"Die Demokratie hat gewonnen": Bischof nach Ablehnung der neuen Verfassung in Chile

Der chilenische Präsident Gabriel Boric bei den Wahlen am vergangenen 4. September
Foto: Prensa Presidencia de Chile
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Der Bischof von Iquique (Chile), Isauro Covili Linfati, hat versichert, dass die Demokratie am Sonntag "gewonnen" habe, nachdem das chilenische Volk mit überwältigenden 62 Prozent den Vorschlag für eine neue Verfassung ablehnte. Die neue Verfassung hatte versucht, "freie Abtreibung und Euthanasie" einzuführen.

"Die Demokratie, als Akt verantwortungsbewusster Freiheit, hat gewonnen", erklärte der Prälat, der dem Orden der Franziskaner angehört, in einer am 4. September veröffentlichten Erklärung.

An vergangenen Sonntag erhielt der Vorschlag für eine neue Verfassung nur 38 Prozent der Stimmen, und daher wird die Magna Charta, die in der Diktatur von Augusto Pinochet entworfen wurde, der das Land zwischen 1973 und 1990 regierte, beibehalten. Diese war teilweise während der Jahre der Demokratie reformiert worden.

Erzbischof Linfati schrieb jedoch auch, dass "es nicht möglich sei, aus diesem Prozess positive Bilanz zu ziehen", da es mehrere "Lektionen gibt, die wir als Land daraus lernen müssen".

Der Bischof kritisierte, dass bei der Ausarbeitung des Textes, "der die Einheit unserer Nation bewirken sollte", "wichtige Institutionen" wie die katholische Kirche und ihre Bischöfe nicht aufgenommen oder angehört wurden.

Ebenso beklagte er, dass bei der Erstellung des Textes der neuen Verfassung "eine Minderheit beabsichtigt hatte, ihre Vision und ihren Willen durchzusetzen".

"Es ist ein Text, der – obwohl er sehr gute Themen aufgreift – dazu bestimmt war, von der Mehrheit nicht akzeptiert zu werden, insbesondere weil er unter anderem die freie Abtreibung und Euthanasie eingeführt hatte", betonte er.

In seiner Erklärung lud Bischof Linfati "die Tausenden Verehrer des heiligen Laurentius und der 'Virgen del Carmen'" – der allerseligsten Jungfrau vom Berge Karmel, die von den Chilenen liebevoll "La Chinita" genannt wird –, "zum Wohl des Landes zusammenzuarbeiten."

Der Bischof bat, dass die Chilenen aus dem Glauben an Jesus Christus und "vom Guten, der Wahrheit und der Gerechtigkeit bewegt" fähig sein mögen, "die Fundamentalismen, die Polarisierung, die Gewalt, die Intoleranz und die ideologische Abschottung zu verbannen", die man in den letzten Monaten erlebt habe und die der Seele Chiles Schaden zugefügt habe.

Daraufhin lud der Bischof von Iquique ein, sich "erneut zu treffen und Wege einer tiefgreifenden Analyse des Erlebten zu beschreiten, begleitet von Momenten der Stille und Buße".

"Mögen wir bei der Suche nach Einigung, mentaler Offenheit und der Wertschätzung und dem Respekt jedem Menschen gegenüber zusammenarbeiten", fügte er hinzu.

Abschließend versicherte er, dass "die von den Wählern geäußerte Ablehnung" der neuen Verfassung nicht bedeute, "beim aktuellen Verfassungstext zu bleiben, sondern mit dem Wunsch einhergehen muss, einen neuen und besseren Text zu erarbeiten".

Dieser solle Einheit hervorbringen und "eine Vision des Landes, die von einer großen Mehrheit geteilt wird. Dabei vertraue ich darauf, dass Präsident Gabriel Boric ausreichend Weitsicht haben wird, um die Herausforderungen diesbezüglich zu verstehen und anzugehen", schloss er.

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