Brückenbauer Philippe Jourdan: Eine Begegnung mit dem einzigen Bischof in Estland

Bishof Philippe Jourdan
Foto: Rene Riisalu via Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Der einzige Bischof in Estland schreibt Geschichte.

Bischof Philippe Jourdan leitet die katholische Kirche in Estland, das als das am wenigsten religiöse Land in Europa gilt. Eingebettet zwischen Russland und Lettland hat das kleine Land eine Bevölkerung von etwas mehr als 1 Million. Davon identifizieren sich schätzungsweise 6.000 Bürger - etwa 0,6 % der Bevölkerung - als katholisch.

Das liegt auch daran, dass die Religion während der Sowjetherrschaft in den 1940er Jahren fast aus Estland verschwunden war. Dennoch erwarten katholische Führer einen Wandel für Estland - einen Wandel, der durch den Besuch von Papst Franziskus im Jahr 2018 ausgelöst wurde. Bischof Jourdan, der Apostolische Administrator von Estland, betonte die Bedeutung des Papstbesuches.

Papst Franziskus habe ein "besonderes Talent, das Herz auch von Menschen zu berühren, die sehr weit weg sind", sagte er am 11. Juni gegenüber EWTN News In Depth.

"Für viele Menschen - für den durchschnittlichen Esten - ist die katholische Kirche, besonders der Papst, jetzt etwas, das ihnen näher ist", sagte er.

Bischof Jourdan ist ein Teil des Wandels im Land und der Hoffnung für die Kirche in Estland. Geboren in Dax, Frankreich, interessierte er sich schon als Kind sowohl für die Wissenschaft als auch für den Glauben. Das führte ihn dazu, als Student Bauingenieurwesen zu studieren. Glaube und Wissenschaft, so sagte er, ergänzen sich gegenseitig.

"Ich hatte nie Angst, die Wissenschaft mit dem Licht des Glaubens oder den Glauben mit dem Licht der Wissenschaft zu konfrontieren", sagte er. "Die Wissenschaft stärkt nun wirklich unseren Glauben, weil sie uns hilft, zu entdecken, mehr zu staunen angesichts der Realität."

Aber selbst als er Wissenschaft studierte, begegnete er einem "Gefühl, eine Berufung zu haben, eine übernatürliche Berufung" und der "inneren Überzeugung, dass Gott etwas anderes von mir verlangt."

Es war eine Überzeugung, der er folgte. Nach seinem Abschluss wurde ihm ein Job bei IBM angeboten. Er lehnte ab.

"Sie waren sehr überrascht, dass jemand 'nein' sagt", erinnerte er sich. "Danach ging ich nach Rom, um zu studieren."

1988 wurde er zum Priester des Opus Dei geweiht, und in den 1990er Jahren ging er nach Estland. Der dortige apostolische Nuntius bat ihn um Hilfe, weil er sowohl Englisch als auch Russisch beherrschte.

Schon bald erregte er die Aufmerksamkeit des Vatikans. Im Jahr 2005 wurde er zum Apostolischen Administrator von Estland ernannt und zum Bischof geweiht.

"Ich muss sagen, dass ich sehr viel Glück hatte, weil Gott mich auf viele, viele Arten beschützt hat", sagte Bischof Jourdan. Er fühlte auch ein "Gefühl der Verantwortung" und drückte aus, dass der "Heilige Geist dir hilft für das, wofür du auserwählt bist, es zu tun."

Er sei auserwählt, sagte er, um Brücken zu bauen.

Als er seine erste Messe nach der Priesterweihe feierte, erinnerte er sich daran, wie seine Mitbrüder ihm sagten: "Philippe, früher warst du [ein] Brückenbauer, Brücken zwischen Erde und Erde." Aber jetzt, sagten sie, würde er ein Baumeister "zwischen Erde und Himmel" sein.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur. 

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