Eskalierende Krise der ZAR: Bischöfe veröffentlichen warnenden Hirtenbrief

"Wir stellen mit Bitterkeit fest, dass 70 Prozent oder sogar 80 Prozent unseres Landes von bewaffneten Gruppen besetzt sind".

Die Kathedrale von Bangui, der Haupstadt der Zentralafrikanischen Republik, am 29. November 2015.
Foto: CNA/Martha Calderon

Die Krise der Zentralafrikanischen Republik wird von bewaffnete Gruppen ausgenutzt die das Land und seine Menschen ausplündern. Das haben die Bischöfe der ZAR in einem Hirtenbrief beklagt, wie die Päpstlichen Missionswerke melden.

Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im Dezember stehen unter dem Zeichen der Krise – und der Herausforderung, diese Missstände zu lösen, mahnen die Bischöfe.

"Wir stellen mit Bitterkeit fest, dass 70 Prozent oder sogar 80 Prozent unseres Landes von bewaffneten Gruppen besetzt sind".

Diese Gruppen – darunter islamische Organisationen – seien an Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschheit, Umweltverbrechen und der großflächigen Plünderung der Bodenschätze des Landes beteiligt.

"Sie haben eine Kriegswirtschaft auferlegt, ein Wirtschaftsmodell, das auf menschlichem Blut beruht".

Die Bischöfe schlagen deshalb in dem am Sonntag veröffentlichten Brief laut "Fides" auch deutlich Alarm: "Es gibt zwar auch Anzeichen von Hoffnung, doch die anhaltende Präsenz bewaffneter Gruppen bedroht die Zukunft des Landes".

Weiter heißt es: "Nach dem Staatsstreich im März 2013 wurde unser Land im März 2016 mit demokratischen Institutionen ausgestattet".

Durch die Wahlen habe sich das zentralafrikanische Volk eine neue Verfassung und legitime Vertreter gegeben. Zu den seither erzielten, allerdings fragwürdigen Fortschritten gehöre, ein Abkommen, das von 14 bewaffneten Gruppen mit der Regierung im Jahr 2019 abgeschlossen wurde. Die Gruppen trieben weiter ihr Unwesen, so die Bischöfe.

"Sie haben blutige Verbrechen an unschuldige Menschen begangen".

Die Kriminellen nutzten das politische Abkommen aus – und die Zugeständnisse, die ihnen angeboten wurden, darunter die volle Bewegungsfreiheit, schreiben die Kirchenvertreter.

"Auf Reisen durch die Zentralafrikanische Republik ist es erschreckend, ganze Dörfer anzutreffen, die von ihrer Bevölkerung verlassen oder von ungestraften Kriminellen in Brand gesteckt werden".

Die Botschaft richtet sich insbesondere an junge Menschen und Frauen, wobei die Bischöfe junge Männer davor warnen, nicht "ein unerschöpfliches Reservoir an Kanonenfutter" zu werden, "sondern die größte und wichtigste Ressource unseres Landes" zu sein.

"Möge die Jungfrau Maria, Königin des Himmels und der Erde, die Bemühungen um transparente, glaubwürdige und friedliche Wahlen fruchtbar machen, damit sie uns wahre Politiker im Dienst der Menschen nach dem Vorbild Moses geben", heißt es in der Botschaft abschließend.

Kriegsgebiet und Krisenzone

Die Zentralafrikanische Republik ist seit Jahren ein Kriegsgebiet, mit täglich neuen Toten. Hunderttausende sind auf der Flucht, tausende Todesopfer hat der Konflikt bislang gekostet.

Seinen Anfang nahm die Auseinandersetzung Ende 2012: Muslimische Rebellengruppen im Norden des Landes sowie aus dem Tschad und Sudan schlossen sich zu einem neuen Bündnis zusammen, mit Namen Seleka, und begannen mit einem Eroberungsfeldzug gegen Süden. Im März 2013 stürzte Seleka den damaligen Präsidenten, Francois Bozize. Daraufhin gründeten Christen die Anti-Balaka-Miliz, um die islamischen Rebellen zu bekämpfen. Sie kämpfen oft mit Messern und Äxten gegen die islamischen Rebellen mit ihre Kalaschnikow-Gewehren – abgekürzt "AK", daher der Name "Anti-Balaka". Auf beiden Seiten werden große Grausamkeiten verübt, Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung sind die Norm.

Obwohl es seit 2014 eine Übergangsregierung unter Präsidentin Catherine Samba-Panza gab, dauerte der Konflikt an. Rund 12.000 UN-Soldaten im Land ist es nicht möglich, Frieden wirkich zu sichern.

Die gezielte Agression der muslimischen Rebellengruppe Seleka und ihrer zum Teil ausländischen Kämpfer, vor allem gegen Christen und christliche Einrichtungen, habe eine andere Qualität als die rein ethnischen Rivalitäten, die früher für Konflikte gesorgt hätten, so Beobachter vor Ort. Das systematische Vorgehen der islamischen Kämpfer gegen Christen habe wiederum zu Rache-Akten und Gewalt von Christen geführt. "Diese handeln jedoch nicht im Namen unserer Religion”, betonte ein katholischer Priester, auch mit Blick auf die Anti-Balaka-Miliz.

Moderate Muslime bemühen sich zusammen mit Protestanten und Katholiken um pastorale Antworten auf die Situation. Papst Franziskus unterstützte auf seiner Reise in die ZAR im Jahr 2015 deren Bemühungen.

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