Trotz Ablehnung Söders: Bayerns Bischöfe fordern Ausnahme-Regelung für Christmetten

"Grund dafür ist nicht nur die Wichtigkeit des Weihnachtsfestes und das seelische Wohl der Menschen – sondern auch, dass damit das Infektionsrisiko gesenkt werden kann"

Sankt Peter und Paul in Oberstaufen (Bayern)
Foto: Pixabay / runeuk

Bayerns Bischöfe haben gemeinsam, aber bislang erfolglos auf die Ankündigung der Staatsregierung reagiert, dass aufgrund der am Mitwoch in Kraft tretenden neuen Ausgangssperre keine Christmette nach 21 Uhr gefeiert werden soll.

Ministerpräsident Markus Söder hat die Forderung, eine Ausnahme für den Heiligen Abend zu machen, am 15. Dezember noch einmal klar abgelehnt. "Es wird keine Sonderregelung geben: für Familien nicht und für Kirchen nicht", so der CSU-Politiker laut Bayerischem Rundfunk (BR).

Die Bischöfe sehen das – wie viele Gläubige – anders: Grund für ihren Appell ist nicht nur die Wichtigkeit des Weihnachtsfestes, die urbayerische Tradition der Christmette und das seelische Wohl der Menschen, sondern auch, dass mit einer solchen Ausnahme damit das Infektionsrisiko gesenkt werden könnte.

Die Bischöfe von München und Freising, Bamberg, Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg und Würzburg hatten in einer Telefonkonferenz am Vormittag des heutigen Dienstags dazu einen "intensiven Austausch", teilten die Bistümer des Freistaats mit, die auch in der Freisinger Bischofskonferenz verbunden sind.

Gemeinsam erklärten der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, der Augsburger Bischof Bertram Meier, der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke OSB, der Passauer Bischof Stefan Oster SDB, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Würzburger Bischof Franz Jung: "In Anbetracht der Entwicklungen haben in allen Diözesen die Pfarreien Konzepte entwickelt, die im Rahmen des beschränkten Platzangebotes vielen Gläubigen ermöglichen, eine weihnachtliche Liturgie an Heiligabend mitzufeiern."

"Ernst der Lage voll bewußt" 

Nachdem die vielen Helfer – Ehrenamtliche wie Angestellte – in den Pfarreien vorbereitet sind, strenge Hygienekonzepte gelten, persönliche Platzkarten – "gegebenfalls auch fälschungssicher" – ausgegeben sind und "das Gottesdienstangebot über den ganzen Nachmittag und Abend erheblich erweitert und somit entzerrt ist, trifft die Ausgangssperre ab 21.00 Uhr alle Beteiligten hart.

"Die zeitliche Ausweitung der Gottesdienste über den ganzen Abend würde das Infektionsrisiko nach Auffassung der Bischöfe mindern im Gegensatz zu einer Verdichtung in der Zeit vor 19.30 Uhr."

"Der Besuch der Christmette trägt zudem mit der religiösen Stärkung erheblich zur seelischen Gesundheit und Stabilisierung der Menschen in dieser Krisenzeit bei."

"Den bayerischen Bischöfen ist der Ernst der Lage voll bewusst und alle gemeinsam unterstreichen ihr Anliegen, für die von der Staatsregierung erbetene Ausnahme von der Ausgangsbeschränkung alles daranzusetzen, dass von den Weihnachtsgottesdiensten kein erhöhtes Infektionsrisiko ausgehen darf."

Die Bischöfe sind sich einig, so die Stellungnahme, "dass am Heiligen Abend so viele Gottesdienste wie möglich gefeiert werden sollen, und haben dringend darum gebeten, dass diese schmerzhafte Entscheidung der Ausgangssperre an Heilig Abend eine einzige Ausnahme erfahren kann".

In der heute Mittag veröffentlichten Stelllungnahme erinnerten die bayerischen Hirten auch daran, dass die Christmette traditionell eigentlich eine Mitternachtsmesse ist. Sie "gehört gerade in Bayern zu den wichtigsten Gottesdiensten des Jahres. In den meisten Pfarreien beginnt sie am späten Abend um 22.00 Uhr oder 22.30 Uhr".

Zuletzt aktualisiert am 15. Dezember um 17:29 Uhr

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