Angesichts der Pläne der Regierung von Israel, ab Juli 2020 Teile der West Bank zu annektieren, haben Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg sowie Weihbischof Udo Bentz von Mainz die deutsche Bundesregierung sowie die Staaten der Europäischen Union aufgefordert, politisch aktiv zu werden.

Bischöfe und Patriarchen der Kirchen im Heiligen Land und weitere Würdenträger haben vor der geplanten Annexion von Teilen des Westjordanlandes durch Israel gewarnt, darunter der Apostolische Administrator des Lateinischen Patriarchates, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa sowie dem Kustos des Heiligen Landes, Pater Francesco Patton – sowie elf weitere Patriarchen und Würdenträgern.

Viele Bischöfe aus der Region setzten ihre Hoffnung auf die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Von ihnen werde erwartet, alle politischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Regierung Israels von Annexionsplänen abzubringen, die auch die europäischen Staaten als völkerrechtswidrig beurteilten, betonten laut einer Pressemitteilung der deutschen Bischofskonferenz am 19. Juni die deutschen Hirten.

Die beiden Bischöfe bekräftigen ihre Solidarität mit den Patriarchen und Kirchenführern Jerusalems.

(Erzbischof Schick ist der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der deutschen Bischofskonferenz, und Weihbischof Bentz der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten.)

Kirchen – und Christen – direkt betroffen


Auch der britische Bischof Declan Lang, Vorsitzender der Abteilung für internationale Angelegenheiten der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales, bekräftigte die Warnung mit Blick auf das Westjordanland am 13. Mai: Die katholische Kirche in England und Wales spreche sich klar gegen diesen Schritt aus, meldete "The Catholic Universe".

Weihbischof Bentz zeigte sich beunruhigt angesichts der Ankündigung Israels, jene Teile des Nahost-Plans der USA, die eine Annexion von weiten Teilen des Westjordanlandes betreffen, unilateral umzusetzen: "Die Konsequenzen, die aus einem solchen einseitigen Schritt der israelischen Regierung für die ganze Region erwachsen, besorgen mich zutiefst."

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"Ich appelliere an die Bundesregierung, sich weiterhin mit allem Nachdruck für eine Einhaltung völkerrechtlich verbindlicher Abkommen sowie der entsprechenden UN-Resolutionen einzusetzen."

Weihbischof Bentz wies auch darauf hin, dass auch der Heilige Stuhl erst jüngst wieder die Achtung vor dem internationalen Recht als unverzichtbare Voraussetzung dafür bezeichnet hat, dass beide Völker Seite an Seite in zwei Staaten, deren Grenzen vor 1967 international anerkannt wurden, leben können.

Erzbischof Schick berichtete von großer Anspannung und Unsicherheit, die sich im Heiligen Land auch in den Kirchen ausbreiteten.

"Ich teile die große Sorge vor einer weiteren Destabilisierung der Region sowie auch die Überzeugung, dass auf diese Weise neue Hürden für einen gerechten Frieden zwischen den Parteien errichtet werden. Die Gefahr, dass eine Zweistaatenlösung außer Sichtweise gerät, wächst damit erheblich", erklärt Erzbischof Schick. 

Erzbischof Schick und Weihbischof Bentz wiesen gemeinsam auf die Situation der Christen hin. Sollte Israel sein Vorhaben wie geplant ab dem 1. Juli 2020 umsetzen, drohten die arabischen Christen in der Region einmal mehr zwischen die Fronten zu geraten.

"Sie werden in einer Konfrontation, die auch mehr und mehr religiös aufgeladen wird, kaum noch die Chance haben, vermittelnde Positionen zur Geltung zu bringen. Stattdessen werden radikale Kräfte auf allen Seiten gestärkt. Das ist nicht unser Interesse als Christen; letztlich kann es in niemandes Interesse sein."

"Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann ein umfassender, gerechter und dauerhafter Friede in diesem Teil der Welt aufgebaut werden, den die abrahamitischen Glaubensgemeinschaften heilig halten", so Erzbischof Schick.

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