Aus diesem europäischen Land gibt es einen "verborgenen Exodus" der Christen

Kardinal warnt: Christen verlassen Bosnien-Herzegowina – während sich der radikale Islam ausbreitet

Sarajewo
Foto: Terekhova / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)
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Einen "verborgenen Exodus" der Christen aus Bosnien beklagt der Erzbischof von Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic. Aufgrund der schwierigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation verlassen diese das Land - indessen breitet sich der radikale Islam aus, so der Oberhirte.

Bosnien-Herzegowina litt Anfang der 1990er Jahre unter einem blutigen Krieg, der das damalige Jugoslawien zerteilte, mehr als 97.000 Menschenleben forderte und Ursache der Flucht von rund zwei Millionen Menschen war. 

Der Grund der Auseinandersetzungen zwischen Bosniaken (mehrheitlich Muslime), Serben (mehrheitlich orthodoxe Christen) und Kroaten (mehrheitlich Katholiken) waren hauptsächlich ethnischer und religiöser Art gewesen. Obwohl die Gewalt nach dem 1995 unterzeichneten Friedensvertrag abgenommen hat, prägen Spannungen und Spaltungen immer noch die Gesamtlage. Das Land befindet sich zudem in einer wirtschaftlich schwierigen Situation.

Kardinal Puljic sagte gegenüber der Päpstlichen Stiftung Kirche in Not, Bosnien und Herzegowina sei in Europa eines der Einfallstore für den radikalen Islam, der sich sehr schnell auf dem alten Kontinent ausbreite.

Auf die Frage nach den Ursachen des "heimlichen Exodus" der Christen antwortete der Kardinal im Gespräch mit ACI Stampa, der italienischen CNA-Ausgabe, dass dieser geschehe, weil "wir eine Minderheit sind."

"Der Dayton-Vertrag (der 1995 unterzeichnet wurde und dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien ein Ende setzte) verleiht nicht allen Bürgern Bosniens und Herzegowinas Gleichheit. Die Medien sind hart und viele Jugendliche gehen, weil sie dieses Klimas müde sind, in dem auf beiden Seiten Druck gemacht wird, sowohl auf serbischer als auch auf kroatischer Seite."

Der Kardinal bedauerte auch, dass "die Politiker sich nicht für alle einsetzen. Diejenigen, die gewählt werden, arbeiten nur für ihre Wähler."

Daher "ist es nötig, einen Staat zu schaffen, in dem die gewählten Politiker sich für alle Bürger stark machen, aber vor allem dafür, auf rechtlicher Ebene Gleichheit zu schaffen. Eine Gleichheit, die auf den Menschenrechten beruht und erlaubt, die nationale und kulturelle Identität des Landes zu bewahren und die Religionsfreiheit zu achten.

Kardinal Puljic erklärte: "Unsere Katholiken haben ein großes Problem. Wir tun unser Möglichstes, auf karitativer Ebene, auf pastoraler Ebene und auch auf praktischer Ebene. Unsere katholischen Schulen, die ein hohes Niveau aufweisen, sind nicht nur für Katholiken: Jeder kann sich dort anmelden. Ebenso arbeiten wir an vielen Projekten, mit jungen Leuten, mit Familien."

"Wir haben aber immer noch ein Problem mit der Regierung hinsichtlich der Rückgabe des kirchlichen Eigentums. Nach der Verstaatlichung ist die Zurückerstattung schwierig."

Am Ende bedauerte der Erzbischof von Sarajewo sagen zu müssen, dass sich nach dem Besuch von Papst Franziskus im Land im Juni 2015 "praktisch nichts geändert hat."

Andrea Gagliarducci und Susanne Finner trugen zur Berichterstattung bei.

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