Der junge Katholik, der Benedikt 2010 in England begrüßte, ist heute Priester

Eine Apostolische Reise, die Großbritannien "elektrisierte": Vor zehn Jahren besuchte Papst Benedikt XVI. Großbritannien

Pfarrer Paschal Uche bei seiner Weihe im Dom von Brentwood, Essex am 1. August 2020.
Foto: Brentwood Diocese/Graham Hillman. Des Papstbesuchs im Artikel: Mazur/cbcew.org.uk

Am Morgen des 18. September 10, einem Tag, der sein Leben verändern würde, stand Paschal Uche sehr früh auf. Er musste rechtzeitig los, um durch die Sicherheitskontrollen der Veranstaltung im Zentrum von London zu kommen.

Der 21-Jährige schnappte sich die U-Bahn in der Nähe seines Wohnortes in Stratford, Ost-London, und fuhr in Richtung Westminster. Auf dem Weg dorthin sah er immer mehr junge Menschen, die in die gleiche Richtung fuhren: in Richtung eines Treffens mit Papst Benedikt XVI. nach der heiligen Messe in der Kathedrale von Westminster.

"Ich erinnere mich, dass ich in der Messe dabei war und von der Liturgie und allem, was geschah, wirklich begeistert war", sagte Uche in einem Interview für die jüngste Ausgabe der EWTN-Sendung "Vaticano", die sich der historischen Reise des bayerischen Papstes widmete, die viele junge Briten "elektrisierte" – also nicht nur begeisterte, sondern mit der Spannung des Glaubens förmlich auflud. 

So wie den jungen Paschal, der den Tag nie vergessen wird: "Wie ich nach der heiligen Kommunion gerade betete und einfache das Wunder genoß, an diesem Tag dabei zu sein, klopfte man mir auf die Schulter – und jemand sagte: 'Es ist soweit, Du wirst nun den Heiligen Vater im Namen der jungen Leute begrüßen'".

Uche, gekleidet in ein hellblaues Sweatshirt mit dem Namen seiner Diözese auf dem Rücken, wurde in den strahlenden Sonnenschein auf den Stufen der Kathedrale geführt. Der Papst stand nur wenige Meter von ihm entfernt. Auf dem Platz vor ihm standen 2.500 junge Katholiken.

"Die jungen Leute sind vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen", sagte ein verblüffter Berichterstatter von Sky News.

Uche wandte sich im Namen der Jugendlichen in England, Wales und Schottland an den Papst und sagte: "Papst Johannes Paul II. hat gesagt, dass unser Glaube ein erhabenes und unverfälschtes Abenteuer ist. Und wir wünschen uns wirklich, dass andere junge Menschen dies ebenfalls erleben. Wir beten darum, dass Ihr Besuch uns inspiriert, Heilige zu werden, Heilige des dritten Jahrtausends".

Die Menge explodierte in Jubel und Beifall. Benedikt lächelte. Uche schien über die überschwängliche Reaktion überrascht zu sein.

"Heiliger Vater, für viele von uns waren Sie vor dem heutigen Tag ein Gesicht im Fernsehen oder ein Bild in einer Kirche", sagte Uche.

"Aber heute sehen wir Sie von Angesicht zu Angesicht, und im Namen der katholischen Jugend dieser großen Nation möchte ich Ihnen meine tiefe und herzliche Dankbarkeit für Ihren Besuch aussprechen. Ich danke Ihnen, und möge Gott Sie segnen."

Damit wurde Uche zum Papst geführt, der ihm auf die Schulter klopfte und dann seine Hand umklammerte, während sie ein paar private Worte wechselten.

Zehn Jahre nach diesem denkwürdigen Tag wurde Pascal Uche zum katholischen Priester geweiht. Es war der Gipfelpunkt einer langen Reise für den jungen Mann, der seit diesem Moment im Jahr 2010 zu einer Art Aushängeschild für junge Katholiken in Großbritannien geworden war. 

Am 1. August 2020 weihte ihn Bischof Alan Williams in der Kathedrale von Brentwood in Essex zum Geistlichen. Dabei spielten auch die Trommeln des Chors, der den Namen des Seligen Cyprian Tanis trägt, und das nigerianische Vermächtnis von Pascal Uche feierte.

Nach der Weihe las Bischof Willians einen Brief von Benedikt XVI. vor.

Darin drückt der Papa emeritus seine Freude darüber aus, dass Pascal Uche nun Priester ist, versichert ihm seines Gebets – und empfiehlt ihn der Muttergottes, Maria.

 

Die Website der Diözese Brentwood berichtete, dass Uche danach sagte: "Ich hatte das Gefühl, dass der Anlass so viel größer war als wir: Es ging um die Weltkirche. Die Verbindung zum päpstlichen Besuch mit dem Brief von Papst Benedikt, das war einfach eine wunderschöne Sache. Das sind die Dinge, von denen man lange zehrt."

"Als ich ihn vor all den Jahren begrüßte, sagte ich ihm in einem privaten Moment, dass ich an das Priestertum denke, und er sagte, er würde für mich beten. Ich schrieb ihm zweimal über die Priesterweihe und erhielt keine Antwort. Aber als meine Mutter schrieb, kam eine Antwort. Es war ein bisschen wie das Wunder von Kana!", so Uche.

In seinem Interview mit EWTN Großbritannien erinnert sich Uche daran, dass er eine persönliche Verbindung mit Benedikt XVI. gespürt habe, noch bevor er auch nur ein Wort gesagt hatte.

"Ich erinnere mich daran, wie ich zu ihm hinüberblickte und dann auf mein Skript. Und als ich dann, zum Lesen bereit, wieder zu ihm zurückblickte, war er sehr auf mich konzentriert. Und das veränderte, glaube ich, die ganze Dynamik des Vortrags, der Rede, denn ich hatte das Gefühl, dass ich ihn wirklich ansprach und dass er mir wirklich zuhörte", sagte er.

Als Benedikt sich zu seiner Begrüßung vorbeugte, streiften sich kurz ihre Gesichter – dabei habe er die "große Sanftmut" und den großväterlichen Geist des Papstes verspürt, so Uche weiter.

"Er stellte mir dann noch ein paar Fragen über meine Person - und wieder hatte ich das Gefühl, dass er sich wirklich dafür interessierte, wer ich war. Er kannte mich nicht, aber ich empfand echt eine Wärme und Sanftmut in seinem Charakter", sagte er.

In den darauffolgenden Tagen wurde Uche mit Facebook-Freundschaftsanfragen und Nachrichten von Leuten überschwemmt, die sagten, wie berührt sie von dem Ereignis waren.

Er selbst beschreibt es bis heute als "einen Moment des Heiligen Geistes". Er habe das große Glück gehabt, "das Instrument" für diesen Ausdruck der Nähe und Zuneigung all dieser jungen Katholiken zum Papst gewesen zu sein.

"Meine Freunde und meine Familie waren sehr stolz. Und auch heute noch, wenn man in mein Haus kommt, sieht man ein Bild von mir und dem Heiligen Vater, wenn man die Treppe hinaufgeht", sagte er.

Im Anschluss an seine Priesterweihe wurde Uche der Pfarrei St. James the Less und St. Helen in Colchester zugeteilt, nachdem er den Sommer in Our Lady of Lourdes in Wanstead verbracht hatte.

Er sagte gegenüber EWTN, dass er bis heute überall, wohin er geht, als "derjenige, der den Papst traf", vorgestellt wird.

"Und obwohl das ein guter Grund zum Lachen ist", sagte er, "ist es [auch] ein Grund zu großer Freude, denke ich für mich und für uns alle, dass der Heilige Vater hier zu uns gekommen ist".

Die EWTN-Sendung “Vaticano” widmet eine ganze Sondersendung dem 10. Jahrestag der historischen Reise Benedikts nach Großbritannien. 

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