Kardinal De Donatis: Verlassen wir die "Nester", um den Reichtum der Gabe Gottes zu teilen

Am Abend des Hochfestes der Geburt Johannes des Täufers stellte der Kardinal den Pastoralplan für die Diözese Rom vor

Kardinal De Donatis
Foto: Diözese Rom
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Im Hof des Lateranpalastes - unter Beachtung der geltenden Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit - hat Kardinal De Donatis, Generalvikar für die Diözese Rom, den Faden der unterbrochenen Vorträge wieder aufgenommen und die pastoralen Leitlinien für das kommende Jahr vorgestellt, die unter dem Motto stehen: "Sind wir bereit, unseren Lebensstil zu ändern?"

Darüber berichtete ACI Stampa, die italienischsprachige Schwesternagentur von CNA Deutsch.

"Wie das Evangelium von Johannes sagt, wird die Kirche aus Christus geboren, der bei verschlossenen Türen in den Abendmahlsaal tritt und den Heiligen Geist haucht. Alles beginnt mit dem Hauch Gottes. Der Herr lässt die Kirche atmen" so der Kardinal.

"Aufgrund der Ansteckung mit COVID-19 haben viele betroffene Menschen erfahren, was es bedeutet, kaum atmen zu können und sich nach Luft zu sehnen. Auch für uns ist es notwendig, zu atmen - und um es als Gemeinschaft zu tun, sind wir aufgerufen, uns wieder neu, ausgehend vom Heiligen Geist, aufzumachen."

Deshalb betont das Programm, man müsse "noch mehr mit den Menschen, die in unserer Umgebung wohnen, in Beziehung treten. Vor allem mit den Familien, den Jugendlichen, den zerbrechlichen Menschen und mit kontemplativem Herzen ihre Lebensgeschichten anhören. Dieses Engagement wurde durch die Coronavirus-Pandemie noch verstärkt und nicht geschwächt."

Wir sind also konkret dazu gerufen, "ein für alle Mal die Versuchung hinter uns zu lassen, am künstlichen Beatmungsgerät zu bleiben, und uns stattdessen auf den Atem Gottes zu verlassen. Was ich sagen will: Eine Pfarrei, eine Gemeinschaft, könnte denken, ihre Aufgabe erfüllt zu haben, wenn sie die traditionellen Aktivitäten ´am Leben erhält´, ohne an die Evangelisierung der Jugendlichen und Erwachsenen zu denken." Aber nein: Man muss alles neu, mit einem Schwung nach vorne denken, durch eine "starke und einschneidende Predigt des Kerygmas, die fähig ist, das Herz und die Augen des Menschen zu öffnen."

Der Kardinal, der sich selbst mit dem Coronavirus angesteckt und mehrere Tage im Krankenhaus verbracht hatte, dankte den römischen Bürgern dafür, dass sie ihm in der Zeit seiner Krankheit nahe waren. Er lud sie zu pastoraler Kreativität ein und erinnerte an die Notwendigkeit, auf drei Wünsche zu antworten, die in der Pandemie besonders hervorgetreten sind: Hinausgehen, sich begegnen, sich umarmen.

"Unser Kirche-Sein bedeutet: Aus den Nestern, aus den Abendmahlsälen hinauszugehen, um den Reichtum der Gabe Gottes zu teilen."

Der Vikar für die Diözese Rom hat an viele Initiativen der gerade vergangenen Zeit erinnert, an die christlichen Gemeinden, die durch Livestreams von Gottesdiensten, Katechesen oder andere gemeinschaftlichen Momenten die Häuser erreicht haben. "Versuchen wir nun, ´die Schwelle der Häuser zu überschreiten´, um uns erzählen zu lassen, was passiert ist, wie sich die Familien verändert haben."

Der Kardinal betonte, wie wichtig die Unterstützung aller Familien sei - ohne die perfekten zu suchen - sowie die Hilfe für die Jugendlichen, die alten Menschen, die Armen, die Immigranten. Unterstützung durch Begegnungen in kleinen Gruppen oder auch über die sozialen Netzwerke. Wichtig sei aber immer echte Nähe, von Du zu Du.

„In der Zeit der Pandemie ist die Sinnfrage wieder neu mit aller Kraft aufgetaucht. Die Suche nach einem geistlichen Leben, die Sehnsucht nach Gott. Und dort, wo die Menschen ein Angebot gefunden haben, das fähig war, ihr Herz und ihr Leben zu berühren, haben sie das Wort Gottes mit aufrichtiger Zustimmung angenommen."

"Und auf der Grundlage dieser Dinge beginnen wir, in Erwartung von Papst Franziskus, den wir um ein Treffen im September gebeten haben. Vorerst kann er noch keine verbindlichen Zusagen machen, aber er wird uns helfen, diese pastoralen Perspektiven weiter zu vertiefen und zu beleuchten." 

Die lange Betrachtung des Kardinals endete mit einem Gebet an den Heiligen Geist und der empfohlenen Lektüre bestimmter Texte. 

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