"Es war ein Wunder, dass ich entkam": Nigerianische Schwester überlebt brutalen Angriff

Schwester Esther Nkiru Ezedinachi, Mitglied der Handmaids of the Child Jesus, hilft Opfern von Anschlägen in der katholischen Diözese Ekwulobia, Nigeria.
Foto: Dennis Hurley Peace Institute

Schwester Esther Nkiru Ezedinachi, kann kaum glauben, dass sie den 24. Februar unversehrt überstanden hat. Die Ordensfrau überlebte mehr als "nur" eine tödliche Schießerei im umkämpften nigerianischen Bundesstaat Anambra.

Schwester Nkiru, die den Handmaids of the Child Jesus in der katholischen Diözese Ekwulobia in Nigeria angehört, wurde in eine heftige Schießerei verwickelt, als Angreifer ein Fahrzeug angriffen, in dem sie mit anderen Personen unterwegs war, die von einer Hochzeitsfeier kamen.

Bei diesem Vorfall, über den, wie Schwester Nkiru feststellte, die Medien nicht berichtet haben, wurde ein Professor getötet. Mehrere Personen wurden entführt.

In einem Interview mit ACI Africa, der afrikanischen Partneragenture von CNA Deutsch, am 16. März beschrieb Schwester Nkiru ihr Erlebnis als traumatisch und sagte, sie habe Glück gehabt, dass sie lebend davongekommen sei.

"Der 24. Februar ist der Tag, den ich nie vergessen werde; ein traumatischer Tag", sagte die Ordensschwester, die selber Opfer von militanten Angriffen in der Region psychosozial betreut.

Sie schilderte ACI Africa die Ereignisse vor der Schießerei und sagte, ihre Gruppe habe eine Vorwarnung erhalten, dass "einige Männer" auf dem Weg seien, sie anzugreifen.

"Es war gegen 19:30 Uhr; wir kamen von einer Hochzeitsfeier zurück. Diejenigen, die vor uns waren, riefen uns an und informierten uns, dass diese Männer auf der Ufuma-Ajali-Achse (der Ekwulobia-Ufuma-Straße im Bundesstaat Anambra) unterwegs seien. Ohne dass wir es wussten, überholten sie uns mit ihren gestohlenen Fahrzeugen, darunter ein Toyota Hilux", erinnert sich Schwester Nkiru.

Die Schwester sagte, dass die Angreifer die Straße blockierten und zu schießen begannen, bevor ihre Gruppe merkte, was passierte. "Die Menschen rannten durcheinander, um ihr Leben zu retten", sagte sie.

"Wir rannten in den Busch; einige wurden entführt, darunter auch zwei Personen in unserem Fahrzeug, die unwissentlich auf sie zuliefen. Ein Professor wurde auf der Stelle erschossen", sagte sie.

Die Schwester sagte, die Schießerei habe etwa 30 Minuten gedauert, bis sie und die anderen, die geflohen waren, aus ihren Verstecken im Gebüsch herauskamen und feststellten, dass ihr Auto durch zahlreiche Einschüsse beschädigt war.

"Meine Handtasche, mein Geld, meine Dokumente und mein Telefon wurden mitgenommen", sagte sie. "Es war ein Wunder, dass ich mit zwei anderen Personen in unserem Fahrzeug entkommen konnte ... Ich danke Gott, ich danke Gott, ich danke Gott, und ich bete für den Professor und seine Familie."

Sie fügte hinzu, dass "mit Hilfe eines Wohltäters" ein Bankangestellter kontaktiert wurde, der ihr Bankkonto auflöste, bevor weiteres Geld abgehoben werden konnte.

"Wir müssen für Gerechtigkeit kämpfen"

Schwester Nkiru arbeitet mit anderen zusammen, um Hunderten von Kindern, die sich in Büschen und auf der Straße verstecken und keine Unterkunft in den angeblich überfüllten Vertriebenenzentren finden, Mahlzeiten zu liefern.

Sie sagte, dass angesichts der grassierenden Unsicherheit in Nigeria - einschließlich der islamischen Terrorgruppe Boko Haram, die den Norden des Landes terrorisiert, und der Fulani-Hirten und anderer militanter Gruppen, die die Zivilbevölkerung in den zentralen und südlichen Teilen Nigerias belästigen - dem Apostolat der Schwestern wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

"Es gibt viele Dinge, die in Nigeria in diesen Tagen passieren, so dass diese Art von Apostolat für die üblichen Medienhäuser nicht von Interesse ist, mit Ausnahme der sozialen Medien. Selbst die mehr als 30 Minuten dauernde Schießerei und die Ermordung eines Professors am 24. Februar wurde von keiner Zeitung berichtet und von keinem Radio gesendet", stellte sie fest.

Dennoch empfindet Schwester Nkiru ihre Arbeit als befriedigend und als "das Mindeste, was sie tun kann", um das Leid in Anambra zu lindern, sagte sie dem Denis Hurley Peace Institute (DHPI), einer Einrichtung der Katholischen Bischofskonferenz des Südlichen Afrika (SACBC), die die Entwicklung der Konflikte in den nigerianischen Bundesstaaten beobachtet.

"Ich bin sehr glücklich über das Apostolat. Ich danke Gott für die Gelegenheit, die mir gegeben wurde, um diese Männer und Frauen auf der Straße zu ernähren. Wir tun es gerne und sehen es als praktisches Christentum", sagte die Schwester in einem Bericht, den das DHPI mit ACI Africa teilte.

"Es war eine Inspiration von Gott. Es begann alles im Oktober 2020. Ich benutzte mein kleines monatliches Taschengeld, um es zu starten. Es ist aufregend und heute ernähren wir jeden Sonntag 20 bis 30 Menschen mit einer Vielzahl von Lebensmitteln und Getränken, vor allem Wasser", erklärte sie in dem Bericht.

"Ich bin im Herzen der Menschen und auch eine Menschenrechtsaktivistin, denn ich mag keine Ungerechtigkeit", so die Schwester weiter. "Wir müssen aufstehen und direkt sein ... wir müssen für Gerechtigkeit kämpfen."

"Schlafen mit einem offenen Auge"

In dem Interview vom 16. März sagte sie gegenüber ACI Africa, dass die Unsicherheit im nigerianischen Staat zunächst von den Politikern verursacht wurde, die ihrer Meinung nach Angst schürten, "um die Menschen zu verängstigen und sich mit den Wahlurnen davonzumachen."

Was dann folgte, waren Drogenmissbrauch und Entführungen.

Außerdem wurden arbeitslose Jugendliche zu guten Werkzeugen für Politiker, um ihre schmutzigen Geschäfte zu machen, so Schwester Nkiru gegenüber ACI Africa. "Es begann zuerst im Staat Imo. In letzter Zeit ist auch der Bundesstaat Anambra zu einer Angstgegend geworden. Niemand fühlt sich sicher."

Sie sagte, dass die Situation durch wütende Jugendliche, die gegen die Marginalisierung der Igbo (ein nigerianischer Volksstamm) und verschiedene andere Ungerechtigkeiten im Land aufbegehren, noch komplizierter geworden ist.

Andere sind verärgert über die Inhaftierung von Nnamdi Kanu, dem Anführer der Indigenous People of Biafra (IPOB), einer separatistischen Organisation in dem westafrikanischen Land, sagte sie.

Schwester Nkiru sagte, dass die Menschen vor Ort und die Christen in den umkämpften nigerianischen Staaten in Angst leben. "Zusammen mit anderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Korruption kann man sagen, dass dies die schlimmste Zeit in der Geschichte dieses Landes und unserer Region ist", sagte sie.

"Als Ordensleute können wir nicht viel tun, außer zu beraten. Die politischen Führer sprechen ... nicht einmal über die täglichen Morde, die in verschiedenen Teilen Nigerias stattfinden; stattdessen gilt ihre größte Sorge den Wahlen 2023", sagte sie.

"So wie es jetzt ist", fügte sie hinzu, "schläft jeder mit einem offenen Auge. Und viele haben Angst vor dem, was morgen passieren könnte".

Diese Geschichte wurde ursprünglich von ACI Africa veröffentlicht. Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur. 

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