Der Papst in Bangui: Einheit, Würde, Arbeit für ein neues Land

Papst Franziskus predigt in Bangui am 29. November 2015
CNA/Martha Calderon

Es gibt keine Bilder von der Ankunft des Papstes am Flughafen von Bangui. In Zentralafrika gibt es nicht einmal Elektrizität. Die Fernsehkameras kommen aus Südafrika, dank Eurovision. Franziskus ist um 10.15 Uhr gelandet. Am Fuß der Gangway des Flugzeugs wird der Papst von der Präsidentin ad interim, Catherine Samba-Panza, und einem Mädchen, das ihm Blumen überreicht, empfangen.

Danach begibt er sich – auf zu diesem Anlass neu asphaltierten Straßen – zum Präsidentenpalast “de la Renaissance”. Während des privaten Treffens zwischen dem Papst und der Präsidentin findet gleichzeitig die Begegnung der vatikanischen Delegation mit dem Premierminister Mahamat Kamoun statt. Im Anschluss das Treffen mit der Führungsschicht und dem diplomatischen Corps im Konferenzsaal. Auch hiervon gibt es keine Bilder.

Entlang des Weges stehen viele Menschen, die sicher waren, dass der Papst kommen würde; die sich gar nicht vorstellen konnten, dass er nicht kommen würde, die mit eigenen Kräften alles, was sie konnten, wieder in Ordnung gebracht haben; die entschlossen waren, wenigstens zwei Tage lang in Frieden zu leben. Die Männer der vatikanischen Gendarmerie in kugelsicheren Westen zu erblicken erscheint gar nicht so schrecklich, wenn man die Freude in den Augen der Leute von Bangui sieht.

“Ich komme als Pilger des Friedens, als Apostel der Hoffnung. Deshalb freut es mich, die Anstrengungen zu würdigen, die verschiedene nationalen und internationalen Behörden unternommenen haben, um das Land in dieser Phase zu leiten – angefangen bei der Frau Präsidentin der Übergangsregierung. Mein inniger Wunsch ist es, dass die verschiedenen nationalen Konsultationen, die in wenigen Wochen stattfinden, dem Land erlauben werden, unbeschwert einen neuen Abschnitt seiner Geschichte zu beginnen.”

Das war es, was die Bürger der Zentralafrikanischen Republik hören wollten, zusammen mit den Worten, die den Traum der Gründerväter aufgreifen: Einheit, Würde, Arbeit.

Einheit als “Grundwert für die Harmonie der Völker”, wobei man die Versuchung “der Angst vor dem anderen, der Angst vor dem, was uns nicht vertraut ist, vor dem, was nicht Teil unserer Ethnie, unserer politischen Optionen oder unseres religiösen Bekenntnisses ist vermeiden muss.” Einheit in der Vielfalt. Und somit Würde, als “moralischer Wert, der Synonym für Rechtschaffenheit, Loyalität, Gnade und Ehre ist und durch den sich jene Männer und Frauen auszeichnen, die sich ihrer Rechte und auch ihrer Pflichten bewusst sind, was sie zu gegenseitiger Achtung führt.”

Zur Würde der menschlichen Person sagt der Papst: “Wer die Mittel zu einem menschenwürdigen Leben besitzt, soll nicht um seine Privilegien besorgt sein, sondern stattdessen versuchen, den Armen zu helfen, damit auch sie Lebensbedingungen erlangen, die der menschlichen Würde entsprechen, besonders indem sie ihr menschliches, kulturelles, wirtschaftliches und soziales Potenzial entfalten.”

Und schließlich: Arbeit. In einem Land, das reich ist an biologischer Vielfalt, lenkt der Papst die Aufmerksamkeit “aller, der Bürger, der Verantwortlichen des Landes, der internationalen Partner und multinationalen Gesellschaften auf die große Verantwortung die sie in der Nutzung der Umweltressourcen, sowie bei Entscheidungen und Entwicklungsplänen tragen; eine Verantwortung, die auf die eine oder andere Weise Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat.”

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Der Papst bedient sich eines örtlichen Sprichworts, um daran zu erinnern, dass die öffentlichen Verantwortungsträger “die Ersten sein müssten, die die Werte der Einheit, Würde und Arbeit in ihrem Leben kohärent verkörpern, um Vorbilder für ihre Mitbürger zu sein”.

Der Papst erinnert an den Einsatz der Kirche und erklärt: “Ich bekräftige erneut die Bereitschaft dieser Teilkirche, immer mehr zur Förderung des Gemeinwohls beizutragen, vor allem durch die Bemühung um Frieden und Versöhnung. Ich zweifle daher nicht daran, dass die derzeitigen und künftigen zentralafrikanischen Verantwortungsträger sich beständig darum bemühen werden, der Kirche günstige Bedingungen für die Ausführung ihrer geistlichen Mission zu gewährleisten.”

Am Schluss steht die Würdigung “der Anstrengungen, welche die internationale Gemeinschaft unternommen hat, die hier durch das Diplomatische Corps und Mitglieder verschiedener Delegationen internationaler Organisationen vertreten ist. Ich ermutige sie nachdrücklich, auf dem Weg der Solidarität immer weiter voranzugehen, und wünsche, dass ihr Einsatz, vereint mit dem Wirken der zentralafrikanischen Behörden, dem Land zu weiteren Fortschritten verhilft, besonders in der Versöhnung, der Abrüstung, der Aufrechterhaltung des Friedens, im Gesundheitswesen und in der Kultur einer gesunden Verwaltung auf allen Ebenen".

Der Wunsch des Papstes ist, “dass das zentralafrikanische Volk, sowie seine Leiter und all seine Partner, den wahren Wert dieser Wohltaten zu schätzen wissen und unermüdlich für die Einheit, die Menschenwürde und einen auf Gerechtigkeit gegründeten Frieden arbeiten! Gott segne Euch alle! Danke!”

Catherine Samba-Panza hat ihrerseits dem Papst in einer langen Ansprache gedankt für die Ermutigung zu einem Prozess der Normalisierung, zu dem auch die Präsidentschaftswahlen gehören werden. Sie sprach von einem Weg der Versöhnung, der auf der starken Spiritualität des Volkes gründet, um zu einem Land ohne Spaltungen und Hass zu gelangen.

Anschließend besucht der Papst Flüchtlingslager von Saint Sauveur, das einer Pfarrei angegliedert ist.

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