Kardinal Marx: Türkischer Einmarsch in Syrien ist Bruch des Völkerrechts

Münchner Erzbischof fordert "eine neue Idee des Fortschritts" für die Weltgemeinschaft

Kardinal Reinhard Marx
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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Kardinal Reinhard Marx hat den Einmarsch der Türkei in Syrien als "Völkerrechtsbruch" bezeichnet und vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten gewarnt.

"Wieder sind es die Menschen, die die Opfer sind aufgrund eines politischen Kalküls", sagte Marx am gestrigen Mittwochabend in Berlin.

"Die NATO ist eine Wertegemeinschaft, das sollte gerade jetzt im Blick behalten werden in einer Situation in Syrien, die erschreckend ist", fuhr der Vorsitzende der Bischofskonferenz auf dem St. Michael-Jahresempfang fort.

"Wir brauchen eine Welt, die Individualismen überwindet"

Gleichzeitig verkündete der Erzbischof von München und Freising laut einer Pressemitteilung, dass die Katholische Kirche keine politische Partei sei und "einen Beitrag zur Einheit der Menschheitsfamilie leisten" müsse.

"Sie will zum Nachdenken anregen, um Ziele für die Menschheitsfamilie zu finden und Orientierung zu geben", so Marx demnach wörtlich über die Rolle der Katholischen Kirche.

"Wir gehören als globale Welt zusammen und werden nicht zuletzt durch die derzeit im Vatikan tagende Amazonassynode daran erinnert, neu zu lernen, was vernetztes Denken für die ganze Menschheitsfamilie bedeutet. Wir brauchen deshalb, so wie es auch Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si' fordert, eine neue Idee des Fortschritts, deren Maßstab sich an den Lebensbedingungen aller Menschen orientiert, besonders der Armen". 

Papst Franziskus propagiere eine Fortschrittsidee, die "niemanden unberührt lassen" dürfe, sagte Marx.

"Das gemeinsame Haus der Welt ist uns allen anvertraut. Deshalb ist es gut, wenn in Rom derzeit gefragt wird, wie eine verantwortungsvolle Klimapolitik aussehen kann."

Mit seiner Rede vor mehr als 800 Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft setzte der Kardinal einen Schwerpunkt auf die Rolle von Demokratie und Freiheit. 

"Wir erleben derzeit eine Gefahr des Wiedererstarkens von Nationalismen, von Rückwärtsbewegungen, von Einzelinteressen und Populismen aller Art. Wir haben eine Verantwortung für die Würde eines jeden Menschen. Wir brauchen eine Welt, die Individualismen überwindet, die ein Freund-Feind-Denken, ein Lagerdenken hinter sich lässt", so Marx wörtlich weiter.

In diesem "Moment der Geschichte" gehe es auch um "die Zukunft der Demokratie", fuhr der Münchner Erzbischof fort und verkündete:

"Freiheit und Demokratie sind nicht fertig, sind keine Selbstläufer, sondern Aufgabe und Anspruch – jeden Tag neu. Hier sage ich deutlich: Die Kirche steht auf der Seite der Freiheit. Wo Populisten – auch im religiösen Kontext – bereit sind, ihre Ziele durch eine Minderung der Demokratie und der Freiheit in Kauf zu nehmen, werden wir dagegen aufstehen!"

Persönlich sei er zutiefst erschüttert gewesen, beteuerte Marx, dass in Halle ein solcher "krass vulgärer antisemitischer Angriff möglich gewesen ist. Das darf nie wieder passieren! Wir stehen unverbrüchlich an der Seite unserer jüdischen Schwestern und Brüder! Wir werden auch weiterhin mit ihnen solidarisch sein. Deutlich unterstreiche ich: Nie wieder werden wir uns trennen. Christen und Juden werden immer zusammen durch die Geschichte gehen bis der Herr wiederkommt".

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