Experte: Amazon greift religiöses und katholisches Fundament von "Der Herr der Ringe" an

Offizielles Werbeplakat für "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht"
Foto: Amazon Prime

Der spanische Autor Diego Blanco, ein Experte für das Werk von J. R. R. Tolkien, vermutet, dass die Serie "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht", die Amazon ab dem 1. September ausstrahlt, das zutiefst katholische Fundament angreifen wird, welches der britische katholische Schriftsteller seinem Werk einprägen wollte.

Blancos Vorhersage basiert auf seiner tiefen Kenntnis des Werks Tolkiens und auf der Analyse der Trailer und Interviews, die während der Bewerbung der Serie veröffentlicht wurden, die ungefähr eine Milliarde Dollar pro Staffel kosten wird.

Der Experte ist Autor von "Un camino inesperado" (Ein unerwarteter Weg), einem Buch, in dem er darlegt, was er selbst als das "Gleichnis" des Werks "Der Herr der Ringe" bezeichnet.

Seiner Meinung nach ist die Geschichte, die in der Serie nun erzählt wird, "erfunden worden, sie ist nicht von Tolkien. Unter anderem, weil sie (Amazon) die Rechte an diesem gesamten Universum nicht gekauft haben. Sie können nur neue Geschichten erfinden, die auf der mythologischen Welt des englischen Schriftstellers basieren."

"Aus vier Notizen Tolkiens" über eine der Epochen seiner Mythologie holen Amazon "die restlichen 95 Prozent heraus, die erfunden sind", betonte Blanco in einem Gespräch mit ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

Ein Beispiel dafür sei, dass von den 23 Hauptfiguren in der Serie nur acht ein Original von Tolkien sind, erläuterte dabei der Autor. Ebenso wies Diego Blanco auf eine klare "Arroganz" auf Seiten von Amazon hin, da er erkannt habe, dass die Drehbücher "sehr wenig Respekt vor dem Originalwerk" hätten.

Deshalb warnte er davor, dass das Ergebnis eine "Abweichung sein werde, da es die woke Ideologie in Tolkiens Welten einbringt."

Das Wort "woke", das auf Deutsch mit "erwacht" übersetzt werden kann, ist ein Begriff, der ursprünglich in den Vereinigten Staaten diejenigen identifizierte, die ein "erwachtes Bewusstsein" für fehlende soziale Gerechtigkeit und Rassismus hatten.

Seine Bedeutung hat sich jedoch erweitert und umfasst mittlerweile andere ideologische Felder wie soziale Ungleichheit aus der Perspektive der Linken, der Gender-Ideologie, der LGBT-Lobby und des radikalen Feminismus.

Mehr noch tadelte Blanco, dass sich die Macher von "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht" auch erlauben, "ihre Arbeit zu präsentieren als die Geschichte, die Tolkien nie geschrieben hat".

Hinter dieser Übertretung der Grundlagen einer Mythologie mit christlichen Wurzeln verbirgt sich nach Ansicht von Blanco eine Philosophie der Dekonstruktion von Sprache und von großen Geschichten, so dass "die Bösen als missverstandene Gute dargestellt werden", und so das Gute und das Böse verzerrt werden.

Kardinal Newmans Einfluss auf "Der Herr der Ringe"

Diego Blanco ist der Ansicht, dass in der neuen Serie "mit aller Eindeutigkeit der christliche Hintergrund" von Tolkiens Werk eliminiert werde. Ein Hintergrund, der in vielen Foren diskutiert wurde, der seiner Meinung nach aber nicht zu leugnen ist.

"Tolkien war zutiefst katholisch. Wer das nicht versteht, versteht gar nichts", betonte Blanco.

Der Ursprung dieser tief verwurzelten Identität liegt im Übertritt seiner Mutter von den Baptisten zum Katholizismus, "was sie das Leben gekostet hat". Im England des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts war eine katholische Witwe, die von ihrer Familie verstoßen wurde, zu einem gesellschaftlichen Tod verurteilt, der in diesem Fall bald auch ein körperlicher wurde.

Tolkiens Mutter starb, als der zukünftige Schriftsteller kaum 12 Jahre alt war. Vor seinem Tod überließ sie ihre Kinder der Obhut von Francis Xavier Morgan, einem Priester spanischer Herkunft, der dem von Kardinal John Henry Newman gegründeten Oratorium des heiligen Philipp Neri in Birmingham angehört.

Gerade der Einfluss von Kardinal Newman war ausschlaggebend für Tolkiens Entscheidung, ein mythologisches Universum mit katholischen Wurzeln zu erschaffen.

"Kardinal Newman erklärte in Bezug auf den Bereich der Mythen, dass es zwei Offenbarungen gibt: Eine, die in der Bibel enthalten ist. Und ein anderer, um die Heiden zu erreichen: durch die Natur, was sich im Laufe der Geschichte durch Mythen widergespiegelt hat", erklärte Blanco.

In diesem Sinne vertrat Newman, dass "gut verstandene Mythologie das Evangelium erahnen lässt", fügte er hinzu.

So erkannte Tolkien die Notwendigkeit, eine Mythologie für das nicht-katholische England zu schaffen und begann "Das Silmarillion" zu schreiben, in dem die Erschaffung einer Welt mit einem einzigen Gott entwickelt wird, in der der schönste Engel rebelliert.

Die zugrunde liegende Idee Tolkiens sei, "auf mythologische Weise zu erzählen, um die Herzen der Menschen zu erreichen, ohne sie zu zwingen", betonte Blanco – durch die Erzählung "eines tiefen und spirituellen Kampfes, den Tolkien immer vertreten hat."

Für Blanco "besteht keinerlei Zweifel, dass 'Der Herr der Ringe' ein zutiefst katholisches Werk ist."

Tolkiens eigenes Geständnis

Dies bezeugte auch der Jesuitenpater Robert Murray, ein persönlicher Freund der Familie Tolkien, der eine wichtige Rolle bei der Konversion des Autors zum Katholizismus spielte.

Dieses Priester hatte das Privileg, eine enge Freundschaft mit J.R.R. Tolkien zu pflegen, einige der Manuskripte von "Der Herr der Ringe" zu lesen und zu korrigieren und eine umfangreiche Korrespondenz zu diesem Thema zu führen.

In einem der Briefe dieser Korrespondenz (Brief Nr. 142) erläutert Tolkien gegenüber Pater Murray, dass "Der Herr der Ringe" ohne Zweifel ein katholisches Werk sei: "Der Herr der Ringe ist natürlich ein grundlegend religiöses und katholisches Werk; zunächst unbewusst, aber bei der Überarbeitung ist es mir dann bewusst geworden", schrieb Tolkien.

Die Frage nach dieser anfänglichen "Unbewusstheit" hat unter den Wissenschaftlern, die sich mit seinen Werken beschäftigen, Kontroversen ausgelöst.

Blanco stellt jedoch klar, dass Tolkien die Überarbeitung, auf die er sich bezieht, noch in dem Jahr begann, in dem er anfing, sein bekanntestes Werk zu schreiben, in das er insgesamt mehr als ein Jahrzehnt investiert hat.

Für Blanco baute Tolkien seine Mythologie auch mit einer weiteren klaren Absicht auf – mit jener, dass sie "nach Sowjetrussland und in die verfolgten Länder gelangen könne", da er aus dem Mund von Pater Morgan, der spanischer Herkunft war, genau wusste, was mit den Katholiken während der Zweiten Spanischen Republik und während des anschließenden Bürgerkriegs geschehen war.

"Er wusste, was der Sieg des Kommunismus bedeuten könnte", fügt er hinzu.

Die Gefahr für die ursprünglichen Absichten von Tolkiens Werk kommt heute aus der Richtung, die der Gründer und Mehrheitseigner von Amazon, Jeff Bezos, dem Projekt der neuen Serie gegeben hat. "Wir können nicht vergessen, dass er 2021 die Geschäftsleitung von Amazon aufgegeben hat, um sich auf diese Serie zu konzentrieren. Und es ist derselbe, der beschlossen hat, all seinen Mitarbeitern in den USA die Abtreibungen zu bezahlen", erinnerte Blanco.

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