Ein Gespräch über katholische Ehevermittlung im Internet - und den Segen der Ehelosigkeit

Wie findet der Richtige seine Richtige?
Foto: Alexandra via Pixabay
Previous Next
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Allabendlich werden Fernsehzuschauer von zahllosen Vermittlungsagenturen für Singles umworben. Findige Unternehmer reagieren dabei auf die Sehnsucht vieler Menschen nach einem Partner, einer Lebensgefährtin, einer Familie.

Seit 2005 betreibt auch der studierte Historiker und Politikwissenschaftler Martin Kugler in Wien eine Online-Ehevermittlung, allerdings mit einem Merkmal, das diese von allen anderen unterscheidet: Seine Agentur soll eine Hilfe für katholische Christen sein, ihren Ehepartner zu finden. Ehevermittlung für Katholiken? Im Internet? Geht das überhaupt? CNA sprach mit Kugler über Sinn und Zweck einer katholischen Ehevermittlung, worin sie sich von anderen Singlebörsen fundamental unterscheidet – und warum es vielleicht gar nicht so schlimm sondern sinnvoll ist, nicht zu heiraten.

Herr Dr. Kugler, Sie haben zusammen mit Ihrer Frau eine Online-Ehevermittlung für Katholiken gegründet. Warum? Was hat Sie bewogen, gerade im Internet eine solche Möglichkeit für katholische Singles anzubieten? Gab es dazu einen Anlass?

Der Anlass war ein Gespräch mit dem Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der ähnlich wie meine Frau und ich viele großartige Katholiken kannte, die bei ihrer Suche nach einem guten christlichen Ehepartner Unterstützung verdienten.

Der Markt ist überschwemmt mit Singlebörsen. Was unterscheidet ihre Agentur von anderen, namhaften Partnervermittlungen wie Parship oder Singlebörsen für 'Menschen mit Niveau'?

Die Mitglieder suchen bei uns keinen Flirt oder einfach "eine Beziehung" sondern einen Partner fürs Leben, mit dem sie ihren Glauben teilen können. Das macht uns einzigartig. Dass die Seriosität damit viel höher ist, ist auch klar, und ebenso ist es logisch, dass dies auf die Erfolgsrate einen großen Einfluss hat: Bei uns finden sich Mitglieder etwa fünfmal häufiger als auf herkömmlichen kommerziellen Seiten! Weitere Unterscheidungsmerkmale von "kathTreff"sind ein von uns eigens entwickelter Matchtest auf Basis christlicher Werte und unsere mittlerweile auf acht Sprachen ausgedehnte kathTreff-Familie. Wer will – und eine gemeinsame Sprache findet – kann dadurch auch zahlreiche Mitglieder unserer "Schwesternseiten" anschreiben, von Ungarn und Kroatien über die Slowakei oder Litauen bis Portugal. Außerdem kann zumindest immer Gleichgesinnte im Glauben und auch einfach Freunde finden.

Klingt schön und gut  – aber wie vermeiden Sie, dass ihre Agentur zum reinen Geschäft mit menschlichen Gefühlen wird?

Wir müssen einen Mitgliedsbeitrag verlangen, um unser Angebot attraktiv zu halten, die Mitglieder gut betreuen und weiterhin unsere Arbeit verbessern zu können. 

Es "muss" offensichtlich auch eine große Zahl an katholischen Singles geben ...

Ja, die "Versingelung" der Gesellschaft hat vor den Toren der Kirche nicht halt gemacht. Für die Kirche ist dies eine neue Herausforderung: viele junge Erwachsene, die nicht mehr ins Jugendprogramm und noch nicht ins Familienprogramm passen. Dafür braucht es heutzutage innovativere Ansätze!

Ist ihre Ehevermittlung ausschließlich für Katholiken gedacht?

Es gibt online viele Angebote für alle möglichen Bevölkerungsgruppen. Wir sind mit unserem Angebot einzigartig – weil es unser Anspruch ist, einen Partner fürs Leben zu finden, mit dem man Werte und Glauben teilen kann. Darum ist es sinnvoll, etwas Exklusives für katholische Singles anzubieten. Für die Heirat zwischen verschieden-konfessionellen Christen stellt sich die Frage: Wie groß ist der gemeinsame christliche Nenner? Wie sehr ist der andere kulturell und geistlich von anderen Traditionen und Prioritäten geprägt, die er oder sie nicht missen möchte. Wie gut können wir miteinander über unsere Liebe zu Gott reden? Können wir uns am Abend austauschen, wo wir heute Gott erfahren haben? Wie wollen wir unsere Kinder Gott und seiner Kirche näher bringen? Wenn aber unser Leben aus dem Glauben nicht dieses urpersönliche Gepräge hat, sondern stärker von dem Gottesdienst in der eigenen Glaubensgemeinschaft geprägt ist – also wie man zum Beispiel den Sonntag und die christlichen Feste feiert – dann wird es nicht leicht sein, immer neu Verständnis für den Glauben des anderen zu erarbeiten. Für den Umgang mit nichtgläubigen Singles geben wir diesen Rat: Wenn du Christ bist, achte darauf, keine falschen Vorbehalte zu haben. Im nichtchristlichen Bereich ist nicht jeder unbeständig oder weniger bereit, seinem Ehepartner die Treue zu halten. Du wirst überrascht sein, wie viel Großzügigkeit und guten Willen du unter Nichtchristen findest.

Vor kurzem trafen sich viele unverheiratete Katholiken auf einer "Singletagung" in der Nähe von Augsburg, die von Ihnen veranstaltet wurde. In der Beschreibung stand zu lesen: Unter dem Motto "Lebe deine Träume" gehe es um Antworten auf gemeinsame Fragen und vielleicht auch nach ihrem Partner fürs Leben. Wie muss man sich das vorstellen? 

Das Programm ist bei unseren Tagungen sehr unterschiedlich und vielfältig, enthält jedoch immer folgende Elemente: Vorträge zu Themenkreisen wie "Christsein als Single", die Lebenswelt von Alleinstehenden, Nutzung von Chancen dieser Lebenssituation und so weiter.
Zu den Vorträgen gibt es immer Workshops und Austausch. Weiters gehören die Möglichkeit zur Anbetung, die Heilige Messe und ein eigener Priester für persönliche Gespräche zu unserem "Angebot". Thematisch gestaltete Abendessen, ein Cocktailempfang und eine Party mit Tanzen und Singen sind ebenfalls Fixpunkte.

In den Medien hört man immer öfter die Meinung, die traditionelle Ehe im katholischen Sinn einer unauflöslichen Einheit von Mann und Frau sei ein Auslaufmodell. Können Sie diese Behauptung aus Ihrer Erfahrung bestätigen?

Das stimmt nicht. Dauerhafte Ehe und Familie sind so hoch im Rennen wie nie. Das belegen Jugendstudien genauso wie Meinungsumfragen unter Erwachsenen. Obwohl viele ein Scheitern erlebt haben, wünscht man sich das Ideal. Und es kann gelingen! Man glaubt es kaum, aber in Europa leben 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren bei ihren Eltern!

Was empfehlen Sie katholischen Christen, die in unserer schnelllebigen Zeit auf der Suche nach einem festen Partner und einer Familie sind?

Wir empfehlen folgende Punkte – auf unserem Blog gibt es dazu jede Menge Details: Vervielfachen Sie Ihre Bekannten, um den "Richtigen" kennenzulernen. Generelle Offenheit für Freundschaft ist die richtige Einstellung für die Partnersuche. Am Charakter arbeiten, damit Partnersuche und Beziehung gelingen. Gottes Wege lieben: die Partnersuche ist ein Vertrauenstest. So entstehen nicht nur Ehen, sondern auch Freundschaften. Ein dankbares früheres Mitglied schrieb uns einmal: "Auf kathTreff fand ich nicht nur meine Frau, sondern auch meine Trauzeugin." Das freut uns natürlich sehr, denn auch Freundschaft kann durchs Leben tragen. Um einen Partner zu finden, soll man alles tun, was möglich und zumutbar ist. Ja, das ist anstrengend, aber die wichtigen Dinge des Lebens haben ihren Preis. Handle so, als ob alles von dir abhinge und vertraue so, als ob alles von Gott abhinge. Dabei soll "kathTreff" ein Schritt sein.

Das klingt alles so, alles ginge es nur darum, unbedingt zu heiraten... 

Im Gegenteil! Eine Solokarriere als christlicher Single ist kein Unglück. Aber es ist eine Art von Armut. Ida Görres sagte, dass Armut "streng und karg" ist, aber menschenwürdig und voller eigener Werte. Unglück oder Elend ist menschenunwürdig und böse. "Unter diesen, die sich in ihre Einsamkeit ergeben haben und sich von ihr erfüllen lassen, wirst Du auch den berüchtigten und gefürchteten ‚Knax’ nicht finden, " schrieb Görres, und weiter: "Wenn so viele Unverheiratete ihn zur Schau tragen, so beweist das nur, dass sie den Auftrag ihres Lebens nicht begriffen oder verweigert haben."

Allein zu sein, muss nicht heißen, einsam zu sein?

Genau. Elend und Unglück ist das liebelose Leben, nicht das ehelose: das isolierte, nicht das einsame: das leere, nicht das karge. Der Schmerz der ungestillten Sehnsucht ist gerade die 'offene Stelle' nach dem Unendlichen hin. Er soll die Türe werden zu einer neuen Nähe Gottes.
Jeder Mensch möchte für andere da sein – möchte Menschen haben, die zu ihm gehören. Jemand, der ungewollt alleine ist, ist oft traurig, dass er sich immer nur um "Fremde" kümmert, nie um "eigene". Die Lösung besteht darin, sich die Fremden zu Eigenen zu machen. Daraus kann ein ganz großer Segen für die Welt entstehen", wie Ida Friederike Görres in "Von Ehe und Einsamkeit" schreibt.

Wie kann ein christlicher Single die Berufung zur Heiligkeit verwirklichen?

Wie wird man heilig? Das habe ich einmal einen Priester gefragt, der die katholische Kirche bei der UNO vertreten hat: "Sieh’ dir mal alle diese Leute hier an. Jeder ist ‚wichtig’, alle sind sie schwer-beschäftigt. Aber wirklich wichtig ist in Wahrheit nur eines: Heilig zu werden! Dann kann Gott Wege mit uns gehen, die wir uns nie hätten vorstellen können." "Aber, Monsignore, wie wird man denn heilig?" "Indem man das, was Gott an diesem Tag von einem will, in perfekter Weise macht, ganz egal, was das ist." "Aber was heißt perfekt? Möglichst professionell und fehlerfrei?" "Perfekt heißt, die Dinge so zu machen, wie Jesus sie machen würde: mit Liebe." Um heilig zu werden, braucht man keinen Ehepartner. Als Mensch, als Ehepartner, als christlicher Single gilt es, seiner Bestimmung nachzukommen. Gott besser kennen- und lieben zu lernen, ihm und den Menschen zu dienen. Ob verheiratet oder nicht.

Ida Friederike Görres, "Von Ehe und Einsamkeit", ist im Fe-Medienverlag erschienen und hat 128 Seiten.

Das könnte Sie auch interessieren: