der Kardinal von seinen Erfahrungen beim jüngsten außerordentlichen Konsistorium. Er sagte, es habe eine „sehr positive Atmosphäre“ geherrscht. Das Kardinalstreffen sei wichtig gewesen, „weil es das erste Konsistorium seit langer Zeit war“.

„Die behandelten Themen brachten nichts Sensationelles hervor, aber das war auch nicht das Ziel. Das Ziel war es, einen Dialog zu beginnen, uns kennenzulernen und einige Methoden der Zusammenarbeit besser zu definieren“, erklärte er.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.