Arabien-Bischof Hinder erwartet von Papstreise nach Bahrain Fortschritte im Dialog

Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar für Nordarabien
Foto: Kirche in Not
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Bischof Paul Hinder, Apostolischer Administrator von Nordarabien, sieht den bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus in Bahrain als Fortsetzung der Dialogbemühungen mit der islamischen Welt: „Es gibt eine Kontinuität in den Zielen seit seiner Reise nach Abu Dhabi [im Februar 2019; d. Red.]: Eine Plattform zu finden, auf der wir konstruktiv und positiv im Gespräch bleiben können, ohne unsere Überzeugungen in Frage zu stellen“, sagte Bischof Hinder bei einem Pressegespräch des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN).

„Der Dialog ist nicht einfach“

Papst Franziskus wird von 3. bis 6. November den Golfstaat Bahrain besuchen. Er wird dabei mit der christlichen Minderheit auf der arabischen Halbinsel zusammentreffen, aber auch am „Bahrain Forum for Dialogue“ teilnehmen. „Der Dialog ist nicht einfach“, erklärte Bischof Hinder.

Es sei schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden: „Niemand ist an einer Synthese interessiert, die halb muslimisch, halb christlich wäre. Wir wollen unseren Traditionen treu bleiben, aber wir können mehr tun, um wichtige Fragen anzugehen, die die gesamte Menschheit betreffen“, sagte Hinder. Er sei der Ansicht, dass „die Welt in Gefahr ist, wenn Christentum und Islam nicht zu irgendeiner Verständigung finden“. Papst Franziskus werde nicht müde „Brücken zu bauen, wo die Menschen nicht mehr miteinander reden.“

Moderater Kurs der Toleranz gegenüber Christen

Laut Bischof Hinder leben etwa 80 000 Katholiken in Bahrain, das sind knapp fünf Prozent der Bevölkerung. Die meisten von ihnen seien Wanderarbeiter aus Ländern wie Indien, Sri Lanka oder den Philippinen – viele bitterarm und in prekären Verhältnissen. Trotz der geringen Zahl einheimischer Katholiken werden zum Gottesdienst mit Papst Franziskus am kommenden Samstag 28 0000 Gläubige im Nationalstadion Bahrain erwartet. Es reisten viele Katholiken aus den Nachbarländern an, „darunter auch mindestens zweitausend aus Saudi-Arabien“, betonte Hinder.

Saudi-Arabien gilt als eines der Länder weltweit, in denen Christen und andere religiöse Minderheiten keine Religionsfreiheit genießen. In Bahrain haben Christen, die zumeist nicht die Staatsbürgerschaft besitzen, mehr Freiheiten. Dennoch ist auch dort der Islam Staatsreligion und Konvertiten zum Christentum sind Beobachtern zufolge Schwierigkeiten ausgesetzt. Konflikte gibt es auch innerhalb der islamischen Strömungen: Die Mehrheit der Bevölkerung ist schiitisch, das Könighaus jedoch sunnitisch. In der Vergangenheit wurde immer wieder von Druck auf schiitische Gemeinschaften berichtet, bei dem sich politische und religiöse Motive vermischen.

„Bahrain hat Brückenfunktion zwischen Saudi-Arabien und Iran“

Dennoch pflegt die führende Schicht in Bahrain gegenüber Christen einen Kurs der Toleranz: So stellte König Hamad bin Isa Al Chalifa Land für den Bau der Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ in Awali zu Verfügung, die größte christliche Kirche in der Golfregion. „Kirche in Not“ hatte den Bau unterstützt. Christen in Bahrain machten zahlreich von ihren Freiheiten Gebrauch; die Gottesdienste seien meist überfüllt, betonte Hinder.

An diese Erfahrung knüpfte der Bischof noch eine weitere Erwartung an den Papstbesuch: „Bahrain liegt religiös und ideologisch zwischen den beiden Großmächten Saudi-Arabien und Iran. Bahrain kann eine besondere Rolle als Brückenbauer spielen. Ich hoffe, Papst Franziskus wird das Land ermutigen dieser Rolle treu zu bleiben.“