Augsburg - Montag, 5. Januar 2026, 10:45 Uhr.
„Ganz viele Menschen mit Gott in Berührung zu bringen“ – das sei seine Hoffnung für die MEHR-Konferenz, so deren Begründer Johannes Hartl. Mit seinem „Gebetshaus“ in Augsburg organisiert der promovierte Theologe und Vater von vier Kindern diese ökumenische Veranstaltung vom 3. bis 6. Januar 2026 bereits zum 14. Mal. Mehr als 11.000 Menschen nehmen zur Stunde daran teil.
Zum größten Teil kommen die Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber einige reisten auch von weiter her an: Costa Rica, Italien und Norwegen wurden bei der Auftaktveranstaltung am ersten Abend genannt.
Das Festival startete mit Gebet und Lobpreis. Die überkonfessionelle Veranstaltung bringt verschiedene christliche Kirchen zusammen und versucht offen zu sein für unterschiedliche Gebetsformen. Während am Sonntag und am Dreikönigstag Heilige Messen von Weihbischof Florian Wörner und Bischof Bertram Meier gefeiert wurden, kamen die Lobpreisbands eher aus dem evangelikalen Umfeld. Einem evangelischen Gottesdienst am Montag stand Landesbischof Tobias Pilz vor.
Das Gebet stehe im Zentrum der Konferenz und gehe über konfessionelle Grenzen hinweg, erklärte Hartl im exklusiven Interview mit CNA Deutsch und EWTN News: „Indem wir beten, singen und über Ihn sprechen – also wenn wir mit zehntausend Leuten unsere Aufmerksamkeit auf Ihn richten – dann kommt von Ihm etwas zurück, nämlich Seine Gegenwart, Seine Freude, Sein Friede.“
Nicht zuletzt deshalb ist das Motto der diesjährigen Konferenz auch „The Sound of Joy“, also „Der Klang der Freude“. Diesen besonderen Klang besser zu hören und zu erfassen, sei das Ziel der Veranstaltung.
„Uns erzählen oft Teilnehmer, dass sie unsere große Halle betreten und ihnen dabei dann die Augen aufgehen, sie bekommen neue Hoffnung, neue Perspektiven, Lebensfragen lösen sich. Das sind nicht wir, die das machen, das können wir nicht, sondern das kann nur Gott. Aber wir können Gott Raum geben“, so Hartl weiter.
Diese Freude erfuhr auch Katharina Achammer bei der Konferenz, die extra aus Salzburg anreiste. Sie besuchte die Veranstaltung bereits drei Mal zuvor und zeigt sich nach wie vor beeindruckt, wie Menschen mit unterschiedlichen Ausrichtungen im Glauben trotzdem gemeinsam auf Jesus blicken. „Wenn die Jugendlichen gemeinsam beten – das strahlt für mich einfach Freude aus“, so Achammer.
Auf die Frage, warum man die Konferenz so groß dimensioniere und so viele Leute in Augsburg zusammenbringe, unterstrich Hartl die besondere Kraft, die von Großveranstaltungen ausgehe: „Man sieht manches nur im Großen. Es ist toll, dass es die Fußballweltmeisterschaft gibt, auch wenn sie nicht das wöchentliche Training im lokalen Sportverein ersetzt. Manchmal braucht man die besonderen Erlebnisse.“
Auch die Bibel sei voll von großen Festen und in der Kirche werden große Ereignisse gefeiert wie etwa Weltjugendtage oder Heilige Jahre, so der Autor und Redner. „Wir zelebrieren ein großes Fest, weil Gott es wert ist, auf großzügige, auf schöne Weise gefeiert zu werden.“
Während gemeinsame Erfahrungen wichtig sind, möchte Hartl nicht nur auf Gefühle fokussieren. Zum wiederholten Male lädt er Theologen zu einem eigenen Programmpunkt während der Konferenz ein, um gemeinsam aktuelle theologische Fragestellungen zu reflektieren.
Warum ihm das wichtig ist? „Weil Ideen eine langfristige Wirkung entfalten.“ Was eine Gesellschaft langfristig für wahr halte, verändere ganz viel. Deshalb wolle er nicht nur Gefühle verbreiten, sondern auch Ideen prägen.
Ideen aus dem Gebetshaus in Augsburg werden indes auch in säkularen Medien in Deutschland diskutiert. Eine Dokumentation des Bayerischen Rundfunks (BR) nahm katholische Erneuerungsbewegungen unter die Lupe und unterstellte unter anderen auch Hartl und seinem Team, als „hippe Missionare“ „mit Jesus gegen die Freiheit“ zu stehen.
Auf die Einseitigkeit der Berichterstattung säkularer Medien angesprochen, relativierte Hartl: „Wir haben über die Jahre auch sehr viele positive Beiträge erhalten. Jetzt gab es einmal einen etwas kritischeren Bericht, aber wenn man hierher kommt und mit den Leuten spricht, die Atmosphäre aufnimmt, dann kann man für sich schon entscheiden, ob das jetzt eine dogmatisierende, angstbesessene, menschenfeindliche Kultur oder eine lebensbejahende, freudenvolle Kultur ist.“
Chris aus Köln findet die Atmosphäre toll. Er ist zum zweiten Mal auf der MEHR-Konferenz. Unbedingt wollte er den Autor John Eldredge live erleben. Dieser sprach über Resilienz und darüber, wie man es in der heutigen Zeit schafft, in der Gegenwart Gottes zu leben. Auch das Konzert der christlichen Band O’Bros am Sonntagabend ließ sich Chris nicht entgehen. Alleine für diese zwei Programmpunkte habe sich sein Besuch ausgezahlt.
Auch für jüngere Besucher gibt es ein eigenes „MEHRkids“-Programm mit viel Spiel, Spaß und altersgerechter Glaubensvermittlung. Der achtjährige Tobias, der mit seinen Eltern aus Italien anreiste, mochte vor allem das Trampolinspringen. „Wir haben auch darüber gesprochen, wie wir Gott begegnen können“, so Tobias. Die Workshops danach interessierten ihn weniger, aber Spaß hatte er schon. Beim nächsten Mal, wolle er unbedingt wieder dabei sein.
Für mehr als 11.000 Teilnehmer Raum für eine Gottesbegegnung schaffen – kein einfaches Ziel, dass sich Hartl und sein Team regelmäßig für ihr Fest am Jahresanfang vornehmen. Zumindest der Freudenklang tönt ganz dem Konferenzmotto entsprechend durch die prall gefüllten Hallen der Augsburger Messe.







