1.096 Tage in der Gefangenschaft von Boko Haram

Pastor Gideon Para-Mallam am dritten Jahrestag der Gefangenschaft: "Brecht die Mauern des Schweigens und fordert die Freilassung von Leah Sharibu!"

Präsident Muhammadu Buhari von Nigeria
Foto: Chatham House CC 2.0
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Leah Sharibu wurde im Alter von 14 Jahren entführt: Am 19. Februar 2018 kidnappte der Islamische Staat in Westafrika (ISWAP) die junge Christin zusammen mit über 100 weiteren Mädchen.

Sharibu ist seitdem in den Händen der Dschihadisten, die nach Einschätzung des USCRIF eine Fraktion der radikal-islamischen Organisation "Boko Haram" bilden.

Am dritten Jahrestag ihrer Gefangenschaft hat der Erzbischof von Lagos das Staatsoberhaupt des Landes aufgefordert, "alles in seiner Macht Stehende zu tun, ihre Freilassung sicherzustellen."

In einer Erklärung des Direktors für soziale Kommunikation der Erzdiözese Lagos, Pater Anthony Godonu, vom 20. Februar sagt Erzbischof Alfred Adewale Martins, es sei traurig", dass das nigerianische Schulmädchen immer noch festgehalten wird, drei Jahre nachdem sie von Boko Haram entführt wurde.

Erzbischof Adewale fordert Präsident Muhammadu Buhari auf, "als Oberbefehlshaber der nigerianischen Streitkräfte, von dem alle anderen Sicherheitsbehörden ihre Befehle erhalten, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um ihre Freilassung sicherzustellen."

Zum Jahrestag sprach Maria Lozano vom Hilfswerk Kirche in Not (ACN) mit dem protestantischen Pastor Gideon Para-Mallam, der in Kontakt mit Leahs Familie steht. Er betonte: "Es ist unglaublich, aber bis heute hat Leah Sharibu 1.096 Tage in der Gefangenschaft von Boko Haram verbracht" – und rief dazu auf, "über die Grenzen hinweg zusammenkommen und handeln, um Leah zu befreien".

Wie geht es Leah? Was wissen wir?

Einige Aspekte der Nachrichten, die ich im November über Leah erhalten habe, sind beunruhigend, aber ich möchte hier nicht ins Detail gehen. Es gibt ja auch keine Möglichkeit, diese Nachrichten zu verifizieren. Aber es bedarf der Gebete und gezielter gemeinsamer Bemühungen, sowohl vor Ort als auch international, ihre Freilassung zum frühestmöglichen Zeitpunkt sicherzustellen. Die gute Nachricht ist jedoch: Leah ist noch am Leben, und das ist bis jetzt die ermutigendste Nachricht über sie. 

Unter welchen Umständen verschwand Leah, und wann haben Sie sie das letzte Mal von ihr gehört?

Leah wurde zuletzt Ende Januar 2018 von ihrer Mutter Rebecca gesehen, als sie das staatliche Internat in Dapchi besuchte. Das liegt im Yobe State im Nordosten [Nigerias]. Der Bundesstaat Yobe gilt als Geburtsort von Boko Haram und ist nun zusammen mit dem Bundesstaat Borno ein Zentrum ihrer Operationen. Seit dem 19. Februar 2018, als ISWAP (Islamischer Staat in der Provinz Westafrika) in die Schule eindrang und 110 Mädchen zusammen mit Leah entführte, wurde sie von keinem ihrer Elternteile mehr gesehen. Einen Monat später, am 20. März 2018, als alle 110 Mädchen freigelassen wurden, wurde Leah festgehalten, weil sie sich weigerte, ihrem Glauben an Christus abzuschwören. Die letzten Menschen, die Leah sahen, waren ihre Klassenkameraden. Im September 2018 tauchte ein Video auf, in dem Leah für ihre Freilassung aus der Gefangenschaft appellierte. Das war das letzte, was wir jemals direkt von ihr gehört haben.

Aber letztes Jahr gab es wieder Neuigkeiten über Leah?

Im Januar 2020 überbrachte ein von ISWAP Entführter und später Freigelassener eine Nachricht von einem der Gefangenen, der mit Leah Kontakt hat. Ein Teil des Inhalts der Botschaft kann im Moment nicht veröffentlicht werden. Wir werden sie zu der besten Zeit, die der Herr zulässt, teilen.     

Wissen wir, wo Leah ist?

Es ist schwierig, genau zu wissen, wo sie sich jetzt befindet. Soweit wir wissen, halten die Terroristen ihre Gefangenen nicht an einem Ort fest, sondern bringen sie von einem Ort zum anderen. Es ist also schwierig, genau oder mit Sicherheit zu sagen, wo sich Leah jetzt befinden könnte. Manchmal hören wir, dass sie in der Tschadsee-Region ist, ein anderes Mal in der Republik Niger oder im Tschad. Denken Sie daran, dass ihre Entführer Ende Oktober 2018 erklärten, dass Leah und andere, wie Alice Ngaddah (die UNICEF-Mitarbeiterin und Mutter von zwei Kindern, die am 1. März 2018 entführt wurde), Sklaven auf Lebenszeit sein würden. Sie wurden anschließend mit einigen der Befehlshaber verheiratet. 

Einige Medienberichte sprachen von Leahs Übertritt zum Islam. Wurde etwas bewiesen oder ist das nur Spekulation?

Ja, das stimmt, das Gerücht gab es schon seit einiger Zeit, und ein Augenzeuge bestätigte mir dieses Gerücht privat. Aber ich stellte eine einfache Frage: Wäre dies eine freiwillige oder erzwungene Konversion? Würde eine erzwungene Konvertierung zum Islam in der Gefangenschaft als eine freiwillige Konvertierung angesehen werden? Vergessen Sie nicht, dass Leah in erster Linie zurückgehalten wurde, weil sie sich im jungen Alter von 14 Jahren entschied, ihrer christlichen Überzeugung treu zu bleiben. Was für eine Heldin des christlichen Glaubens diese Leah ist! Lasst uns für sie beten, dass sie in ihrem Glauben an Christus standhaft bleibt, auch in dieser dunklen Stunde, in der die Prüfung ihres Glaubens an Grenzen stößt, die selbst für Erwachsene nicht leicht zu bewältigen sind.

Wie geht es der Familie der Entführten?

Erst heute [17. Februar 2021 Anm.d.R.] habe ich wieder mit Leahs Eltern gesprochen. Das machen wir ab und zu. Sie sind nach wie vor voller Zuversicht, dass sie Leah eines Tages wiedersehen werden, aber sie leiden auch sehr. Den letzten Anruf von Leah haben sie im Oktober 2018 erhalten. Leahs Vater, Nathan Sharibu, sagte: "Wir bleiben hoffnungsvoll, dass Leah eines Tages frei sein wird." Ihre Mutter, Rebecca Sharibu, sagte: "Die Zeit ist in Gottes Hand und durch seine Gnade werden wir Leah eines Tages sehen." Zu ihren Gebeten, sage ich Amen! Persönlich bete ich für Leah und andere wie Alice Ngaddah, Grace Tuka, Lillian Daniel Gyang, Pastor Lawrence Zongo und zwei andere Frauen – allesamt Christen – sowie für mehrere unbekannte Gefangene. 

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